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08. April 2013

Vom Oberengadin bis nach Tirano

Die wichtigsten Tipps zum Einkehren, Übernachten, Wandern oder Entdecken entlang der RhB-Strecke des Bernina-Express, einem Unesco-Weltkulturerbe.

DIE RESTAURANTS
In einigen Restaurants im Puschlav und in Tirano (im Oberengadin ebenfalls) isst man gut, gerade nach dem Berninapass, in Tirano und vielleicht abseits der wichtigsten zwei Dorfplätze in Poschiavo auch durchaus preiswert. Unser Geheimtipp seit etlichen Jahren ist ein leicht abseits der Bahnlinie gelegenes Restaurant der gehobenen Mittelklasse in Brusio:

1. Das Agriturismo Miravalle in Brusio: Der Familienbetrieb des Ehepaars Migliacci-Compagno ist in Sachen traditioneller Puschlaver Küche mit einigen 'fremden' Einsprengseln die Nummer 1 im Tal. Das Interieur ist hell und modern, nach Presa Alta gelangt man bequem mit dem Auto (und Map respektive Karte!) oder auch in einigen Minuten zu Fuss vom Bahnhof Brusio. Gerade bei schönem Wetter lockt die Aussicht hinunter bis zur Talenge kurz vor Tirano. Tel. 081 846 55 22

2. Das Caffè Semadeni (Garni) mitten in Poschiavo: Hier gibts vielleicht nicht das raffinierteste Essen, aber etliches von Tradition, die besten Süssigkeiten und kleineren Imbisse der Region, bei Wärme grosszügige Bestuhlung draussen sowie meist eine entspannte Stimmung im Zentrum des Altstädtchens. Und im übrigen sogar vergleichbar günstige Zimmer. Tatsächlich also mehr als ein Café...

3. Das Hotel Le Prese am Nordzipfel des Lago di Poschiavo: Vielleicht der Traditionsbau des Tals, Jahrzehnte den Kraftwerken Brusio gehörend, mit Schwefelbad und Trinkkuren, zuletzt auch einem Jazzfestival, eröffnet im Mai nach Jahren der Stillegung und der Übernahme der Baslerin Irma Sarasin wieder die Tore. Wie gut das Hotel in beeindruckendem Bau direkt am See wieder wird, steht in den Sternen geschrieben, aber ein Mittagessen oder eine Erfrischung im Gartenrestaurant ist für Neuentdecker des Puschlavs fast ein Muss (dank Parkplatz und Zughalt gleich vor dem Bau auch bequem).

HOTELS UND GASTHÄUSER
Hier verzichten wir angesichts des grossen Angebots und einer im Vergleich zum Essen bei der Übernachtung noch grösseren Preisspanne auf eine Rangierung, ebenso auf einen Einbezug des riesigen Hotelangebots im Oberengadin. Zuerst führen wir zwei beliebte Mittelklasse-Hotels auf, dann zwei günstige Gelgenheiten zum Übernachten in der Nähe von lohnenden Wanderungen und Aussichtspunkten:

Karin Zanolari vor ihrem Hotel Albrici
Karin Zanolari vor ihrem Hotel Albrici in Poschiavo

Das Albrici in Poschiavo: Für dieses familiär geführte Traditionshaus im Zentrum Poschiavos gilt es einfach den Film des Migros-Magazins anzusehen, etwas nach der Hälfte und dem Porträt der 'RhB-Familie' Beti wird das Albrici vorgestellt. Schnörkellose Qualität und Grosszügigkeit machen neben dem alten Bau den Charme aus.

Das La Rösa an der Bernina-Passstrasse: Kürzlich renoviertes, sehr gut geführtes Hotel bei der gleichnamigen Postauto-Haltestelle. Idealer Ausgangspunkt für etliche Bergtouren vor allem im Osten des Passes (siehe Tipp 'Moorlandschaft/Saoseo' unten).

Das Albergo Ristorante Miralago am Südende des Poschiavosees: Eine einfache, unmittelbar zwischen See und einer Bahnhaltestelle sowie der Strasse gelegene Absteige mit Bistro. Sehr freundliche Leute und in der Regel auch Gäste, sehr preiswert, ohne Luxus und nicht ganz still (ausser von 22 Uhr 30 bis kurz vor 06 Uhr).

Das Berggasthaus Rifugio Cavaglia an der Bernina-Bahnlinie: Wer keine gehobenen Ansprüche hat, die Natur einer malerischen kleinen Hochebene und ausser der Rhätischen Bahn null Verkehr sowie mehrere Spaziergänge oder Bergwanderungen gleich vor der Haustüre schätzt, ist zur Saison hier goldrichtig. Die Bahn hält auch hier wirklich gleich vor der Haustür.

