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24. März 2014

Von Walen und Hasen

Die schwangere Mamma Mia fühlte sich wie ein Walfisch
Die schwangere Mamma Mia fühlte sich wie ein Walfisch (Bild: Getty Images).

In meiner ersten Schwangerschaft war ich ein Walfisch. Denken Sie jetzt nicht an einen Delfin, der stromlinienförmig durchs Wasser schiesst und alle paar Meter einen Salto schlägt. Ich war eher ein Pottwal. Sehr breit, sehr schwer – und überhaupt nicht sexy. Warum auch? Eine Schwangere ist schliesslich kein Playboy-Bunny, oder?

Okay, okay, ich gebe zu: Diese Erkenntnis kam recht spät. Anfangs dachte ich noch, ich würde die schönste Schwangere der Welt werden. Mit einer ebenmässigen Kugel und ansonsten schlankem Antlitz. Die Vogue würde sich bei mir melden und Coverfotos machen wollen.
Wie doof, dass meine Hormone mir einen Strich durch die Rechnung machten. Mit jedem Gramm, das ich vorne herum ansetzte, kam auch eines im Kofferraumbereich dazu. Mutter Natur ist nämlich nicht blöd. Sie sorgt dafür, dass wir Mädels nicht das Gleichgewicht verlieren. Mein Hintern wurde also immer breiter. Über meine Oberschenkel reden wir jetzt nicht. Na gut, dachte ich. Muss die «Vogue» halt ein wenig retuschieren. Kann ja nicht so schwer sein.

Dann begann die Sache mit dem Brustkorb. Darüber liest man kein Sterbenswort in den Schwangerschaftsbüchern, dabei wäre das wirklich interessant. Schwangere können ihre Organe nämlich verlagern. Die Lunge wandert nach rechts und nach links, der Magen rutscht nach oben in die Lücke und so weiter. Stellen Sie sich vor, Sie atmen ein und ein und ein und ein und ein. Mit jedem Atemzug werden sie breiter. Mir ging es so. Oben herum sah ich bald wie ein Preisboxer aus. Sehr bizarr. Ob die «Vogue»-Leute anstelle eines Ganzkörperfotos auch Nahaufnahmen von meinem Bauch machen würden? Immerhin war die Haut dort sehr glatt … Und schon kam ein neues Problem: Mein Nabel wollte sich die Welt ansehen und fuhr mit einem «Plopp» nach aussen. Doch damit nicht genug. Die Bauchdecke konnte dem Innendruck nicht standhalten. Ich bekam einen Nabelbruch. Allright, allright, allright, vielleicht könnte der «Vogue»-Redaktor auch einen Wissenstext über mich schreiben. Titel: Die menschliche Haut – ein unendlich dehnbares Gewebe.

Doch nein, auch hier machte mir mein Mutantenkörper einen Strich durch die Rechnung. In der 36. Schwangerschaftswoche begann die Haut an meinem Bauch ganz fürchterlich zu jucken. Ich stellte mich vor einen riesigen Spiegel, um die beissenden Stellen besser betrachten zu können. Über meinen Unterbauch zog sich ein Netz aus winzigen Haarrissen. Gopf, das waren also die berühmten Schwangerschaftsstreifen. Jetzt musste ich der Wahrheit ins Auge blicken: «Liebe 'Vogue'-Redaktion, ihr müsst ohne mich auskommen. Denn: Eine Schwangere ist kein Playboy-Bunny.»

Autor: Bettina Leinenbach