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21. November 2016

War das Leben früher wirklich so viel strenger?

Gabriela Bonin beantwortet Kinderfragen zu aktuellen Themen. Diese Woche will Nadja Lehner (11) aus Gossau SG wissen, ob das Leben früher wirklich so viel strenger war.

Die Strapazen unserer Grosseltern waren gewiss gross: Die meisten von ihnen mussten körperlich anstrengende Arbeiten verrichten. Viele schufteten auf Bauernhöfen oder in Fabriken. Der Zweite Weltkrieg forderte von ihrem meist bescheidenen Leben zusätzliche Entbehrungen. Auch viele Kinder hatten harte Pflichten im Haus oder auf dem Hof.

Heute ist das Leben auf andere Weise sehr fordernd. Damals ­regierte der Verzicht – heute der Überfluss. Beides fordert seinen Preis und ist «streng».

Vor hundert Jahren arbeiteten rund je ein Drittel der Schweizer in der Landwirtschaft und in der Industrie. Weniger als ein Drittel war im Dienstleistungsbereich tätig, also zum Beispiel im Büro. Dann ging der erste und zweite Bereich massiv zurück und der dritte stieg an: Heute arbeiten über zwei Drittel der Schweizer in der Dienstleistung. Das ist körperlich locker, aber geistig anstrengend, und zwar je länger, je mehr.

Wir arbeiten heute immer schneller, flexibler und konzentrierter. Das ist sogar in den Schulen so. Zudem haben viele Leute verlernt, echte Pausen zu machen, und stressen auch in der Freizeit herum. Immer mehr Menschen sind geistig ausgelaugt.

Mein Rezept dagegen heisst «Sonntag»: Er verspricht mir geistige Nahrung und Freude – sofern ich ihn mir entschieden (zurück)erobere.

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Autor: Gabriela Bonin