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07. Mai 2012

Was die Konzentration im Heimbüro fördert

Wer seine Arbeit auch mal daheim erledigen kann, ist zufriedener und oft erst noch effizienter. Hier erfahren Sie, worauf man beim Einrichten des Home Office und während einem Bürotag in den eigenen vier Wänden achten sollte.

Das Büro eines Kreativen?
Das Büro eines Kreativen, oder einfach schlicht zu grosse Unordnung und zu wenig Platz? (Bilder Getty Images)


Die Büroarbeitsplätze der Angestellten unterscheiden sich in den meisten Firmen stark, selbst wenn die Grundausstattung mit einem Computer, etwas Ablagefläche, einem Korpus, einigen Ordnern und Unterlagen identisch ist. Noch viel mehr gilt dies für daheim eingerichtete Arbeitsorte: Die einen mögen es nüchtern, bei anderen dominieren Fotos von Kindern, Partnern oder Reisen. Und dann gibts noch jene, bei denen privates und geschäftliches Material in purem Chaos koexistiert.

Ein Effizienter oder einfach ein Abgelenkter, der glaubt, zu 100% arbeiten und Kinder hüten zu können?
Ein Effizienter oder einfach ein Abgelenkter, der glaubt, zu 100% arbeiten und Kinder hüten zu können? (Bild Getty Images)

Die einen brauchen einen strikt auf die Arbeit ausgerichteten Ort, anderen hilft gerade ein privates Umfeld, voranzukommen oder Ideen zu entwickeln. migrosmagazin.ch verrät dievier häufigsten Büro-Typen, die sich zu Hause meist schon mit einem Blick auf ihren Arbeitsort erkennen lassen. In der Firma benötigt man häufig ... einen zweiten.

A. Der Aufgeräumte: Er braucht eine Umgebung, die strenge Ordnung demonstriert, um effizient arbeiten zu können. Es darf ganz sicher nichts einfach rumliegen, und spätestens nach einem halben Arbeitstag wird alles aktuell nicht mehr verwendete weggeräumt. Denn im Idealfall herrscht nicht nur Übersicht, sondern auch zu grossem Teil Leere auf dem Tisch und darum herum. Das kommt daher, dass der Aufgeräumte sicher ist, dass es immer erst ein 'leeres Blatt' braucht, um es danach sinnvoll füllen zu können.

B. Der Kreative (böse: der Chaot): Er geht bewusst oder insgeheim davon aus, dass sich der Geist frei bewegen können muss, um Ideen zu finden und weiter zu entwickeln. Eine strenge Ordnung würde auf ihn wie eine Zwangsjacke wirken, und er würde befürchten, dass in einer solchen Umgebung Geistesblitze gar nicht entstehen können oder sogleich abgewürgt werden. Da sucht er lieber einmal etwas länger nach Unterlagen, die sich vielleicht in einem Stapel mit anderem Material 'versteckt' halten.

C. Der Ablenker: Er hat tendenziell ein eher aufgeräumtes Büro, aber nie ein pingelig ordentliches. Sogleich erkennen kann man ihn daran, dass mehr als nur eine gut sichtbare Foto der Familie, von der letzten Ferienreise oder vielleicht ein gut sichtbarer Zeuge seiner Fan-Zugehörigkeit zu einem Fussballklub (oder bei ihr zu einem Modelabel o.ä.) zur Büro-'Einrichtung' gehört. Diese privaten Spuren beweisen, dass hier eine Persönlichkeit arbeitet, die nicht allein in der Arbeit aufgeht. Zudem hilft es ihm, zwischendurch kurz an etwas Angenehmes zu denken. Ablenkung und Neukonzentration folgt einem schnellem Muster.

