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24. April 2017

Von Donalds und Bänzen

Die «Bänz»-Fruchtsäfte
Die «Bänz»-Fruchtsäfte vertreibt ein Berner namens Yves ...

Pfarrer, Rechtsanwalt, Gartengerätehändler, Hotelier, Arzt, Maler, Englischlehrer … Sie haben die unterschiedlichsten Berufe, wurden aber gleich getauft: 191 Personen verzeichnet das elektronische Telefonbuch für die Schweiz mit dem Vornamen Donald. Sie tun mir leid. Wetten, dass sie Stirnrunzeln ernten, wann immer sie derzeit ihren Namen nennen? Und dazu gibts bestimmt dumme Kommentare. Gut, sie hatten es womöglich noch nie leicht: Sprüche mussten sie sich wohl schon anhören, ehe in den USA ein Namensvetter zum Präsidenten gewählt wurde. Doch der andere berühmte Donald, derjenige aus Entenhausen, ist wenigstens ein liebenswerter Schussel.

Bänz Friedli
Bänz Friedli (52)

Aber ich kenne das: wenn der eigene Name für Heiterkeit sorgt. Seit ein Berner namens Yves unter dem Markennamen «Bänz» Fruchtsäfte vertreibt, vergeht kaum eine Woche, in der mich nicht ein lieber Bekannter auf die «Neuheit» aufmerksam machen würde, indem er mir das Bild eines Fläschchens whatsappt, garniert mit der Frage: «So, so, jetzt auch noch ins Getränkebusiness eingestiegen?» Regelmässig werde ich auch damit beschenkt. Und gegen den Saft ist rein gar nichts einzuwenden, nur gegen die Häufigkeit.

Sie meinen es ja alle nur gut … Wie sich auch all jene nichts Böses denken, die mich Anfang Advent jovial darauf hinweisen, dass ein Gebäck meines Namens gerade Saison hat. Ihnen ist in dem Moment, da sie ihre Anspielung auf den Grittibänz machen, ja nicht bewusst, dass ich mir solcherlei Scherze anhören muss, seit ich mich erinnen kann. Aber mir! Mir ist es bewusst: dass man Leute nie mit ihrem Namen ärgern sollte, ob sie nun Hillary heissen – davon hätte es in der Schweiz nur ganze drei gegeben – oder Elvis oder Ueli. Wie der Knecht, der Pächter, der Bundesrat. O ja, ich weiss, dass solche Sprüche zu unterlassen sind!

Doch dann lerne ich vorige Woche diese Romina kennen. Und wäre es Ihnen nicht auch rausgerutscht? «Du hast aber nicht einen Bruder namens …» Sie, dezidiert: «Nein, und mein Freund heisst auch nicht Albano.» Spätestens jetzt hätte ich merken müssen: Sie ist es leid, darauf angesprochen zu werden. Stattdessen insistiere ich, ob denn ihre Eltern seinerzeit Fans gewesen seien? Und erfahre: Sie waren. Ein Wunder, dass ich nicht noch die Schnulze «Felicità» zu säuseln beginne. Arme Romina. Gerade ist vom einstigen Traumpaar wieder überall zu lesen: Albano und Romina können sich längst nicht mehr leiden, dennoch treten die geschiedenen Eheleute wieder zusammen auf, des Geldes wegen.

Was übrigens Donald betrifft, der Name stammt aus dem Gälischen. Und bedeutet dort: Weltherrscher. 

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Website: www.baenzfriedli.ch

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli