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09. März 2015

Voller Terminkalender bei Kindern

Das Gschpänli spontan zum Spielen treffen? Das ist heutzutage selbst für Kinder immer schwieriger. Denn auch ihr Terminkalender ist oft randvoll.

Fussballtraining
Fussballtraining, ... (Bild: Getty Images)

Montag: Mathe-Nachhilfe
Dienstag: Klavierunterricht
Mittwoch: Fussball
Donnerstag: Kinderchor
Freitag: Fussball

Das ist der Wochenplan von Jan (8). Wie vielen anderen Kindern steht dem Buben nach der Schule ein strenges Programm bevor. Heutzutage wollen Eltern ihren Nachwuchs so früh wie möglich auf den Leistungsdruck der Gesellschaft vorbereiten.

Deshalb schicken sie ihn in Kurse und Förderprogramme. Das geht so weit, dass Jan frühzeitig mit seinen Gschpänli zum Spielen abmachen muss. Denn auch deren Alltag ist oft ausgebucht, und es ist kaum mehr möglich, spontan Freunde zu treffen.

«Die durchgeplanten Tagesstrukturen sind bedenklich. Wenn Kinder ihre Freunde kaum mehr sehen, geraten sie in soziale Isolation, was sich auch negativ auf das Selbstwertgefühl auswirkt», sagt Thomas Baumann (63), medizinischer Leiter des Schul- und Therapiezentrums ZKSK und Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Solothurn.

«Immer mehr Eltern stellen hohe Ansprüche an die Kinder und versuchen, mit Kursen das Maximum aus ihnen herauszuquetschen. Das kann sie in ihrer Entwicklung hindern.»

Es ist deshalb wichtig, die Aktivitäten individuell anzupassen. Hat das Kind schulisch starke Schwächen, können diese mit Nachhilfeunterricht ausgeglichen werden. Dennoch sollten Eltern ihre Sprösslinge nicht einengen und ihnen genügend Freiraum und Zeit mit Freunden lassen. «Kinder profitieren am meisten von Gleichaltrigen», erklärt der Facharzt. Es ist demnach förderlich, sie zu unterstützen, wenn sie mit Freunden abmachen möchten.

Die Energie und Begeisterung der Kleinen sollte nicht durch Druck und Stress ersetzt werden. Thomas Baumann: «Mit Spass fördern statt überfordern!» Der Experte rät, sich in die Kinder hineinzuversetzen: Würde mir Fussball zwei Mal pro Woche Freude machen?

Falls nicht, lässt man es lieber. Auch sollten Eltern mit den Kindern sprechen, um das richtige Mass zwischen fixem Programm und Freizeit zu finden. Schliesslich profitiert die ganze Familie von einem stressfreien und harmonischen Miteinander.

Autor: Priska Plump