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03. April 2017

Wanderlust

Es ist Wanderzeit ...
Junge Städter erobern ländliche Wanderwege ... (Bild: Pixabay.com)

Der Frühling ist da, die Tage werden wieder länger, ich habe meinen ersten Sonnenbrand, und in meinem Freundeskreis beobachte ich einen spannenden Trend: Die wandern alle.

Es ist nicht so, dass sie das immer gemacht haben. Früher mal waren das alles ganz normale Stadtkinder. Mit iPhones, nächtlichen Eskapaden in Clubs, einem Starbucks Soja Chai Latte Grande in der Hand und dem Gym als Zweitheimat. Am Morgen jeweils viel zu verkatert, um irgendwie brauchbar zu sein.

Plötzlich haben sie die Sneakers mit Wanderschuhen ausgetauscht und trampeln in aller Herrgottsfrühe irgendwelchen Wanderwegen entlang. Mit Shorts statt Skinny Jeans. Sonnencreme statt Smokey Eyes. Sandwiches statt schickem Brunch. Auf Facebook werde ich regelrecht bombardiert mit Bildern von Gipfeln, Bergseen, Wäldern, Höhenpässen und wilden Viechern.

Experten erklären sich den Wandertrend unter jungen, urbanen Menschen als Gegentrend zur Globalisierung und der weltweiten Unsicherheit. Der moderne Twenty-Something jettet zur Entspannung nicht mehr nach Bali, er sucht den Bergfrieden im eigenen Land.

Zeit für eine Feldstudie. Also habe ich einen Rucksack gepackt, den Zug nach Noiraigue genommen, in einem Chalet übernachtet und am nächsten Tag schwitzend und fluchend den Creux du Van bestiegen. Ich hatte eine Woche lang Muskelkater, bin einmal fast in den Tod gestürzt und hab mir das Knie aufgeschürft. Das Fazit? Es war das schönste Wochenende meines Lebens.

Autor: Anne-Sophie Keller