Archiv
02. März 2015

«Grosses Potenzial bei unseren Marken»

M-Industrie-Chef Walter Huber im Gespräch über das Wachstum im Ausland und die Herausforderung durch den starken Franken. Dazu die Übersicht mit den wichtigsten Fakten zu den Betrieben und die Zahlen für 2014.

Walter Huber ist Leiter der M-Industrie
Walter Huber ist Leiter der M-Industrie und Mitglied der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes MGB.

Die M-Industrie erwirtschaftete im vergangenen Jahr erstmals über 6 Milliarden Franken Umsatz (siehe rechts). Ihre Marktstellung hat sie im In- und Ausland weiter ausgebaut. Im Geschäft mit internationalen Kunden waren insbesondere Kaffeekapseln, Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Käse stark gefragt. Aber auch die Umsätze mit der Migros-Gruppe konnte die M-Industrie weiter steigern.

Walter Huber, was macht die M-Industrie einzigartig?

Die starke Vertikalisierung, also die sehr enge Zusammenarbeit mit dem Supermarktgeschäft der Migros, ist der Grundstein für die Unverwechselbarkeit der M-Industrie. Dazu kommt die enorme Produktionsbreite – wir stellen über 20'000 verschiedene Artikel selber her: von der Zahnpasta und dem Duschgel über Schokoladen- und Glace-Spezialitäten bis zu Gebäck, Fleisch und Milchprodukten. Unsere Kampagne «Von uns. Von hier» bringt das auf den Punkt. Die M-Industrie besitzt ein umfassendes Know-how über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg – vom Anbau über die Produktion bis zum Konsum und Recycling.

Die M-Industrie ist vor allem im internationalen Geschäft gewachsen. Weshalb?

Hauptsächlich aufgrund der weiter wachsenden Kundennähe dank unserer Vermarktungsstrukturen in Nordamerika, Asien und den europäischen Schlüsselmärkten. Wichtig ist auch das erfolgreiche Kaffeekapselgeschäft mit Café Royal und Cremesso. Zudem hat die Übernahme des nordamerikanischen Schokoladen- und Kaugummiproduzenten Sweetworks weiteres Wachstum gebracht.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Exportgeschäfts nach der Aufhebung der Franken-Untergrenze?

Wir stehen vor einer ähnlichen Situation wie bei der letzten Frankenaufwertung vor drei Jahren. Allerdings sind die Auswirkungen heute wesentlich geringer als damals, weil nicht alle für uns relevanten Währungen betroffen sind und der Kurszerfall des Euro insgesamt deutlich geringer ist.

Der starke Franken betrifft die M-Industrie also nicht so stark?

Selbstverständlich spüren auch wir den Druck auf die Profitabilität, vor allem bei Kunden, die in Euro fakturiert werden. Zusätzlich unter Druck geraten wir, weil viele unserer internationalen Mitbewerber im Inland schlagartig billiger anbieten.

Wären staatliche Hilfsprogramme für die Exportindustrie eine gute Lösung?

Aus meiner liberalen Sicht soll der Staat möglichst wenig in den Markt eingreifen. Sinnvoller ist es, wenn er administrative Belastungen abbaut, etwa im Arbeitsrecht; oder wenn er zusätzliche Belastungen, beispielsweise im Energiebereich, gar nicht erst aufs Tapet bringt. Letztlich sind wir als Unternehmen aber immer selber gefordert.

Wächst die M-Industrie nur im Ausland oder auch in der Schweiz?

Natürlich auch in der Schweiz. In einer wirtschaftlich angespannten Situation gewinnt der Händler mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis Marktanteile. Das ist hierzulande die Migros. Wir wachsen aber auch in der Gastronomie und im Bereich der Bäckereien. Hier sind wir mit unseren Belieferungsstrukturen besonders gut aufgestellt.

Wo sehen Sie – neben den Währungsrisiken – die zusätzlichen Herausforderungen für die M-Industrie der Zukunft?

Ich sehe vor allem Chancen, denn unsere Einzigartigkeit verhilft uns zu weiterem Wachstum. In Nordamerika sind wir laufend besser im Markt verankert, und auch in Asien sind wir von der aktuellen wirtschaftlichen Situation nicht betroffen. Grosses Potenzial sehe ich im Geschäft mit Marken wie Frey, Café Royal, Heidi oder Swiss Delice. Ich blicke auch deshalb sehr zuversichtlich in die Zukunft.


DIE WICHTIGSTEN FAKTEN ZU DEN M-INDUSTRIEBETRIEBEN (Grafik im JPG-Format, 450 KB)

Autor: Daniel Sidler

Fotograf: Gian Marco Castelberg