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23. September 2013

Von Bratislava über die Hohe Tatra nach Krakau

Während des Indian Summers präsentiert sich die Hohe Tatra im nördlichen Teil der Slowakei besonders schön. Der Gebirgszug lässt sich hervorragend mit Krakau in Polen und der Hauptstadt Bratislava kombinieren.

Die Altstadt Bratislavas.

Die Anreise nach Bratislava erfolgt am schnellsten über den Flughafen Wien (günstige Flugpreise bei Austrian, Swiss oder Air Berlin). Die Fahrzeit von Schwechat zur Hauptstadt beträgt 40 Autominuten (preiswert ist es mit Bussen, die vor dem Flughafen positioniert sind). Zum Übernachten empfiehlt sich das Kempinski Hotel River Park, direkt an der Donau gelegen und 15 Gehminuten von der Altstadt Bratislavas entfernt. Am 12. September eröffnete im Kempinski das Lokal Arte, Wine & Tapas. Wer es aber besonders gut haben möchte, sollte sich im Restaurant Riverbank (90 Sitzplätze) von Björn Juhnke aus Rostock verwöhnen lassen, der hier eine moderne europäische Küche mit slowakischen Eigenheiten auf die Teller zaubert. Er sagt von sich: «Ein Chef ist nur so gut wie die Produkte, die er benützt.». Herausragend sind beispielsweise die Piroggen (gefüllte Teigtaschen), die er mit Pfifferlingen, Sauerrahm und Schweineschwarte anreichert, die er so zubereitet, dass diese an Popcorn erinnern. Sommelier Rastislav Šuták, 2012 zum besten Sommelier der Slowakei gewählt, ist motiviert, dazu passende Weine aus seinem Heimatland zu kredenzen. Besonders überzeugend war der Pálava 2008, ein Dessertwein aus der Nähe von Bratislava mit einer überraschenden Honignote.

Bratislava selbst hat eine schöne Altstadt mit einem pulsierenden Nachtleben – allerdings nur am Freitag- und Samstagabend. Beste Ausgangsstrasse mit Bars und kleinen Restaurants ist die Venturska, lohnenswert ein Spaziergang zur Pressburg hoch, von der man einen schönen Ausblick auf die Donau und die Stadt geniesst. Pressburg ist ja auch der deutsche Name von Bratislava, das einst zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörte.

Für die 330 Kilometer lange Fahrt von Bratislava in die Hohe Tatra nimmt man am besten ein Mietauto oder einen Zug. Die Strecke kostet in der 1. Klasse 28 Euro pro Weg, wobei die Wagen mit W-Lan ausgerüstet sind. SBB, wie wäre das? Vom Bahnhof Poprad führt eine 28 Kilometer lange Strasse zum Grand Hotel Kempinski hoch. Das Hotel mit 98 Zimmern ist mein Geheimtipp zum Übernachten. Es befindet sich idyllisch am Gletschersee Štrbské Pleso, der dem Wintersport- und Kurort auf 1300 Meter über Meer seinen Namen gab. Die Landschaft um den See mit einer Skisprunganlage erinnert an Kanada. Die gute Nachricht bei diesem Fünf-Sterne-Hotel: Zimmer gibt es ab 140 Euro. Inbegriffen sind Frühstück und der Zugang zum Spa mit Hallenbad. Im Grand Restaurant sollte man sich zur Gourmet-Küche den slowakischen Sekt von Hacaj gönnen, danach einen Blaufränkischen 2011 vom Weingut Strekov. Das Grand Hotel wurde übrigens 1872 als Jagdloge für die Aristokratie gebaut, die hier Füchse, Rehe und Bären schoss. 1947, zur kommunistischen Zeit der damaligen Tschechoslowakei, diente das Haus als Kur- und Heilanstalt. Von 2002 bis 2009 wurde das Kempinski High Tatras umgebaut.

Ausflugtipps: Idyllisch ist das Tichá Dolina, das auf Deutsch ruhiges Tal heisst. Mit dem Mountainbike geht es zuerst zwölf Kilometer hoch, danach wandert man in der westlichen Tatra. Hier leben 25 der 500 slowakischen Braunbären. Das Grand Hotel Kempinski bietet Ausflüge für rund 80 Euro an. Massentourismus? Hier ein Fremdwort.

165 Kilometer oder gut zweieinhalb Stunden entfernt befindet sich die polnische Stadt Krakau, die gegen 800 000 Einwohner hat. Was für ein Stimmungswechsel vom ruhigen Gebirgszug zur Grossstadt am Fluss Wisla! Zu den Sehenswürdigkeiten gehört hier ebenfalls die Altstadt, die allerdings grösser als jene Bratislavas ist und das Schloss Wawel. Unbedingt besuchen sollte man das Viertel Kazimierz im Süden der Altstadt (20 Gehminuten). Es ist das ehemalige Judenviertel, das heute nur noch touristisch-museal wirkt. In Krakau und seinen Vorstädten ermordeten die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs 65 000 Juden oder 25 Prozent der damaligen Einwohnerzahl. Nicht weit entfernt befindet sich die einstige Fabrik von Oskar Schindler, bekannt durch den Film «Schindler’s List». Als der Film gedreht wurde, kamen zu Konzerten von Jascha Lieberman Künstler wie Steven Spielberg, Kate Capshow oder Ben Kingsley. Von Steven Spielberg eingeladen, spielte das Trio Jascha Lieberman mit Geige und Bratsche, Akkordeon und Kontrabass in Jerusalem ein Konzert für die Überlebenden aus Schindlers Liste. Heute finden jeweils um 20 Uhr täglich Klezmer- und Jazz-Konzerte in Kazimierz an der Strasse Szeroka 18 statt. In Kazimierz mit seinen Restaurants und Hotels leben heute noch rund 20 Juden.

Krakau wird übrigens seit einigen Monaten mit der polnischen Fluggesellschaft Euroflot nonstop ab Zürich angeflogen. Einwegtarife kosten teilweise nur 100 Franken.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Reto Wild