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05. September 2016

Was ist Demenz?

Je früher die Diagnose gestellt werden kann, desto besser. Aber was genau ist Demenz und wie häufig kommt die Krankheit in der Schweiz vor? Alle wichtigen Zahlen und Fakten. Dazu das Porträt einer polnischen Krankenpflegerin («Ein Teil der Familie»).

früh genug erkannte Demenz
Bei früh genug erkannter Demenz können noch Massnahmen getroffen werden (BIld: Getty Images).

Demenz ist eine Funktionsstörung des Gehirns. Als Demenz bezeichnet man gemäss internationaler Definition ein Krankheitsbild, das meist als Folge einer chronisch fortschreitenden Erkrankung des Gehirns auftritt und sich durch eine Störung von mehreren Hirnleistungsbereichen äussert.

Diese Bereiche sind: Aufmerksamkeit, Sprache, Lernen und Gedächtnis, sogenannte Exekutivfunktionen (Planen, abstraktes Denken, Einsatz von Strategien, Problemlösung), Wahrnehmungsleistungen und Fähigkeiten der sozialen Interaktion.

Es gibt dabei verschiedenste Demenzformen mit unterschiedlichen Ursachen. Reversible Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Vitamin-B12-Mangel können durch gezielte Behandlungen rückgängig gemacht werden. Bei irreversiblen, also nicht rückgängig zu machenden, Demenzformen ist das Gehirn direkt erkrankt.

Für die häufigsten Demenzerkrankungen wie Alzheimer und vaskuläre Demenz hingegen gibt es bis heute keine Heilungsmöglichkeiten. Für die Alzheimerkrankheit gibt es jedoch medikamentöse Therapien, die das Fortschreiten der Erkrankung für eine gewisse Zeit verzögern und die Symptome mildern können.

Weiter gibt es verschiedene, auch nichtmedikamentöse Therapien, die einen günstigen Einfluss auf die Erhaltung der Alltagsfähigkeiten haben und so zu einer möglichst grossen Selbständigkeit und Zufriedenheit der Erkrankten beitragen. Dies wiederum sind wichtige Faktoren für die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Leider lassen sich einige Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und Genetik nicht beeinflussen. Mit einem gesunden Lebensstil reduziert sich das Risiko an Demenz zu erkranken.

Die Früherkennung spielt eine wichtige Rolle. Hat man bei sich oder einem Angehörigen das Gefühl, es laufe im täglichen Leben irgendwie nicht mehr wie früher, lohnt es sich, der Sache auf den Grund zu gehen und sich für eine Abklärung beim Hausarzt anzumelden.

Je früher die Diagnose gestellt werden kann, desto besser. Dann können geeignete Behandlungen in die Wege geleitet werden. Betroffene Person und ihre Angehörigen können die Zukunft gemeinsam planen, nötige Massnahmen treffen und Hilfe organisieren. Manchmal wird bei der Abklärung einfach auch deutlich, dass es sich um eine normale Hirnalterung handelt und nicht um Demenz.

Autor: Ruth Stylianou-Oberli