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18. Juni 2012

Was ist denn drin?

Auf den meisten Lebensmittelpackungen der Migros finden sich detaillierte Nährwertangaben. Einen schnellen Überblick gewährleisten die Nährwertangaben pro Portion. Doch wie liest man sie richtig?

Ausgewogenere Ernährung dank Food Facts
Wer die Food Facts richtig liest, kann sich ausgewogener ernähren. (Bild: Paco Carrascosa)

Kohlehydrate, Fett, Salz und Zucker: Wieviele Nährstoffe braucht es gemäss den Guideline Daily Amount-Berechnungen im Detail?


Die Nährwertangaben pro Portion und was sie bedeutenAlle diese Angaben stehen hinten auf der Packung

Energie (kcal): Die Angabe zeigt, wie viel Kalorien 1 Portion enthält und wie viel Prozent des täglichen Energiebedarfs einer durchschnittlichen erwachsenen Person dadurch gedeckt wird. Diese Information findet man auch vorne auf der Packung.
Zucker (g): Hier steht, wie viel Gramm Zuckerarten 1 Portion des Produkts enthält und wie viel Prozent des täglichen Richtwerts an Zuckerarten (zugesetzter Zucker, natürlicher Milch- und Traubenzucker etc.) dadurch gedeckt wird.
Fett (g): Diese Angabe gibt Auskunft darüber, wie viel Gramm Fett 1 Portion des Produkts enthält und wie viel Prozent des täglichen Richtwerts an Fett gedeckt wird. Pro Tag sollte man nicht mehr als 70 g Fett aufnehmen.
Gesättigte Fettsäuren (g): Gezeigt wird, wie viel Gramm gesättigte Fettsäuren 1 Portion des Produkts enthält und wie viel Prozent des täglichen Richtwerts damit gedeckt wird. Der Richtwert für die Tageszufuhr liegt bei 20 g.
Kochsalz (g): Hier steht, wie viel Gramm Kochsalz 1 Portion des Produkts enthält und wie viel Prozent des täglichen Richtwerts damit gedeckt wird. Pro Tag sollte ein Erwachsener nicht mehr als 6 g Kochsalz aufnehmen.

«Die Einteilung in gut und schlecht ist unmöglich»

Christina Daeniker (50) ist Fachspezialistin Ernährung und Gesundheit beim Migros-Genossenschafts-Bund.
Christina Daeniker (50) ist Fachspezialistin Ernährung und Gesundheit beim Migros-Genossenschafts-Bund.

Christina Daeniker (50) ist Fachspezialistin Ernährung und Gesundheit beim Migros-Genossenschafts-Bund.

Christina Daeniker, auf welchen Lebensmitteln ist die sogenannte «Guideline Daily Amount» (GDA)-Lebensmittelkennzeichnung zu finden?

Die GDA-Kennzeichnung, das heisst die detaillierten Nährwertangaben pro Portion inklusive Angabe zur Bedarfsdeckung, findet sich unter der Bezeichnung Food Facts grundsätzlich auf allen vorverpackten Lebensmitteln der Migros. Nur wenige Produktgruppen sind von der Kennzeichnung ausgenommen, zum Beispiel Sélection-Produkte.

Sind die Lebensmittelhersteller gesetzlich verpflichtet, diese Angabe zu machen?

Nein, die GDA-Kennzeichnung ist eine freiwillige Massnahme. Sie beruht auf Empfehlungen des Europäischen Verbandes der Lebensmittelindustrien FoodDrinkEurope (FDE). Von Gesetzes wegen sind in der Schweiz grundsätzlich nicht einmal Nährwertangaben je 100 Gramm vorgeschrieben.

Welche Bezugsgrössen kommen dabei zur Anwendung?

Bei der GDA-Kennzeichnung werden Richtwerte für die Tageszufuhr an Nährstoffen verwendet, die auf einer Ernährung von 2000 Kilokalorien basieren. Dies entspricht dem Bedarf einer durchschnittlichen erwachsenen Person.

Was spricht für diese Form der Kennzeichnung?

Sie ist übersichtlich, leicht verständlich und praxisnah. Der Kunde sieht bereits auf den ersten Blick, auf der Vorderseite eines Produkts, wie viele Kalorien eine Portion enthält und welcher Beitrag damit zur täglichen Energieversorgung geleistet wird. Detaillierte Nährwertangaben finden sich auf der Rückseite. Dabei sind die Informationen pro Portion — also pro Becher, Stück oder Glas — gegeben, womit der Kunde wesentlich mehr anfangen kann als mit den gleichen Angaben pro 100 Gramm oder 100 Milliliter.

Worin liegen die Schwächen dieser Darstellungsform?

Die zusätzlichen Informationen auf den Verpackungen benötigen natürlich Raum und verschärfen das Platzproblem, das wir insbesondere auf kleinen Verpackungen haben. Die detaillierten Informationen werden nicht von allen Kunden verstanden und zum Teil auch nicht richtig gelesen. Insbesondere diejenigen auf der Rückseite. Diskussionen gibt es immer wieder zur Wahl der Portionengrösse. Schliesslich essen manche mehr, andere weniger.

Also eignet sich diese Art der Kennzeichnung nicht für jeden Kunden?

Grundsätzlich bietet die Kennzeichnung eine Orientierungshilfe für alle, ob alt oder jung, ob Mann oder Frau. Je nach Alter, Geschlecht oder körperlicher Aktivität kann der Energiebedarf jedoch wesentlich unter oder über 2000 Kalorien liegen. Die Nährwertinformationen gehen vom Bedarf eines Durchschnittsmenschen aus, und man muss für sich selber abschätzen können, ob für einen etwas mehr drin liegt oder weniger.

Viele Experten halten die Ampelkennzeichnung für praktikabler.

Die Ampelkennzeichnung bewertet einzelne Lebensmittel aufgrund ihres Gehalts an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker(arten) und Salz. Aus Ernährungssicht ist jedoch nur die Bewertung der gesamten Ernährungsweise sinnvoll, eine Einteilung der Produkte und der darin enthaltenen Nährstoffe in Gut und Schlecht beziehungsweise Gesund und Ungesund ist nicht möglich. Die Schwellenwerte für die Einteilung in die Kategorien Grün, Gelb, Rot sind starr und vermitteln ein Bild, das in unzulässiger Weise vereinfacht und verwirrt. Die Ampelkennzeichnung bietet keine grosse Hilfe.

Autor: Evelin Hartmann