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01. Mai 2017

Was ist bei Scheidung mit den Vorsorgegeldern?

Jeannette Schaller, Leiterin Finanzplanung bei der Migros Bank, über die gerechtere Verteilung von Vorsorgegeldern seit Anfang 2017.

Verteilung von Vorsorgegeldern bei Scheidung
Fairere Verteilung von Vorsorgegeldern bei Scheidung (Quelle: in Anlehnung an das Vermögenszentrum VZ)

Der Bundesrat hat die Aufteilung der Vorsorgegelder im Scheidungsfall neu geregelt. Die Änderungen stellen eine erhebliche Verbesserung für Ehegatten dar, die während der Ehe nicht oder nur teilweise erwerbstätig waren. Die neuen Gesetzesbestimmungen ­respektive Verordnungs­änderungen sind am 1. Januar 2017 in Kraft ge­treten.

Sie bezwecken eine gerechtere Aufteilung des Guthabens aus der beruflichen Vorsorge bei einer Scheidung unter Eheleuten oder der Auflösung einer registrierten Partnerschaft. Bestehende Renten aus bisherigen Scheidungsurteilen können unter bestimmten Voraussetzungen innerhalb eines Jahres in Vorsorgerenten nach neuem Recht umgewandelt werden.

Mit der neuen Regelung werden diverse Benachteiligungen aufgehoben. Der bisherige Grundsatz, dass die Vorsorgegelder unter den Eheleuten hälftig aufgeteilt werden, gilt nach wie vor. Bei der Aufteilung der Gelder wird aber neu auf den Zeitpunkt der Einleitung und nicht mehr das Ende des Scheidungsverfahrens abgestützt. Zudem führt die Tatsache, dass der Vorsorgeausgleich auch dann erfolgt, wenn ein Ehegatte bereits pensioniert oder invalid ist, ebenfalls zu einer wesentlichen Verbesserung.
Bisher wurde in diesen Fällen das Guthaben nicht aufgeteilt, sondern eine einmalige Abfindung ausbezahlt.

Neu ist auch, dass die Vorsorge- und Freizügigkeitseinrichtungen der ­Zentralstelle 2. Säule alle Inhaber von Vorsorgeguthaben periodisch melden müssen. Mit dieser Anpassung wird eine weitere Schwachstelle abgeschafft. Die Scheidungsgerichte kontrollieren, dass keine Vorsorgeguthaben der Teilung entzogen werden. Weitere Bestimmungen stellen sicher, dass während der Ehe kein Vorsorgeguthaben ohne das Wissen des Ehegatten ausgezahlt wird und bei einem Vorsorgeausgleich ein fairer Anteil des Altersguthabens an den obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge übertragen wird.

Ein Fortschritt ist auch die Möglichkeit, dass Personen, die bei einer Scheidung selbst nicht bei einer Pensionskasse versichert sind, sich der Auffangeinrichtung BVG anschliessen können. Sie haben dadurch die Möglichkeit, das Guthaben später in eine Rente umzuwandeln.

Autor: Jeannette Schaller