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27. Oktober 2014

Vorsicht, es spukt!

Die Nacht ist die Zeit der Gespenster. Wir haben Orte besucht, die immer wieder im Zentrum unheimlicher Geschehnisse stehen. Wovor haben Sie Angst? Stimmen Sie ab oder sagen Sie es uns in einem Kommentar.

Wer nachts noch im Schächbelerwald bei Ruswil LU unterwegs ist, sollte sich vorsehen – besonders wenn er sich dem alten Waldkreuz nähert. Denn dort stand einst die «Höugetanne» gleich beim Friedhof, auf dem die Selbstmörder begraben wurden. Schon manch später Wanderer soll dort um Mitternacht dem Teufel in Gestalt eines schwarzen Hundes begegnet sein. Wer ihn sieht, sagt man, kann sich einen Tag lang nicht mehr bewegen, und seine Seele gehört dem Fürsten der Finsternis.

Die Via Mala, der «böse Weg», ist eine düstere, sechs Kilometer lange Schluchtenlandschaft, nicht weit von Thusis GR. Sie war einst eine wichtige und berüchtigte Wegverbindung über die Alpen und wurde schon von den Römern genutzt. Den schauerlich steilen Felswänden dürften im Lauf der Jahrhunderte unzählige Reisende zum Opfer gefallen sein – arme Seelen, deren Schreie man in unruhigen Nächten noch immer zu hören vermeint.

In den unheimlichen Wäldern zwischen dem Vierwaldstätter- und dem Sempachersee gibt es viele verwunschene Orte, wo vorzeitiger Tod und nicht erfülltes Leben unruhig weiter wirken. Dieser Gedenkstein steht im Huebschürwald nahe der Landstrasse, die von Hellbühl nach Hueb LU führt. Er erinnert an die ledige Frau Heini vom Weiler Wil, die hier auf dem Kirchgang verunglückt sein soll. Der Ort sollte vor allem nachts gemieden werden, heisst es.

Am Bözberg bei Linn AG steht diese rund 800 Jahre alte Linde, die älteste der Schweiz. Angeblich wurde sie über einem Pestgrab gepflanzt, um die Menschen der Region vor dem Schwarzen Tod zu schützen. Heute berichten Spaziergänger ab und zu von einem weissen Licht in Gestalt einer jungen Frau, das nach Einbruch der Dunkelheit im Geäst der Linde auftaucht. Solche Weissen Frauen erscheinen auch an anderen Spukorten gelegentlich. Sie gelten in der Regel nicht als gefährlich, ihr Erscheinen kündigt jedoch oft Todesfälle in der Familie an.

In dunklen Novembernächten brausen die Seelen der unerlösten Toten als Sturmwind durch die Lüfte und tauchen an bestimmten Orten als geisterhafte Lichter auf. Mit Gebeten und Opferlichtern können sie von ihrer Pein erlöst werden. Deshalb gibt es an vielen Orten Kapellen, in denen für sie Kerzen brennen, so wie in der St. Nikolauskapelle an einem Fussweg von Ruswil nach Sigigen LU. Späte Wanderer sollen hier auch schon kopflosen Gestalten begegnet sein – und einem schwarzen Hund, aus dessen Stirn ein einziges feuriges Auge glühte.

Fotograf: Kuster Frey Fotografie