Archiv
22. Dezember 2014

Heilsarmee-General: «Wir sind nicht im Gehirnwäsche-Geschäft»

Keine Weihnacht ohne die Spendenkässeli und Gesänge der Heilsarmee. Seit Kurzem wird die evangelikale Kirche von einem Schweizer Ehepaar geleitet. André und Silvia Cox über ihre Mission, ihre Zusammenarbeit, die Marke Heilsarmee und deren globalen Einfluss.

André und Silvia Cox
André und Silvia Cox auf der Milleniums Bridge in London. Das Hauptquartier der Heilsarmee befindet sich in unmittelbarer Nähe.

André und Silvia Cox, wie feiern Sie Weihnachten?

André Cox: Wenn irgendmöglich mit der Familie. Dieses Jahr werden wir zu unseren Töchtern nach Bern reisen und zu zwölft feiern – oder zu dreizehnt. Wir erwarten um Weihnachten herum ein weiteres Enkelkind.
Silvia Cox: Und wenn wir sonst irgendwo in der Welt unterwegs sind, dann besucht uns meist eine der Töchter mit Familie.

Welche Rolle spielt dabei die Religion?

André Cox: Normalerweise gehen wir am 25. vormittags mit der ganzen Familie zu einem Gottesdienst der Heilsarmee, diesmal in Burgdorf. Danach gibt es ein Frühstück für alle.
Silvia Cox: Zwar sind auch bei uns die Geschenke für die Kinder wichtig, aber der zentrale Aspekt ist schon die Geburt von Jesus. Wir feiern an Weihnachten eine Geburstagsparty.

In Schweizer Städten ist die Heilsarmee vor Weihnachten sehr präsent mit ihren Spendentöpfen. Machen Sie das überall auf der Welt?

André Cox: Ja, aber überall ein bisschen anders. In der Schweiz singen wir, in England sind wir mit Blaskapellen unterwegs. Übrigens auch in Afrika, bei glühender Hitze.
Silvia Cox: In Finnland stehen wir nur da ohne Musik und bekommen trotzdem viele Spenden. In den USA haben wir Glockenspieler und Sänger.
André Cox: Wir sammeln in weiten Teilen Westeuropas und der angelsächsischen Welt, aber es gibt auch Gebiete, wo wir zwar präsent sind, wo es jedoch keine Tradition des Spendensammelns gibt, etwa in Indonesien, Pakistan oder auch in Osteuropa.

Trotz der Wirtschaftskrise waren die Spendeneinnahmen in den letzten Jahren in vielen Ländern stabil.

Wie viel Geld nehmen Sie ein?

André Cox: In der Schweiz sind es jedes Jahr rund 1,3 Millionen Franken. Wie viel wir global auf diese Weise einnehmen, kann ich gar nicht sagen, weil das Geld im jeweiligen Land zweckgebunden für Sozialprojekte eingesetzt wird. Trotz der Wirtschaftskrise waren die Spendeneinnahmen in den letzten Jahren in vielen Ländern stabil, an einigen Orten haben sie sogar leicht zugenommen. Wir stellen fest, dass es ein grosses Vertrauen gegenüber der Marke Heilsarmee gibt.

Sind Spenden die Haupteinnahmequelle? Ihr prächtiger gläserner Hauptsitz an bester Lage in London dürfte nicht billig gewesen sein.

André Cox: Das Land hier am Ufer der Themse wurde bereits von unserem Gründer William Booth im 19. Jahrhundert gekauft.
Silvia Cox: Heute könnten wir uns das natürlich niemals leisten.
André Cox: Wir besitzen hier sogar mehr Land als wir brauchen. Die Bank neben uns bezahlt uns Leasinggebühren, deshalb können wir uns ein solches Gebäude leisten. Ansonsten finanzieren wir uns mit Spenden, Mitgliederbeiträgen und Zuschüssen von Regierungen, die uns für unsere diversen sozialen Dienste bezahlen. In der Schweiz arbeiten wir zum Beispiel stark mit Flüchtlingen.

Ist es einfach, Ihre beiden Rollen als Kirche und Sozialwerk unter einen Hut zu bringen?

