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13. Februar 2012

Vom Wert der wertlosen Büez

Krank war ich, letzte Woche. Und was machen wir Hausfrauen, wenn wir krank sind? Den Haushalt. Diese Woche sind Skiferien! Und was besorgt eine Hausfrau in den Ferien? Richtig, den Haushalt: Einkauf, Wäsche, Kochen, Putzen, Handschuhe trocknen und dafür besorgt sein, dass am Morgen sämtliche Skibrillen auffindbar und die Snowboardschuhe schön aufgewärmt sind … Aber ich beklage mich nicht. Im schönsten Job der Welt, dem unseren, gibts zwar nicht vier, nicht fünf und schon gar nicht sechs Wochen Ferien, sondern gar keine. Aber die Entschädigung ist unvergleichlich: Ich verbringe wunderbare Zeit mit den Kindern.

Vermutlich müssen wir dann noch mit dem Postauto nach Ilanz in die Migros fahren. Wegen der Animanca-Steine. Leserin Susanne fand zwar, ich müsse mich darüber beschweren, dass schon wieder ein neues Sammelfieber verordnet worden sei, schränkte dann sogleich ein: «Aber das darfst du ja nicht!» Darf ich doch, liebe Susanne. Ich darf hier sehr wohl schreiben, was mich an der Migros stört. Dass mein Aprikosenjoghurt tatsächlich aus dem Sortiment gestrichen wurde. Oder dass im Februar Spargeln und Erdbeeren in der Auslage sind.

Hans führt mit neun Siegen zu einem.

Ich erwähne aber auch, was mich freut: dass manches Migros-Produkt sein eigentliches Vorbild übertrifft. Ich sage nur: Giandor. Und die neuen Blévita-Dinkelcracker mit Thymian und Meersalz — traumhaft! Nein, die Sache ist vielmehr, dass ich mich über die Sammelaktion nicht nerve. Anna Luna stöhnte zwar auch: «Nid scho wieder!», aber Hans war sofort begeistert. Und wenn du dich nun ärgerst, bei deinen Kindern «das böse Mami» sein zu müssen, weil du sie nicht mitmachen lässt, dann sei doch einfach das liebe Mami und lass sie, Susanne! Ist nämlich ein super Spiel. (Der Witz ist: Wir besassen solch ein Brettspiel mit Mulden und farbigen Steinen bereits. Es heisst bei uns Serata, Hans und ich spielen es täglich, und er gewinnt fast immer gegen mich; Stand seit Ankunft in Laax: Er führt mit neun Siegen zu einem.)

«Hans führt mit neun Siegen zu einem.»

Übrigens schrieb ich eingangs bewusst «wir Hausfrauen». Die Männer sind in diesem Job Quantité négligeable. Die neusten Zahlen haben Sie ja gelesen, oder? Männer leisten in Haushalt und Familie noch weniger als vor zehn Jahren: 16½ Stunden warens im Jahr 2000, jetzt sinds durchschnittlich noch 16. Wohingegen die Frauen 28 Wochenstunden leisten. Die Männer gehen der Partnerin höchstens bei der Buchhaltung und mit dem Schlagbohrer zur Hand, bügeln hingegen nie und erledigen kaum Wäsche. Was mich aber erschüttert: Auch die Frauen machen fast drei Stunden weniger Hausarbeit als noch vor zehn Jahren. Weil die Hausarbeit noch immer herabgemindert wird, und was scheints nichts wert ist, das tut man nicht gern. Muss ich denn ewig mein altes Lied anstimmen? Dass es nichts Wertvolleres gibt als die Hausarbeit? Nichts Besseres, als Zeit mit den Kindern zu verbringen?

Da gibts doch die Ex-Miss, die in der TV-Werbung für irgendeine Waschmaschine ihre Tochter links liegen lässt und behauptet, sie könnte «ihr», der Waschmaschine, «stundenlang zusehen». Blödsinn. Das Schöne ist nicht, einer Waschmaschine zuzuschauen, wie es die gewesene Miss und heutige Gattin eines schwerreichen Rohstoffhändlers tut. Das Schöne ist, dem eigenen Kind zuzuschauen. Wenn es nicht gerade entnervt durch die Ferienwohnung brüllt: «Tami noch mal, Vati, wo hast du jetzt schon wieder meine langen Unterhosen vernuuschet?»

Die Hausmann-Hörkolumne , gelesen von Bänz Friedli (MP3)

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Bänz Friedli lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.
Seine Internetseite: www.derhausmann.ch
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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli