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10. Juni 2013

Warum beim Sex niemand gefressen wird

Mamma Mia Kolumne
Aufklärung ist wichtig (Bild: iStock Photo).

«Mami, ich weiss jetzt, warum die Babys im Bauch wachsen.»

«Okay? Erzähl mal!»

«Da kommen so kleine Tierchen. Die fressen das Ei auf. Und dann gibts ein Baby.»

Ida schaute mich erwartungsfroh an. Ich war sprachlos. Meine Vierjährige wusste etwas über die Befruchtung. Woher kam das gefährliche Halbwissen zum Thema Fortpflanzung? Bilderbücher? Negativ: «Conni» fährt zwar Velo und bäckt Pizza, sie zeugt aber keine Kinder. Fernsehen? Kann auch nicht sein. (Oder wurde neulich bei der «Sendung mit der Maus» die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle durchgenommen? Zutrauen würde ich es denen ja.) Darüber geredet haben wir auch nicht. Also, nicht wirklich. Ida wollte neulich wissen, warum Mamis schwanger werden können. Ich faselte etwas von Liebe. Und davon, dass sich das ein Mann und eine Frau ganz fest wünschen müssen. Es war nie die Rede von Spermien. Ich schwöre! Und schon gar nicht davon, dass jemand dabei gefressen wird.

Nun war wohl der Zeitpunkt für das erste Aufklärungsgespräch gekommen. Gopf! – offensichtlich war ich verklemmter als gedacht. In schlauen Erziehungsratgebern steht zum Thema Aufklärung jeweils, man möge das Kind an dem Punkt abholen, an dem es steht. Also gut. Bienchen und Blümchen war nicht mehr. Der Klapperstorch hatte auch ausgeklappert. Es musste etwas sein, in dem die Tierchen (= Spermien) vorkamen. Am nächsten Tag nahm ich meine Grosse auf den Schoss und gab alles:

«Ida, ich erkläre dir jetzt, wie die Babys in den Bauch der Mamas kommen.»

«???»

«Aber Mäuslein, du wolltest das doch neulich wissen …»

«Nein, Mami, ich wollte wissen, warum wir im Winter atmen können.»
«Hääää?»

«Aber, Mami, ich versteh das wirklich nicht.»

«Was verstehst du nicht?»

«Na, die Bäume machen doch mit ihren Blättern unsere Luft. Im Winter sind die Blätter aber weg. Wie können wir an Weihnachten atmen?»

Das war dann der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich Ida noch nicht aufklären musste. Zumindest nicht, bevor ich ihr etwas mehr über die Fotosynthese, das Wetter und die Zusammensetzung der Atmosphäre erzählt hatte.

Autor: Bettina Leinenbach