WANDERUNGEN, SPAZIERGÄNGE UND AUSFLÜGE
Es gibt unzählige Möglichkeiten für einen Unterbruch der Zug- oder Autoreise, vom Spaziergang bis zur Bergtour. Ein paar Ideen, geordnet von Nord (Oberengadin) bis Süd (Tirano):

Auf die Diavolezza: Nach Fahrplan ( vorinformieren! ) führt die Gondel von der gleichnamigen Haltestelle des Bernina-Express innert wenigen Minuten auf 3000 Meter Höhe und zu einer Aussichtsterasse (mit Restaurant) und bei schönem Wetter dem nächsten Blick auf die Bernina mit dem Biancograt, ein paar daneben emporragende Gebirgsriesen oder den mit Führung oder Erfahrung frühmorgens problemlos erklimmbaren Gambrena (ca. 3700 M.ü.M.)

Von Alp Grüm nach Cavaglia: Einer der beliebtestens Spaziergänge in den Hochalpen überhaupt. Für Nichtkenner: Auf Alp Grüm aus dem Zug steigen, den Gletschergarten studieren und (ab Spätfrühling oder mit sehr gutem Schuhwerk!) gemütlich bis nach Cavaglia wandern, wo wiederum die RhB wartet. Wanderer mit einem Flair fürs beschwingte Bergab laufen in einer knappen Tagestour mit ausgiebigem Picknick bis Poschiavo oder eine Bahnstation davor hinunter, sportliche den umgekehrten Weg hinauf. Neben den Ausblicken auf Gletscher (Palü, der Schweizer mit dem Rekordrückgang in Prozent überhaupt) und Gipfel trifft man auch historische und aktuelle Zeugen der Stromgewinnung.

Moorlandschaft oder Saoseo-Übergang östlich von La Rösa: Vom La Rösa- oder dem Zarero-Hotel (beides mit Bushalt an der Passstrasse, das Zarera etwas weiter unten als der Halt Pozzulasc) oder mit eigenem Wagen sind (erst ab Frühsommer) zwei Ausflüge Richtung Seitental Val da Camp sehr empfehlenswert:
1. Besuch der Moorlandschaft Plan da Franzesch am Südhang: Abzweigung noch vor (nördlich) der Haltestelle Pozzulasc in die Strada del Bernina, zu Fuss oder mit Auto bis ans Strassende Suracqua. Hier startet man eine kurze, aber rund 400 Höhenmeter überwindende Wanderung zum relativ unbekannten Hochmoor. Ein wunderschöner guter Halbtages- oder knapper Tagesausflug.
2. Die Seen und die SAC-Hütte Sasoseo Richtung Valdidentro/Bormio: Dafür wählt man die Strasse einen Postautohalt weiter oben, bei Sfazù östlich den Hang hinauf, bis nach Rügiù oder Alp Camp (vereinzelt Busdienste bis dort). Von da aus ist man im Handumdrehen beim Saoseo-Bergsee und der gleichnamigen Hütte. Freunde von längeren Wanderungen mit frühmorgendlichem Start laufen an weiteren Seen vorbei auf dem landschaftlich eher wilden Hochplateau hinunter ins Valdidentro, wo auch Busdienste nach Bormio verkehren (vorher informieren!).

Hoch über dem Lago di Poschiavo: Man steigt beim Hotel Le Prese aus der Bahn oder dem Auto (s. oben), wandert dem Seeende entlang bis zum bewaldeten Osthang des Sees und wählt einen tiefer oder höher gelegenen Wanderpfad mit wunderbarer Aussicht auf den Poschiavosee und den unteren Teil des Puschlavs. Am südlichen Seende überquert man ein Brückchen und nimmt an der Haltestelle Miralago wieder den Zug (oder kehrt im oben erwähnten gleichnamigen Albergo ein).

Auf Schmugglerpfaden über die Grenze: Die schweizerisch-italienische Grenze war lange Zeit von mehreren ausgiebig genutzten Schmugglerpfaden 'durchzogen'. Einen sehr hübschen empfehlen wir als Wanderung vom Westende Tiranos aus zurück Richtung Campascio (unterhalb von Brusio und ebenfalls mit Bahnhalt). Los gehts bei Tiranos letzten Ortsteil Ragno in die Via Ragno, noch bis San Sebastiano mit dem Auto oder bereits zu Fuss. Nach ein bis zwei Strässchen gehts auf einem hübschen Wanderweg plötzlich auf die Bergkrete zu und über die Grenze, danach über Lughina udn Scala/Parado hinunter ins Puschlaver Haupttal.

DIE KIRCHEN
Dank langer Tradition, aber auch infolge der religiösen Kämpfe und Wirren im 17. Jahrhundert, trifft der Besucher in der Region auf viele Gotteshäuser aus ganz verschiedenen Epochen und Stilen. Hier in blosser Nennung einige der in Aussen- oder Innenansicht sowie vor allem Lage herausragenden Exemplare (ebenfalls von Nord nach Süd):

Die Ruine San Gian noch im Oberengadin (zwischen Celerina und den RhB-Routen von St.Moritz oder Samedan nach Pontresina)
Pontresina: Begräbniskirche Sta. Maria
San Carlo: Katholische PfarrkircheSan Carlo Borromeo
Poschiavo: Stiftskirche San Vittore, Katholishce Kirche Sta. Maria, vor allem aber das Alte Frauenkloster
Tirano: Wallfahrtskirche Madonna di Tirano, Kirche Santa Perpetua mit Aussicht am Hang

Autor: Reto Meisser