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14. Januar 2013

Warum sammeln Sie?

Eine Mehrheit der Menschen sammelt. Die Motivation ist aber völlig unterschiedlich: Fünf weit verbreitete Typen und die Umfrage (rechts). Welche Sammel-Leidenschaft teilen Sie?

Die Penny-Briefmarke von 1840, bald ein beliebtes Sammlerstück.
Die Penny-Briefmarke von 1840, bald ein beliebtes Sammlerstück.

Vielleicht nimmt die Sammel-Tätigkeit in den klassischen Bereichen des 20. Jahrhunderts (und teils früher) ab: Briefmarken-Fans etwa dürften weltweit und auch in der Schweiz in der Anzahl zurückgehen. Bei den Kaffeerahmdeckeli ist das Erfassen respektive Abschätzen der Aktivitäten noch schwieriger. Bevor Sie nun aber vorschnell das Ende des Sammelns ausrufen und sich weit davon distanzieren: Haben Sie eine Cumulus-Karte, sammeln Flugmeilen oder anderes von Wert? Letztlich sammeln also auch Sie, selbst wenn es vielleicht nicht um Objekte geht, die dann zu Hause herumstehen und immer mehr Platz benötigen. Und viele sind gar nicht so auffälligen Sammelleidenschaften erlegen, die leicht vergessen gehen: Etwa dem Füllen von Panini-Alben bei jedem Fussballturnier, oder dem von Zollstempeln aller Herren Länder von den häufigen Ferien...

migrosmagazin.ch stellt die häufigsten Sammler-Typen kurz vor. Vielleicht erkennen Sie sich ja doch in einem (ein Stück weit) wieder? Rechts können Sie an der Umfrage teilnehmen.

1. Ich sammle SELTENES
Dieser Sammler-Typ will etwas ganz Spezielles für sich haben, etwas, das kaum jemand anders (in der Zusammensetzung) besitzt. Das kann sich bereits in der Wahl des Sammelobjektes äussern: Alle weltweit angetroffenen Austauschmünzen für Einkaufswagen in Supermärkten zum Beispiel. Oder aber man wählt ein klassisches Sammelobjekt, legt dort aber grössten Wert auf Einzelstücke, die es nur selten gibt und die schwer zu kriegen sind. Gerade bei den Briefmarken eine verbreitete Haltung. Dann zählt

2. Ich sammle WERTVOLLES
Die zweite Art von Sammler verlegt sich auf das Anhäufen von Gegenständen, die bereits neben dem Sammler-Wert einen gewissen Eigenwert besitzen, etwa durch das Material: Der Klassiker wäre der Goldvreneli-Sammler, der nicht nur viele und verschiedene Stücke sein eigen nennen will, sondern der damit auch auf den Goldwert (gegen die herkömmliche Währung seines Landes oder Aktien respektive Obligationen etc.), also eine Wertanlage, setzt. Bei diesem Beispiel in den letzten paar Jahren eine lohnende Investition! An einem bestimmten Punkt muss sich dieser Sammler jedoch entscheiden, ob er nun der Sammlung treu bleibt oder einen gewonnen (Geld-)Wert realisiert. Letzteres bedeutet den Abschied von der Sammlung, einen Neuanfang oder gar ein neues Sammelgebiet.

3. Ich sammle ALTES
Der dritte Typ des Sammlers möchte letztlich etwas (auf-)bewahren, das für ihn einen Erinnerungswert enthält. Das irgendetwas Historisches sein, wie alte Wappen oder Wimpel. Es kann aber auch nur einige Jahre zurück etwas ganz Alltägliches sein (z. B. Migros-Einkaufstaschen), das für ein bestimmtes Design, eine gewisse Zeit oder Epoche steht. Ein ausgeprägter Barockfan wird vielleicht alles aus dieser Zeit sammeln, ohne sich auf eine Art von Gegenstand oder Tradition festzulegen.

4. Ich sammle ÄSTHETISCHES
Die vierte Art möchte neben der wachsenden Sammlung noch einen bestimmten Nutzwert von der Sache haben: Bestimmte Wein-Freaks kaufen gerade seltene Flaschen, trinken bei idealem Alter (und Lagerung) die Weine und behalten vielleicht eine Flasche pro Typ auf, eher aber noch bloss eine Etikette. Für diesen Sammler geht es auch um den Besitz, aber letztlich sucht er vor allem anderen: Schönes, Leckeres, einfach etwas konsumier- oder im weitesten Sinn Brauchbares. Vielleicht gibts diesen Typen auch unter den Briefmarkensammlern, er wollte dann besonders schön gestaltete Marken sein eigen nennen und von Zeit zu Zeit betrachten. Ihr Wert und ihre Seltenheit wären für ihn zweitrangig oder gar komplett gleichgültig.

5. Ich sammle (EIN-)TAUSCHBARES
Diese letzte hier vorgestellte Art will sich vor allem mit Menschen mit ähnlichen Interessen austauschen, mit ihnen handeln, Tipps bekommen und bestenfalls an Börsen oder vergleichbaren Anlässen seine Zweit- oder weniger wichtigen Stücke gegen andere eintauschen. Eine Sammlung zu Hause zu horten, zu vervollkommnen und bisweilen zu betrachten zählt für ihn weniger. Klassisch wäre dies für den traditionellen Plattensammler, auch wenn der, weil er bestimmte Platten und Stücke sicher gerne hört und nicht nur in einen Schrank oder den Estrich verräumt, ebenfalls häufig zum vierten Typ gehören dürfte
Überhaupt dürften die meisten Sammler mehr als eine der geschilderten Eigenschaften für ihr Hobby als zutreffend empfinden, meistens erweist sich aber eine als dominierender gegenüber den anderen.

Autor: Reto Meisser