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05. Mai 2014

Wanderparadiese an der Schweizer Grenze

Zu Fuss ins grenznahe Ausland und zurück: Vier stressfreie Routen mit Ausgangspunkt in Graubünden, im Tessin, Wallis und Jura. Haben auch Sie ein- oder zweitägige Lieblingswanderrouten an der Grenze? Und: Die Reportage vom Luganersee (rechts).

Auf dem Gafienjoch
Abwechslungsreiche Sommerroute: Auf dem Gafienjoch zwischen oberem Prättigau und dem Monatfon. (Bilder: Montafon Tourismus)

Stippvisite im Montafon: MADRISA-RUNDTOUR
Eine von vielen Schweizern verkannte Wanderregion sind die Berge und Übergänge zwischen dem (oberen) Prättigau im Nordosten Graubündens und dem nördlich angrenzenden Montafon in Österreich. Wir schlagen die angesichts hoher Pässe nur im Sommer empfehlenswerte, dank einer Übernachtung im kleinen Touristenort Gargellen (Hotels wie das noble Madrisa oder das einfachere Edelweiss auf www.gargellen.at/hotels.html) jedoch entspannte Umrundung des Madrisahorns vor.

TIPP: Von Klosters führt die Madrisabahn am Morgen auf knapp 1900 Meter Höhe, danach nimmt man den erst recht sanft, später etwas steileren Wanderweg aufs Gafienjoch unter die Füsse. Im Schatten des nahen Madrisahorns folgt ein lang gezogener Abstieg bis zum hübschen Bergsee und kurz danach zur Schafberg-Bahn im Gargeller Skigebiet.
Am nächsten Morgen heisst es früh aufstehen, doch dank eines Taxis bis zur Oberen Valzifenalpe wird auch der Rückweg nicht zur Tort(o)ur. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen rund 800 bis 900 Höhenmeter bezwingen und sechs Stunden laufen sind allerdings Bedingung. Der Anstieg zum Schlappinerjoch ist anstrengend, aber nicht sehr lang. Hinunter folgt man bald einmal dem Furggabach nach Schlappin. Von da gehts zum Beispiel nach der Stärkung im Gemsli nochmals etwas über eine Stunde oder per Taxidienst knapp 10 Minuten durch ein abgelegenes Seitental zurück nach Klosters.
Auch ohne «generösen» Einsatz: MONTE GENEROSO
Für die italienische Ostseite des Südtessiner Hausbergs Monte Generoso gilt der Befund noch mehr: Fast niemand kennt den Abstieg und das malerische, nur in Ansätzen touristisch genutzte Hochtal von Intelvi. Dem muss abgeholfen werden mit einer bequemen Bergabwanderung im Schwierigkeitsgrad T2. Ab 2015 gehts wieder mit der Bahn von Capolago nach Mendrisio hinauf auf den Gipfel, danach über die abfallenden Kreten erst nord-, dann nordostwärts und später über ein Bergsträsschen in Richtung San Fedele Intelvi. Ab 2015? In diesem Jahr werden das Hotel und die Bergstation Bellavista einer Generalüberholung unterzogen. Deshalb schlagen wir eine etwas südlichere Route mit weniger Höhe, aber noch mehr Eindrücken vom Intelvital vor.

TIPP: Mit dem Bus fährt man von Chiasso/Balerna über Morbio und Muggio in Richtung I Ruscon, bis nach Casarno (noch vor Roncaccio, im Zweifelsfall in Casarno aussteigen oder den Chauffeur fragen!). Von da heisst es über den Vallagiobach setzen und in Kürze die Höhenstrasse nach Erbonne erklimmen. Damit ist die Anstrengung auch schon beendet, folgt man doch erst in südlicher, später östlicher bis nordöstlicher Richtung dem Alpsträsschen nach Casasco d’Intelvi. Nach einer Stärkung beendet man durch zwei bis drei weitere Dorfteile die dreistündige Wanderung in Castiglione d’Intelvi, wo es Übernachtungsmöglichkeiten gibt oder von wo der Bus Richtung Luganersee (Porlezza) oder nach Argegno am Comersee ausgeht.
Achtung: Um einen Morgenbus nach Casarno zu erwischen, muss eventuell in Chiasso, lohnenderweise eher in Morbio oder gar Muggio genächtigt werden.
Zu Füssen des Mont Blanc: ORSIÈRES-COURMAYEUR
Auch dies ein Ausflug in für Deutschschweizer zumeist unbekanntes Gebiet, wiederum ein beschauliches Hochtal als Ziel, ebenfalls eine technisch einfache Route – bloss diesmal wieder etwas länger als am Generoso, die reine Laufzeit beträgt um die (gut) sechs Stunden. Und am Ziel, in Frankreich, präsentiert sich der einmalige Blick hinauf zum Mont Blanc (und den Grandes Jorasses).

TIPP: Von Orsières im Entremont, dem Hauptort und Ausgangspunkt des Tals, fährt man mit bester Aussicht auf einige alte Wälder südlich bis zur Haltestelle Le Clou/Les Granges. Von hier geht es auf dem bestens beschilderten Wanderweg auf die Alp von Léchère-Dessus und weiter beinahe dem Bergkamm entlang in südwestlicher Richtung. Der (Grenz-)Übergang heisst Le Petit Col Ferret. Danach geht es etwa gleich lang bergab bis zur Albergo Lavachey im gleichnamigen Weilerchen. Ratsam ist in dieser bis auf einige Alpinisten unberührten Gegend eine Übernachtung und die Reservation ( www.lavachey.com ), um am nächsten Tag entspannt über La Palud (und den Bus) Courmayeur zu erreichen und die Rückkehr in die Zivilisation, garniert mit einem gerüttelten Mass an mondänem Tourismus, gebührend zu feiern.
Per Schiff in die Schlucht: LAC DES BRENETS
Etwas bekannter dürfte Wanderfreunden mit Erfahrung in der ganzen Schweiz der landschaftlich in zwei Hälften geteilte See von Brenets, beinahe in der gesamten Länge auf der Grenze Schweiz-Frankreich liegend, sein. Im Südwesten offen zwischen zwei sanft abfallenden Hügeln liegend, gegen Nordosten in einer immer enger werdenden Schlucht hin zu den Doubs-Fällen verschwindend. Wir empfehlen eine geruhsame Schiffsreise zum nördlichen Seeende und eine gemütliche Wanderung zurück, solange die Füsse tragen.

TIPP: Die Anreise erfolgt im Zug oder privat über La Chaux-de-Fonds und Le Locle. Das Bähnchen von Le Locle nach Les Brenets lohnt dabei allein schon den Ausflug! In Les Brenets kann im Sommer ab 10 Uhr alle 45 Minuten das Boot nach Le Saut-du-Doubs bestiegen werden ( Fahrplan für Juni bis September ). Danach überquert man den Damm und die Grenze und läuft auf der französischen Seeseite nicht direkt, aber nahe am Wasser zurück – rund zwei Stunden bis nach Villers-le-lac. Dabei heisst es, zuerst in einer Schlaufe (erst Richtung Nordosten) Höhe zu gewinnen, um dann auf und etwas unter der Hügelkrete die Sicht auf den See und in entgegengesetzter Richtung auf die sanften Erhebungen des französischen Juras zu geniessen.
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Autor: Reto Meisser