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03. September 2012

Was für ein Zunderobsi!

Wenn das Kinderzimmer aussieht, als wäre eine Bombe explodiert, hilft nur eines: ruhig durchatmen. Es gibt kein Patentrezept gegen die Unordnung. Wohl aber Tricks, mit denen sich das Chaos etwas eindämmen lässt.

Ordnung
Andere Vorstellungen von Ordnung: Kinder fühlen sich dann wohl, wenn sie ihre Kostbarkeiten um sich herum anhäufen können. (Bild: Getty Images)

Damit die Ordnung mit den Kindern wächst: Die Tipps zum Aufräumen fürs Vorschul-, Schul- und Teenageralter.

Timo sitzt auf einem Berg aus Legosteinen und blättert in einem Bilderbuch. Die Gleise der Holzeisenbahn, die er kurz vorher verlegt hat, beginnen unter den Bausteinen und enden im Nirgendwo. Während der Vierjährige in aller Seelenruhe das Buch beiseitelegt und nach seinen Memorykarten greift, fragt man sich, wann denn genau der Tornado durch das Kinderzimmer gefegt ist. Aber nein, das war kein Wirbelsturm. Es ist viel einfacher: Timo spielt.

In vielen Familien ist das wiederkehrende Spielzeugchaos ein Riesenthema. Während sich die Erwachsenen in Anbetracht des Durcheinanders die Haare raufen, verstehen die Mädchen und Buben die Aufregung nicht. «Kinder haben ganz andere Vorstellungen von Ordnung als ihre Eltern», sagt Manuela Meyer-Mäder (39), Mütterberaterin aus Muri AG. «Sie brauchen keine freien Flächen, sie fühlen sich oft gerade dann wohl, wenn sie ihre Kostbarkeiten um sich herum anhäufen können.» Hinzu kommt, dass es beim kindlichen Spiel oftmals keinen Start- oder Schlusspunkt gibt. Die Aktivitäten verschmelzen miteinander. Es kann passieren, dass der Playmobil-Polizist mit dem ferngesteuerten Auto über eine Brücke aus Holzbausteinen fährt. «Aus dem vermeintlichen Chaos entsteht Kreativität», sagt die Vorsteherin des Schweizerischen Verbandes der Mütterberaterinnen. Deswegen sind Eltern gut beraten, nicht gleich einzugreifen, wenn nacheinander mehrere Spielzeuge ausgepackt werden.

Und doch: Manchmal ist die Hilfe der Erwachsenen gefordert. Nämlich dann, wenn die Kleinen vor lauter Auswahl den Überblick verlieren. Eltern könnten beispielsweise fragen: Wollen wir mal etwas auf die Seite legen, bevor du etwas Neues anfängst? «Es spricht übrigens auch nichts dagegen, einen Teil der Puppen, Autos und Bauklötze zeitweilig aus dem Verkehr zu ziehen», rät Manuela Meyer-Mäder. «Bei Spielsachen gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr.»

Es ist ausserdem wichtig, dass Eltern, wenn es um das Thema Aufräumen geht, immer das Alter und den Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen. Eine Dreijährige kann ihre Spielsachen nicht komplett in Eigenregie wegräumen. «Wenn Mama und Papa aber mit anpacken, kann daraus ein Ritual entstehen», sagt Manuela Meyer-Mäder. Mit etwas Glück schafft es das Kind im Laufe der Zeit immer besser, mehr Ordnung zu halten.

Autor: Bettina Leinenbach