Archiv
27. Dezember 2016

Was bringt uns das neue Jahr?

Die Devise von Migros-Banker Albert Steck lautet: «Ich weiss, dass ich nichts weiss.» Denn auch das Nichtwissen ist von Nutzen.

Swiss Performance Index seit 1988
Riesige Unterschiede von Jahr zu Jahr: Jährlicher Verlauf der Schweizer Börse (Swiss Performance Index) seit 1988 (Daten: SIX).

Mark Twain war einer der grössten amerikanischen Schriftsteller. Von Ökonomie allerdings hatte er keine Ahnung. Und doch stammt von ihm ein geistreiches Zitat, das sich jeder Ökonom hinter die Ohren schreiben sollte: «In Schwierigkeiten bringt uns nicht das, was wir nicht wissen. Es sind diejenigen Dinge, die wir zu wissen glauben, die in Wirklichkeit aber falsch sind.»

Besonders jetzt zum Jahreswechsel übertrumpfen sich so manche Ökonomen mit detaillierten Vorhersagen zur Börse, den Zinsen oder den Währungen. Doch sowohl bei der Brexit-Abstimmung als auch bei der Wahl von Donald Trump lagen die meisten dieser Prognostiker falsch. Was allerdings passiert, wenn eine grosse Mehrheit etwas zu wissen glaubt, was in Wirklichkeit falsch ist, haben wir in der Schweiz beim Frankenschock vom Januar 2015 eindrücklich erlebt.

Prognosen sind also notorisch unzuverlässig. Heisst das nun, dass es keinen Sinn macht, sich überhaupt mit der Zukunft auseinanderzusetzen? Auf keinen Fall! Aber statt mit starren Voraussagen oder Hypothesen sollte man vielmehr in Szenarien denken. Konkret: Anstatt zu behaupten, dass uns ein gutes oder schlechtes Börsenjahr bevorstehe, lautet eine viel nützlichere Konklusion: «Mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent werden Ihre Aktien bis Ende Jahr einen Verlust einfahren. Nach fünf Jahren indes sinkt dieses Risiko auf nur noch 10 Prozent.» Eine schöne Visualisierung dieses Denkens in Szenarien bietet die obenstehende Grafik, die schon fast an ein Gemälde erinnert. Sie zeigt den Jahresverlauf der Schweizer Börse seit 1988

Gerade in unsicheren Zeiten wie heute verspüren wir ein generelles Verlangen nach Kontrolle und Gewissheit. Trotzdem sollten Sie der Anziehungskraft von eingängigen Prognosen und Erklärungsmustern widerstehen. Diese spiegeln Ihnen bloss eine falsche Sicherheit vor. Wenn Sie dagegen das eigene Nichtwissen anerkennen, so sind Sie vor einer gefährlichen Selbstüberschätzung gewappnet – und treffen letztlich die besseren Entscheidungen. Oder wie es der Investor Charlie Munger einmal formuliert hat: «Wahre Kompetenz besitzt derjenige, der weiss, an welchem Punkt diese endet.» In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erfolgreiches 2017.

Aktuell auf blog.migrosbank.ch: Meine Lektion für das Jahr 2017

Autor: Albert Steck