Archiv
29. April 2013

Von Areuse bis Viamala

Ob mehrstündige Wanderungen oder Spaziergänge mit viel Zeit für die Aussicht: Neben der Twannbachschlucht (Reportage im Migros-Magazin Nr. 18/2013) laden weitere Schweizer Schluchten zur Entdeckungstour. migrosmagazin.ch verrät ein paar Ausflugs-Vorschläge – haben Sie weitere Geheimtipps?

Rosenlauischlucht
Der malerische Eingang zur engen Passage der Rosenlauischlucht. (Bild Keystone)

AREUSE: Durch die S-Schlaufe ins Val de Travers
Eine der schönsten Schluchtwanderungen führt von der Region um Neuenburg in die erste Jurakette, genauer ins Val de Travers. Auch mit dem Zug ist die Anreise aus Bern, Zürich oder Basel kurz und problemlos: Per Schnellzug nach Neuchâtel und im Bummler vier Stationen Richtung Yverdon weiter bis Boudry. Hier schlendern wir die Route de la Gare hinab in in den Faubourg Philippe-Suchard und rechts in den Chemin des Clées und kurz darauf links hinauf in den Chemin de Pontareuse. Weiter wählen wir wiederum rechts die Abzweigung in die Route des Chéseaux und geradeaus in den Chemin de Bettefontaine, dem wir nur noch ein paar Meter weiter als die markante Linkskurve folgen. Hier verabschieden wir uns von Strassen und Autos und nähern uns auf dem rechts abgehenden Wanderweg schnell dem Fluss Areuse.

In der bezaubernden Areuseschlucht
Engere Stelle in der bezaubernden Areuseschlucht. (Bild Keystone/Armin Mathis)

Nun geht die Wanderung stets dem linken Flussufer entlang durch einen der schönsten Westschweizer Wälder an einem der hübschesten mittelgrossen Fliessgewässer, vorbei allein an einem Elektrizitätswerk bis zum Weiler Champ de Moulin. Verspürt man hier bereits Hunger, heisst's entschlossen über den Fluss das Restaurant de la Truite aufsuchen, dessen Name (französisch für Forelle...) nicht zu viel verspricht. Schon jetzt oder danach geniesst man immer wieder einen Ausblick auf das westliche Seitentälchen, das aprupt im berühmten Gesteinsmassiv Creux du Van endet. Die Wanderung geht auf der Südseite der Areuse weiter bis kurz vor Noiraigue, wo man das Strässchen Ferme de Robert betritt.

Wer nun nach rund drei Stunden genug hat, folgt gemütlich dem Vers chez Joly bis zum Bahnhöfchen, von wo man stündlich schnell wieder Neuenburg erreicht (und zuerst im Shop lokale Absinthe-Spezialitäten erstehen kann). Passionierte Wanderer folgen der Route Ferme de Robert aber links den Berg hinauf bis zur ... Ferme de Robert. Unterwegs erkennt man den Creux du Van aus anderem Winkel und am Ende verköstigt man sich in der Landbeiz. Über den Hügel gehts darauf hinunter nach Gorgier. Die Verlängerung macht aus dem Ausflug aber wirklich eine gut doppelt so lange Tagestour.

ROSENLAUI: Eingangspforte zu Scheidegg und Eiger
Alle kennen die eindrückliche, allerdings dank Direktzugang für PWs und Cars von Tagestouristen überlaufene Aareschlucht zwischen Meiringen und Innertkirchen. Mindestens die Berner und Einwohner benachbarter Kantone sowie die Sherlock-Holmes-Fans muss auch niemand von den benachbarten Reichenbachfällen überzeugen. Man erreicht sie von Meiringen oder etwas südwestlich davon (Strässchen biegt kurz vor dem höchsten Punkt der Kantonsstrasse oberhalb der Aareschlucht rechts ab) auch zu Fuss. Der Schluchtaspekt kommt hier aber klar zu kurz.

Dass weiter hinten im Rosenlauital, mehr als der halben Strecke hinauf zur Grossen Scheidegg eine kleine, malerische Schlucht gleichen Namens wartet, wissen aber schon weit weniger Touristen. Bequeme Ausflügler wählen ab Meiringen das Postauto bis zum Hotel Rosenlaui und haben dann eine Stunde Fussweg (Hin) mit nur knapp 125 Höhenmetern vor sich, um über den höchsten Punkt der Rosenlauischlucht (1450 M.ü.M.) als Höhepunkt zur Gletscherschlucht zu gelangen.
Wer das Tal ausgiebiger erkunden möchte udn die Reichenbachfälle nicht nur aus dem Postauto erahnen, der wählt besser die Reichenbachfallbahn und wandert über Zwirgi, Schwand und Gschwentenmad zum Hotel Rosenlaui. Zusätzliche Laufzeit gut zwei Stunden, die paar Minuten für die Wasserfälle eingerechnet.

VIAMALA: Die grosse Traverse
Eine der markantesten, sicher auch längsten Schluchtenlandschaften der Schweiz, obendrein mit fast so viel Geschichte und Mythen augestattet wie die Schöllenenschlucht zwischen Göschenen und Andermatt (Uri), bietet unbestritten die Viamala westlich von Thusis (GR). Doch hier anerbietet sich eher als in den Schöllenen, wo Strasse und Bahntrassee kaum ohne Klettern entkommen wird, das wandernde Erkunden in einer knapp fünfstündigen Tour an. Die Veia Traversina führt mitten durch die sich mal etwas verengende, mal minim ausweitende Schlucht mit unvergleichlicher Tiefe.

Der Ausflug beginnt am Bahnhof Thusis (per Schnellzug von Chur gut erreichbar). Nach der Unterführung startet man südlich der Gleise in der Via Compogna und folgt dann über Sils, die Burg Ehrenfels und St. Albin schlicht den ausgeschilderten historischen Wegen der ViaSpluga (als knappe Ferienwoche kann man dies bis nach Chiavenna im Bergell tun) knapp 12 Kilometer bis nach Zillis, das dank Buskursen schnell die Weiterreise Richtung Splügen oder zurück nach Thusis ermöglicht.

MAGGIASCHLUCHT: Mehr als Baden in Ponte Brolla
Vom unteren Ende des Maggiatals kennen die meisten Touristen das breitere, fast stehende Gewässer bei Ponte Brolla. Wo sich im Sommer tollkühne Springer aus 20 oder 30 Metern in die Fluten stürzen und die anderen unten gemütlich picknicken und baden. Dabei lohnt sich das Erkunden der Talenge gleich nördlich von dieser Stelle ebenso, vor allem ausserhalb der Sommerhitze, weil sich im Frühling und Herbst wenige Auswärtige zu dieser Entdeckungstour aufmachen.

Wir fahren mit dem Centovalli-Bähnchen von Locarno bloss bis ins bereits über dem Schluchtanfang gelegene Bahnhöfchen von Ponte Brolla. Darauf schlendert man gemächlich über die hohe Autobrücke, um kurz nach der ersten Linkskurve ins Seitensträsschen Pian di Comarii einzubiegen und einige Meter danach auf der hübschen Via Puncetta weiter zu promenieren. So lange, wie sich die Aussicht auf die Schlucht lohnt, allerhöchstens eine halbe Stunde, dauert's bis zur Umkehr nach der zweiten markanten Lichtung oberhalb der Strasse. Auf dem Rückweg besucht man das erste Grotto (America), wenn es schon offen ist, oder allenfalls gleich danach das hübsch gelegene Da Enzo oder noch ein paar Meter weiter das Al Castagneto oder das Centovalli.
Wer gut zu Fuss und gut beschuht ist, läuft am Ende des Puncetta-Strässchens auf einem Wanderweg westlich den Hügel hinauf, um nach hübscher Aussicht und einer Rast oben gemütlich nach Verscio hinab zu gelangen.

IHRE LIEBLINGSSCHLUCHT
Welche Geheimtipps zu bekannten oder noch unentdeckten Taleinschnitten und Wasserlandschaften kennen Sie?
Einen kurzen Tipp erstellen Sie am besten gleich anschliessend mit einem Kommentar, einen längeren Ausflugstipp (möglichst) mit Bild nach einer Registration unter Artikel einreichen. Vielen Dank!

Online-Übersicht Schweizer Schluchten
www.schluchten.ch (verbunden mit Angeboten zu Riverrafting, Führungen etc.)
Schluchten-Tipps bei MySwitzerland.com

Autor: Reto Meisser