Ein Büroflüchter, der offiziell kein Heimbüro hat und sich so für beweglicher hält?
Ein Büroflüchter, der offiziell kein Heimbüro hat und sich so für beweglicher hält? (Bild Getty Images)

D. Der Büroflüchter: Er hat Mühe damit, ein klassisches Büro zu betreiben, vor allem zu Hause, wenn er bereits im Geschäft eines hat. Oft arbeitet sie oder er in einem eher gestalterischen Beruf oder weiter gefasst in einem mit wenig vorgegeben, sich in einem bestimmten Rhythmus wiederholenden Aufgabestellungen. Deshalb beweist er sich stets von Neuem, dass er im Grunde überall arbeiten kann, und dass er nicht an ein eigenes Büro gebunden ist. Es macht ihn freier, tatsächlich oder zumindest ein Stück weit im Kopf.

Sechs Tipps für effiziente Heimarbeit

Worauf sollte beim Arbeiten in den eigenen vier Wänden unbedingt geachtet werden? Sechs Tipps helfen weiter:

1.Grenzen Sie die Erwerbsarbeit auch zu Hause räumlich etwas von Essens-, Ruhe- und Spielplätzen ab.
Nur wenige Menschen kommen zurecht mit Lebensbereichen, die zugleich der Freizeit und der Arbeit gewidmet sind. Wenn Sie nun einwenden, nicht alle hätten zu Hause einen eigenen Raum nur für Bürozwecke zur Verfügung, haben Sie natürlich recht. Aber schon eine Hälfte von einem (Schreib-)Tisch mit genug Platz für das Notebook oder einen Desktop-PC und 30-40 cm an sicher für Unterlagen freier Platz (in der Breite) genügen schon. Es muss klar sein: Dieser Bereich gehört dem Job.

2.Legen Sie die Arbeitszeiten fest und halten Sie sie ein.
Die meisten Arbeitenden benötigen an ihrem Home Office Day eine regulierte Frist, während der gearbeitet wird, und einen Bereich danach oder dazwischen, welcher klar der Familie, Freizeit oder Erholung gehört. Die Zeiten müssen sich nicht mit den Arbeitszeiten an einem Tag in der Firma decken. Natürlich profitiert man mit Kindern im Kindergarten oder der Schule davon, am Mittag etwas zu kochen und mit ihnen zu essen. Dafür kann man ja morgens etwas früher beginnen (zumal der Arbeitsweg wegfällt). Es hilft aber, zu wissen, von wann bis wann gearbeitet wird. Beginnt man nämlich stundenweise den Haushalt zu erledigen, kann man spätabends aufgeschobene Arbeit nachholen. Was kaum jemand gern tut – und deshalb öfters ganz liegen bleibt. Und schon hat man nach einem Monat fünf oder zehn fehlende Stunden...

3.Vereinbaren Sie Regeln mit dem Umfeld, wann Sie (nicht) gestört werden wollen.
Im Grunde müssen nicht nur Sie, sondern zwei weitere Seiten wissen, ob Sie gerade verfügbar sind. Die Mitarbeitenden im Geschäft sollten die Zeiten (siehe 2.) kennen, zu denen Sie arbeiten und auch per Mail oder Telefon behelligt werden können. Das heisst: Wann von Ihnen auch innert kurzer Frist eine Reaktion kommt. Vielleicht schaffen Sie es für eine noch effizientere Arbeitsweise (als gemeinhin in der Firma!) gar, einen halben Tag gestört zu werden, den anderen aber wirklich für maximal konzentrierte Projekt-, Entwicklungs- oder Schreibarbeit nutzen zu können. Mindestens so wichtig ist es für die Kinder oder die/den Partner(in) in den eigenen vier Wänden: Klar, bei einem absoluten Notfall können sie immer kommen, gerade mit Kindern lohnt es sich aber auch, Regeln aufzustellen, wann sie mal stören können und wann sicher nicht.

