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13. Juli 2015

Das Erfolgsrezept von Wallis Promotion

Damian Constantin (49) ist seit September 2013 Direktor von Valais/Wallis Promotion mit Sitz in Sion. Vorher arbeitete der Manager als selbständiger Berater sowie bei Coca-Cola, BPW und Nestlé. Im Interview sagt er, wie das Wallis auf die Tourismuskrise reagiert.

Damian Constantin
Damian Constantin: «Valais/Wallis Promotion ist schweizweit die erste Organisation, die seit 2013 nicht nur den Bereich Tourismus vermarktet, sondern parallel dazu auch die Landwirtschaft, das Gewerbe sowie die Kultur.»

Damian Constantin, der Schweizer Tourismus befindet sich mit dem starken Franken in einer schwierigen Situation. Wie reagiert das Wallis darauf?

Kurzfristige Aktionen sind falsch. Wir müssen den Kostenfaktor, der in der Schweiz ein Nachteil ist, kompensieren. Das heisst: Die Leistungsträger sollten noch näher zusammenrücken und gemeinsam kooperieren. So können wir mit den gleichen Mitteln mehr erreichen. Valais/Wallis Promotion ist schweizweit die erste Organisation, die seit 2013 nicht nur den Bereich Tourismus vermarktet, sondern parallel dazu auch die Landwirtschaft, das Gewerbe sowie die Kultur.

Was heisst das?

Wir bewerben die gesamte Produktepalette mit Raclette, Wein und Aprikosen. Keine andere Region der Schweiz hat beispielsweise eine so grosse Rebenvielfalt wie das Wallis. Diese autochthonen Rebsorten muss man in die Gesamtkommunikation genauso aufnehmen wie Maskenschnitzer im Lötschental oder den Aletschgletscher. Der Gast interessiert sich nicht allein für ein Produkt wie Skifahren. Er will ein gesamtheitliches Erlebnis. Wir müssen Tourismus wie ein Uhrwerk verstehen: Die Qualität allein nützt nichts, wenn sie nicht zu einem funktionierenden System zusammengeführt wird. Oder anders ausgedrückt: Einer allein kann noch so gut sein. Er ist nicht überlebensfähig.

Und doch hat der Euro auch einen Einfluss aufs Buchungsverhalten im Wallis.

Ja, klar. Im Winter litten die Hoteliers weniger unter Stornierungen als unter ausbleibenden Neubuchungen. Für den Sommer gibt es nun ein grosses Fragezeichen, wie das Geschäft wird. Ich hoffe, dass der Böögg in Zürich falsch liegt und es ein guter Sommer wird. Der Gast entscheidet heute kurzfristig. Und da spielt das Wetter eine grosse Rolle. Die ganzen Aktivitäten im Sommer fokussieren wir auf den Schweizer Markt. Abrechnen werden wir Ende Jahr. Nur so viel: Wir haben eine Imagestudie zur Bekanntheit des Wallis in der Schweiz in Auftrag gegeben. 8 Prozent der Schweizer waren noch nie im Wallis, 41 Prozent waren es ein Mal in drei Jahren. Wir haben also noch ein immenses Potenzial. Allerdings ist uns klar, dass heute eine Woche Badeferien in Thailand nicht mehr kostet als eine Woche Skiferien. Deshalb müssen wir auf Qualität, Erlebnis und Differenzierung setzen und die Schweizer auf kreative Art erreichen.

Wie wichtig sind die Schweizer?

Sie machen 54 Prozent aus. Gut 30 Prozent sind europäische Touristen, hauptsächlich aus Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, den Benelux-Ländern sowie aus Italien. Erst danach folgen in der Statistik die Fernmärkte.

«Die Schweizer auf kreative Art erreichen»: Wie?

Valais/Wallis Promotion hat zusammen mit 16 Partnern eine Aktion mit einem Wettbewerb lanciert, bei dem man Ferien im Wallis gewinnen kann. Zudem feiern wir dieses Jahr das 200-Jahr-Jubiläum des Beitritts des Kantons Wallis zur Eidgenossenschaft. Wir sagen, dass sich die Schweiz vor 200 Jahren ins Wallis verliebt hat – im Wissen, dass das nicht immer so war, mehr augenzwinkernd mit der Botschaft: «Liebe Schweizer, wir sind speziell. Aber wir wollen, dass Ihr im Wallis Ferien verbringt. Dafür gibt es so viele Gründe, die Ihr gar nicht kennt.» Diese Aktion werden wir 2016 und 2017 wiederholen.

Bewerben Sie bei dieser Aktion auch tiefere Preise?

Nein. Aktionitis bringt wenig. Wir haben für diese Aktion 19 Partner ins Boot geholt. Und vertreten sind die wichtigsten Destinationen des Wallis.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild