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05. Januar 2012

Vom «Anneli» zum «Schellen-Ursli»

Der Chasperli von Jörg Schneider ist eine der typisch schweizerischen Unterhaltungsfiguren für Kinder. Doch auch andere Dialektklassiker regen Fantasie, Spieltrieb und Wissensdrang der Kleinen an. Ein paar ExLibris-Tipps mit wertvollen Hörbüchern in Mundart:

Jörg Schneider (76) hat alle 40 Kasperli-Geschichten geschrieben und gesprochen. (Bild: RDB/Christian Lanz)

Anneli
Die Erlebnisse eines Tösstaler Mädchens zur Zeit der Industrialisierung, zwischen monotoner Fabrikarbeit, Familienleben und Freunden bleiben ein Geheimtipp, der bei ExLibris noch in der Form von vier Musikkassetten erhältlich ist. Nicht nur Mädchen von acht bis 12 Jahren, auch Knaben und selbst die Eltern hören der Stimme Olga Meyers in der Mundartfassung von Inigo Gallo, den gezielt eingesetzten Geräuscheffekten und nicht zuletzt unvergessenen Volksliedern zu.

Der Schellen-Ursli
Gar noch verbreiteter ist seit Generationen Hans Gmürs fast zeitlose, wenn auch heimweh-bündnernde Mundartfassung des schweizweit bekannten Kinderbuchs mit Zeichnungen von Alois Carigiet. Selina Chönz‘ Geschichte fesselt unvermindert Klein und Gross (ab Schulalter). Wie war das nun wieder mit der grossen Glocke zum Frühlingsbrauch des Chalandamarz?
Heidi
Der Mundartklassiker des Heimatkinderbuchs schlechthin, denn diese uralte, auf CD aber hübsch erhaltene Dialektfassung weist in Sachen Sprecher von Heinrich Gretler bis Margrit Rainer oder Heidi Diggelmann nur das Beste auf – oft auch die Schauspieler, die im frühen Heidi-Film dieselben Rollen verkörperten. Wie «Anneli» ermöglicht die Box das gründliche Eintauchen in Johanna Spyris Welt. Achtung: Gewisse Haushaltsarbeiten der Eltern drohen beim Hören in der Stube aufgeschoben zu werden.
Trudi Gerster liest Grimms Märchen
Trudi Gerster hat mit ihren im Dialekt vorgelesenen Märchen-CDs oder früher Kassetten geschafft, was fast unmöglich scheint: Sie blieb den Zuhörern dank ihrer wandelbaren, aber nie übertrieben theatralischen Stimme über Jahrzehnte mindestens so sehr in Erinnerung wie die Werke oder vor allem deren Schöpfer selbst. So kennen auch unzählige mittlerweile erwachsene Märchenfans Grimms Klassiker wie König Drosselbart nur dank ihr. Übrigens lohnen sich genauso Gersters Mundartlesungen von Andersens Märchen.
Der Pumuckl
Natürlich eigentlich ein Ur-Bayrisches Wesen, der Schlingel Pumuckl, so fand er doch dank Jörg Schneiders Mundart-Version seinen Weg auch in die Herzen der kleinen Buben südlich des Bodensees. Und bei allen Ideen für gewagte Streiche wären Schweizer Eltern vielleicht froh gewesen, er wäre im grossen Nachbarkanton geblieben…
(bei ExLibris.ch nur in Hochdeutsch, aber weltbild.ch hat einige Folgen in der Dialekt-Version im Angebot.)
Jim Knopf und Lukas der Lokiführer
Michael Endes Kinderbuch-Hit wurde bald einmal auch als Kassette mit Schweizer Starschauspielern aufgenommen. Jim, Lukas, Nepomuk, die Drachen-Lehrerin Malzahn wurden von Jörg Schneider, Ruedi Walter, Margrit Rainer, Zarli Carigiet oder Edouard Huber zur Legende erhoben. Wer das dicke Buch noch nicht selbst lesen konnte oder es nicht ganz von den Eltern vorgelesen bekam, der schloss in der Schweiz in dieser Form damit bleibende Bekanntschaft. Und hat das Lied der Frau Malzahn sicher bis heute nicht vergessen.
Pippi im Takatuka-Land
Auch Kinderbuch-Klassiker von Astrid Lindgren erfuhren sorgfältige, bis heute beliebte Mundartbearbeitungen: Da wäre etwa die zum Zuhören für die Kleinen wohl geeignetste Pippi-Geschichte vom Abenteuer im Takatuka-Land. Aber auch der Michel aus Löneberga bekam im Kabarettisten Emil Steinberger einen gewandten Dialekt-Paten.