André Cox: Wir stellen fest, dass es den Leuten manchmal schwer fällt, uns richtig einzuordnen. In einigen Ländern sind wir ein massgeblicher Anbieter von Sozialdiensten, in anderen erfüllen wir eine ähnliche Funktion wie eine NGO. Unser Gründer wollte damals Leute erreichen, die normalerweise keinen Zugang zu einer Kirche hatten. Das waren die Armen.
Silvia Cox: Er sorgte sich, dass sie nicht in den Himmel kommen, weil sie der Kirche fernblieben, damals war das nur etwas für Gutsituierte.
André Cox: Er realisierte jedoch rasch, dass es schwierig war, die Leute für spirituelle Botschaften zu interessieren, wenn sie nicht mal genug zu Essen hatten. Daraus entstand die starke soziale Orientierung der Heilsarmee. In Entwicklungsländern betreiben wir heute auch Schulen und Spitäler. Dahinter steht das Vertrauen, dass Gott uns liebt und wir unseren Nächsten diese Liebe weitergeben wollen.

Wir würden niemals sagen: Du musst so denken wie wir, sonst unterstützen wir dich nicht.

Ihr Motto Soup, Soap, Salvation (Suppe, Seife, Seelenheil) impliziert fast schon, dass die Sozialarbeit erste Priorität hat.

Silvia Cox: Das stimmt schon nicht. Das Motiv für die Sozialarbeit ist fest in unserem Glauben verankert.
André Cox: Allerdings würden wir niemals sagen: Du musst so denken wie wir, sonst unterstützen wir dich nicht. Erst mal rollen wir die Ärmel hoch und helfen. Und vielleicht fühlen die Menschen dann etwas von der Wärme und der Liebe, die uns motiviert. Wir sind aber auch in muslimischen Ländern stark präsent. In Pakistan etwa haben wir dreimal so viele Mitglieder wie in Grossbritannien. In Indonesien setzen wir uns regelmässig mit hinduistischen und muslimischen Gemeinschaften zusammen und diskutieren über die Nöte und Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Religion kann nicht nur trennend wirken, sondern auch verbindend.

Aber irgendwie hoffen Sie schon, dass sich jemand auch für Ihren Glauben interessiert, wenn Sie mit Suppe und Seife helfen, oder?

Silvia Cox: Klar. Aber es ist ihr Entscheid. Die Menschen verfügen über freien Willen, und das ist gut so.
André Cox: Und wir sind nicht im Gehirnwäsche-Geschäft.

André und Silvia Cox im gläsernen Hauptsitz der Heilsarmee in London.
André und Silvia Cox im gläsernen Hauptsitz der Heilsarmee in London.

Wie viele interessieren sich nach der Hilfe auch für Ihre religiösen Botschaften?

André Cox: Das ist je nach Region sehr unterschiedlich. In Europa, wo Materialismus und Säkularismus stark sind, passiert es weniger häufig. In den USA, Neuseeland oder Indonesien ist die Resonanz stärker. Besonders in den USA sind wir sehr im Kampf gegen den Alkoholismus engagiert. Und wir haben festgestellt, dass es den Menschen leichter fällt, abstinent zu bleiben, wenn sie an die religiösen Botschaften glauben.
Silvia Cox: Zudem glauben wir daran, dass Gottes Kraft die Menschen verändert. Aber konkrete Zahlen zu nennen, ist sehr schwierig.

Wie bedeutend ist Ihre soziale Arbeit weltweit betrachtet?

André Cox: Wir haben einen beträchtlichen Einfluss. Rund um die Welt befinden sich etwa zwei Millionen Kinder in Schulen oder Kinderheimen der Heilsarmee. In vielen Ländern sind wir gleich nach der öffentlichen Hand der grösste Anbieter von sozialen Diensten, zum Beispiel in den USA. In Afrika ist unsere Arbeit noch bedeutender. Würden sich die Kirchen, nicht nur die Heilsarmee, aus dem Kontinent zurückziehen, würden die Sozialsysteme einiger Länder wohl schlicht kollabieren. In der Wirtschaftskrise haben wir gemerkt, dass sich viele Menschen an die Kirchen wenden, um Trost und Beistand zu suchen. Hier in Grossbritannien hat sich seit Krisenbeginn die Zahl der Essenspakete verdoppelt, die wir verteilen.

