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12. Dezember 2016

Vor der Wende an der Mietzins-Front

Viele Mieter sind unzufrieden. Trotz rekordtiefer Zinsen zahlen sie immer höhere Mieten. Doch jetzt dreht der Trend.

Mietwohnungen sind ständig teurer geworden
Mietwohnungen sind ständig teurer geworden. So haben sich Angebotsmieten (für Neumieter), Bestandesmieten (für bereits abgeschlossene Mietverträge) und die Teuerung entwickelt (indexiert: 1970=100). / Daten: BfS, Wüest & Partner

Die obige Grafik zeigt eindrücklich, wie stark die Mieten seit Jahren in die Höhe klettern. Wer heute eine neue Wohnung sucht, bezahlt dafür 50 Prozent mehr als im Jahr 2000. In der gleichen Zeit stieg die Teuerung aber nur um 7 Prozent.
Von den rekordtiefen Zinsen konnten die Mieter also kaum profitieren. Zwar hat sich der durchschnittliche Zins für Hypotheken seit 2008 von 3,5 auf unter 1,7 Prozent halbiert. Trotzdem verteuerten sich die Angebotsmieten um 17 Prozent. Demgegenüber ist das allgemeine Preisniveau seit 2008 um 2 Prozent gesunken.

Die Mieter müssen folglich einen immer grösseren Teil ihres Budgets fürs Wohnen reservieren. Haushalte mit einem monatlichen Einkommen zwischen 6000 und 8000 Franken geben im Schnitt bereits 20,4 Prozent ihres Geldes für die Miete aus, gegenüber 16,9 Prozent im Jahr 2000.

Doch nun bessert sich die Lage. An manchen Orten sind die Preise schon jetzt leicht gesunken. Und im kommenden Jahr erwarte ich sogar einen flächendeckenden Rückgang. Der Grund ist die voraussichtliche Abnahme des hypothekarischen Referenzzinssatzes von 1,75 auf 1,5 Prozent. Damit hat ein Grossteil der Mieter Anspruch auf eine Preissenkung von 2,9 Prozent.
Was für die Mieter ebenfalls positiv ist: Aktuell wird enorm viel gebaut. Allein dieses Jahr erhielten 30'000 neue Mietwohnungen eine Baubewilligung, doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren.

Der Boom hat bereits zu einem massiven Anstieg der leerstehenden Objekte geführt. Schweizweit sind es derzeit über 45 000 – die höchste Zahl seit 1999. Diese Leerstände sind allerdings höchst ungleich verteilt: Im Kanton Appenzell Ausser­rhoden etwa sind von 1000 Wohnungen ­deren 36 unbewohnt, in den Städten Zürich oder Lausanne dagegen weniger als drei (eine Übersicht zur Wohnungsknappheit in den einzelnen Regionen der Schweiz finden Sie auf www.blog.migrosbank.ch ).

Fazit: Nach einer langen Durststrecke bessert sich die Lage der Mieter.
Zwar muss man weiter mit harten Bandagen kämpfen, um in der Stadt zu wohnen. Wer aber in die Agglomeration ausweicht, findet dort wenigstens wieder brauchbare Alternativen.

Auf www.blog.migrosbank.ch finden Sie weitere nützliche Informationen für Mieter.

Autor: Albert Steck