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09. Januar 2017

Vitamin B12 ist unentbehrlich

B12 ist ein Vitamin, das vorwiegend in tierischen Nahrungsmitteln enthalten ist. Ein Mangel kann schwere gesundheitliche Folgen haben. Wer sich vegan ernährt, sollte deshalb besonders auf eine ausreichende Zufuhr achten.

Fleisch, Milch, Eier und Fisch sind gute Vitamin-B12-Quellen
Fleisch, Milch, Eier und Fisch sind gute Vitamin-B12-Quellen (Bild: StockFood).

Das Vitamin B12 (auch Cobalamin) ist lebenswichtig für die Zellteilung, die Herstellung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und die Funktion des Nervensystems. Da der menschliche Körper dieses Vitamin nicht selber produzieren kann, ist er auf eine ausreichende Zufuhr angewiesen. B12 kommt vor allem in tierischer Nahrung wie Fleisch (insbesondere Leber), Fisch, Milch und Eiern vor.

Normalerweise werden im menschlichen Körper etwa 2 bis 5 Milligramm Vitamin B12 gespeichert, 60 Prozent in der Leber und etwa 30 Prozent in den Muskeln. Da der Tagesbedarf etwa 5 Mikrogramm beträgt, würde dieser Vitaminvorrat bei unterbrochener Zufuhr für rund drei Jahre ausreichen. Ein Mangel entwickelt sich demnach erst nach jahrelang vermindeter Zufuhr.

Ganz allgemein liegt einem Vitamin-B12-Mangel eine ungenügende Aufnahme zugrunde, sei dies, weil über die Nahrung zu wenig Vitamin B12 zugeführt wird (insbesondere bei Veganern) oder weil das durch die Nahrung zugeführte Vitamin B12 nicht ausreichend aufgenommen wird. Die Aufnahme und Verwertung von B12 im Darm ist sehr komplex. Damit es ins Blut gelangen kann, muss das Vitamin vorher an ein im Magen produziertes Eiweiss, den sogenannten Intrinsic Factor, ­gekoppelt werden. Ist zu wenig Intrinsic Factor vorhanden, ist dies eine der häufigsten Ursachen, die zu einem Vitamin-B12-Mangel führen.

Mangel schadet auch den Nerven

Nicht nur das Blut und der Magen-Darm-Trakt, sondern auch das Nervensystem sind von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen. Beim Blut sind die Blutarmut und eine leichte Gelbsucht zu nennen. Im Magen-Darm-Trakt ist das Wachstum der Schleimhautzellen gehemmt: Es kommt zu einer Zungenentzündung. Die Zunge ist gerötet und brennt (Hunter’sche Glossitis). Appetitlosigkeit, leichter Gewichtsverlust, sowie eventuell Durchfall können Symptome sein.

Im Nervensystem wird die für die Geschwindigkeit der Nervenimpulse wichtige Ummantelung der Nervenzellen (das sogenannte Myelin, die «Isolation» der Nerven) beschädigt. In der Folge werden auch die Nervenzellen direkt geschädigt und gehen zugrunde. Dieser Zustand ist nicht mehr rückgängig zu machen. Betroffen sind vorwiegend die peripheren Nerven (die sich ausserhalb des Gehirns und des Rückenmarks befinden), das Rückenmark und das Gehirn. Die frühesten Zeichen der Nervenschädigung sind Ameisenlaufen in den Beinen, Schwäche und Gangstörung (die sogenannte funikuläre Myelose). Bei einer ärztlichen Untersuchung können ein abgeschwächter Vibrations- und Lagesinn sowie abgeschwächte Muskeleigenreflexe nachgewiesen werden.

Vitamin-B12-Ersatz für Veganer

Da die Aufnahme von Vitamin B12 eine normale Anatomie von Magen und Dünndarm voraussetzt, können Patienten mit Störungen in diesem Bereich, zum Beispiel nach Operationen, Mangelerscheinungen entwickeln. Nachdem die Ursache gefunden und, falls möglich, behandelt worden ist, muss das Vitamin B12 ersetzt werden. Wenn ein Mangel an Intrinsic Factor die Ursache ist, erfolgt die Therapie üblicherweise als Spritzenkur in den Oberarmmuskel. Veganer haben die Möglichkeit, einem Mangel mit der täglichen Einnahme von Tabletten, die 2 Mikrogramm ­Vitamin B12 enthalten, vorzubeugen. Die besten Resultate sind zu erwarten, wenn ein Mangel möglichst früh erkannt wird.

Autor: Dr. med. Hans-Eric Usher ist Facharzt für Allgemeine Medizin (UK) und Leiter von Medbase Olten.