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13. Juni 2016

Schnecken haben keine Warzen

Wenn Kinder Warzen «auflesen»
Wenn Kinder überall Warzen «auflesen». (Bild: Fotolia)

Die Schreiberei ist gut und schön, aber ich denke ernsthaft über ein zweites berufliches Standbein nach. Hier meine Idee: Ich könnte mich als Warzenexpertin selbständig machen und durch die Lande reisen. Ungefähr so, wie die Laustanten, die von Schule zu Schule ziehen, um Kinderköpfe durchzukämmen. Oder wie die Zahnputzfeen, die durch die Chindsgigruppen tingeln, um lustigen Handpuppen die falschen Beisserchen zu schrubben. Ich wäre also Bettina, die Frau für warzige Angelegenheiten aller Art. Nach bald acht Jahren als Mutter habe ich alles gesehen: die flachen Dornwarzen, die knubbeligen Dellwarzen, die blumenkohlartigen Handwarzen. Meine Töchter ziehen die Viren, die die Hautwucherungen hervorrufen, magisch an. Es ist nicht auszuschliessen, dass die beiden (ohne meine Erlaubnis) Hinweisschilder aufgestellt haben, um den fiesen Dingern den Weg zu sich zu zeigen. Das ist zwar nur eine Hypothese, aber es würde vieles erklären.

Wenn es uns mal wieder verwütscht hat, gibt es jeweils die Phase des Nichtwahrhabenwollens. «Du hast schwarze Pünktli an der Fusssohle? Das, liebes Kind, ist sicher nur Dreck.» Doch spätestens, wenn der «Schmutz» auch das dritte Vollbad übersteht, lässt sich das Problem nicht mehr ignorieren. Es soll ja Mamis geben, die in Sachen Warzen voll auf Naturheilkunde setzten. Die zielen mit Zuckerkugeln auf die Knubbel (und treffen nur selten). Andere besorgen sich magische Sprühtinkturen aus der Drogerie und nebeln das Kind damit ein. Schneckenschleim wäre auch noch eine Option, obwohl ich ehrlicherweise niemand kenne, bei dem das funktioniert hat. Andererseits – Schnecken haben keine Warzen. Das könnte ein Hinweis sein, oder?

Bettina, Queen of Warzenbekämpfung, sagt Ihnen jedenfalls: alles Humbug! Es gibt eigentlich nur zwei Optionen: Entweder Sie lassen die Mistdinger in Ruhe und hoffen, dass Ihr Kind zu den zwei Prozent gehört, bei denen das Immunsystem die Warzen vernichtet (viel Spass beim Warten!) – oder sie fackeln nicht lange und greifen zu Mitteln, die wirklich helfen.
Wir haben ja gute Erfahrungen mit Ameisensäure gemacht. Das entsprechende Produkt, eine stinkende Lösung, gibts rezeptfrei in der Apotheke. Die Ameisensauce muss man nur einmal pro Woche auftupfen, und Dornwarzen (=Fusssohlenwarzen) verschwinden nach ein, zwei Monaten. Handwarzen sind hartnäckiger, aber auch hier leistet der Abwehrstoff der Insekten gute Dienste.

Ein anderes Kaliber sind hingegen Dellwarzen (auch Mollusca contagiosa genannt). Die kugeligen Wucherungen, die quasi an allen Körperstellen massenhaft auftreten können, können einen echt in den Wahnsinn treiben. Aus Erfahrung weiss ich, dass man sie am schnellsten loswird, wenn man sie beim Arzt mit einem scharfen Löffelchen abtragen lässt. Aber erzählen Sie das mal Ihrem Kind. Es stellt sich dann gleich amputierte Unterschenkel vor… Konzentrierte Lauge wäre die Alternative, das zugehörige Mittelchen gibts auch in der Apotheke. Die Dellwarzen ein paar Mal damit betupfen – und die Haut um den Warzenknubbel entzündet sich. Das ruft das Immunsystem auf den Plan, das die Eindringlinge dann erfolgreich bekämpft. Zumindest meistens.

So, und nun bin ich sehr gespannt auf Ihre Tipps. Ich glaube insgeheim, dass auch in Ihnen eine Warzenfachfrau/ein Warzenfachmann steckt.

Autor: Bettina Leinenbach