4.Klären Sie ab, mit welchem Computer gearbeitet wird und wer für Software oder Support zuständig ist. Wichtig ist auch abzuklären, welche Internetverbindung den Ansprüchen genügt und ob sich die Firma an den Kosten beteiligt.
Das tönt für viele vielleicht bürokratisch, aber letztlich nutzen viele zu Hause private Infrastruktur, in erster Linie Computer-Hardware und eine brauchbar schnelle Internetverbindung, um für den Arbeitgeber aktiv zu sein. Zeigt der Arbeitgeber ein grösseres Entgegenkommen, damit Sie überhaupt regelmässig zu Hause arbeiten dürfen, können Sie ihm dies natürlich wiederum mit der Nutzung privater Arbeitsgeräte 'vergelten'. Dann sollte er aber zum Beispiel in Sachen Sicherheitsbestimmungen der Webumgung keine riesigen Anforderungen stellen. Will er letzteres, so ist eher üblich, dass Sie einen Geschäfts-Computer (meist ein Notebook) erhalten und sich für die gelegentliche private Nutzung dann an die Bestimmungen und Regeln des Arbeitgebers halten müssen. Für die Abgeltung eines Teils der Breitband-Internetnutzung (die Sie vielleicht privat ohnehin haben) kennen viele Firmen im Übrigen Pauschalbeträge, die je Monat oder mehrere Monate verrechnet werden können.

5.Organisieren Sie Getränke, Verpflegung und allenfalls einen Platz für Lockerungsübungen. Wenn die Konzentrationskrise kommt, werden Sie froh darum sein.
Setzen Sie sich an die Arbeit, sollten Sie zu Hause bestenfalls so gerüstet sein wie im Geschäft. Brauchen Sie regelmässig etwas zu trinken, eine Frucht oder einen Schokoriegel, so steht all dies auch daheim bereit. Neben dem Anheben des Zucker- (oder Koffein-?) Spiegels denken viele auch an die eine oder andere kleine Belohnung beim Abhaken einer grösseren Aufgabe.
So flüchtet man bei Mini-Konzentrationslücken weniger schnell gleich in die Küche zum Eisschrank und wirft dort obendrein noch einen Blick in die Zeitung. Ansonsten gönnt man sich dieselben Kurzpausen wie bei der Arbeit auch: Sie sind so lange, dass die Arbeit bald fortgesetzt werden kann, keineswegs so lang, dass die nächste Pause zum Ziel wird.

6.Richten Sie den Arbeitsplatz möglichst nach den wichtigsten ergonomischen Prinzipien ein.
Auch hier gelten letztlich genau dieselben Regeln wie beim Arbeitsplatz in der Firma. Viele denken, für einen oder maximal zwei Tage in der Woche spiele das Einrichten keine so grosse Rolle wie für fünf Tage im Geschäft. Nach längerer Zeit rächen sich vielleicht der Rücken, die Augen oder die Sehnen an den Händen dafür. Deshalb hier in Kurzform das Wichtigste:

- Wechseln Sie im Sitzen möglichst oft die Position. Eine noch so kerzengerade Sitzposition ist schlecht, ändert man sie zweimal vier Stunden nie.
- Halten Sie mindestens ca. einen halben Meter Abstand zum Bildschirm eines Desktop-Computers, vielleicht etwas weniger bei einem 13- bis 16-Zoll-Bildschirm eines Notebooks (noch kleiner sollte der Bildschirm bei ganzen Arbeitstagen nicht sein!).
- Schauen Sie von der Kopfhöhe nur leicht nach unten auf den Mittelpunkt des Bildschirms. Die meisten Leute haben einen zu grossen Winkel (abwärts).
- Achten Sie auf eine genügend starke Lichtquelle, die das Licht möglichst schnell verteilt und nicht nur genau an einen Punkt hinzielt (auch wenn das genau der Bildschirm ist). Je mehr natürliches Licht tagsüber, desto besser.
- Sitzen Sie niemals länger so, dass die Beine nach hinten geknickt sind, weil der Stuhl zu tief ist, oder kaum den Boden berühren. Und die Arme sollten beim Tippen auf der Tastatur beim Ellenbogen zumindest einen 90-Grad-Winkel bilden, aber auch nicht sehr viel mehr.


ICH ARBEITE DAHEIM: Sind Sie mindestens einen Tag pro Woche zu Hause erwerbstätig? Sieht Ihr Home Office chaotisch aus, oder ist es stets aufgeräumt? Wird es von Hobbys, Ferien- oder Familienbildern dominiert oder sieht sonst unverwechselbar aus?
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«Hier arbeite ich zu Hause»: Die bisher eingesandten Heimbüro-Bilder im Überblick.

Autor: Reto Meisser