Der General ist die einzige gewählte Position innerhalb der Heilsarmee, es ist ein bisschen wie beim Papst, einfach ohne Rauchzeichen.

Was braucht es, um in den Rängen der Heilsarmee so hoch zu steigen wie Sie?

André Cox: Wenn ich das wüsste, würde ich es vermeiden... (lacht) Für mich war es eine Berufung, mich der Heilsarmee anzuschliessen, ich will die Botschaft Gottes verbreiten. Der General ist die einzige gewählte Position innerhalb der Heilsarmee, er wird vom High Council für fünf Jahre gewählt. Es ist ein bisschen wie beim Papst, einfach ohne Rauchzeichen (lacht). Sicherlich hilft es, wenn man langjährige breite Erfahrung in der Kirche hat. Silvia und ich waren zuvor Länderchefs von Finnland, Estland, Südafrika und Grossbritannien.
Silvia Cox: Wir wissen also, wie diese Länder funktionieren und wie die Heilsarmee dort organisiert ist. Es braucht sicher auch gewisse Führungsqualitäten, und man muss gut mit Menschen umgehen können.
André Cox: Theoretisch hat man als General zwar ziemlich viel Macht, aber das Tagesgeschäft führen andere. Ich kümmere mich mehr um Strategie und Vision der Organisation. Und ich habe auch eine seelsorgerische Funktion. Fast die Hälfte des Jahres sind wir in der Welt unterwegs und ermutigen Mitglieder und Gläubige.

Und als Frau des Generals wird man automatisch Präsidentin der Heilsarmee-Frauen?

Silvia Cox: Genau, ich habe diese Rolle wegen Andrés Wahl. Anders als in anderen Kirchen gibt es bei uns historisch die gemeinsame Führung durch ein Ehepaar. Die seelsorgerischen Funktionen und die Reden teilen wir uns weitgehend, gerade wenn wir andere Länder besuchen. Ich bin allerdings nicht die Nummer Zwei in der Hierarchie, diese Funktion hat der Stabschef. Aber für die Frauen habe ich eine ähnliche Funktion wie der General für die gesamte Heilsarmee.
André Cox: Wir hatten schon immer einen starken Fokus auf den Frauen. 75 Prozent unserer Mitglieder leben in Afrika und Südasien, und in diesen Gebieten stehen Frauen noch immer vor enormen Herausforderungen. Mit unserer Arbeit versuchen wir auch, ihnen mehr Einfluss und mehr Möglichkeiten zu verschaffen, gerade auch im Bildungsbereich.

Wenn der General sagte: «Spring!», dann ist man gesprungen. Heute ist das nicht mehr so.

Funktioniert die Heilsarmee so militärisch wie sie nach aussen klingt?

Silvia Cox: Zu Beginn war es auch eine richtige Autokratie, es gab eine klare Kommandostruktur, und der General hatte sehr viel mehr Macht als heute.
André Cox: Wenn der General sagte: «Spring!», dann ist man gesprungen. Heute ist das leider nicht mehr so, das würde mir einiges erleichtern (lacht). Einen militärischen Aspekt gibt es aber schon noch: Auf Offiziersebene wird erwartet, dass man bereit ist, dorthin zu gehen, wo die Heilsarmee einen braucht, egal wo das ist. Und viele von uns tragen Uniformen, aber längst nicht alle.

Und Sie verdienen nur 24’000 Franken pro Jahr? Kann man davon in London leben?

André Cox: Das stimmt, aber Silvia erhält auch nochmals etwa so viel. Ausserdem haben wir eine Dienstwohnung, einen Dienstwagen, und auch Computer und Handys stehen zur Verfügung. Die Heilsarmee kümmert sich gut um uns.
Silvia Cox: Und wir führen ein einfaches Leben. Weil wir so viel reisen, geniessen wir es, zu Hause zu sein, wenn wir mal in London sind. Wir kommen recht gut zurecht. Klar, wir können kein Geld sparen, um irgendwann mal ein Haus in Zürich oder Genf zu kaufen, das liegt nicht drin.

Innerhalb der evangelikalen Kirchen herrscht ja ein ziemlicher Konkurrenzkampf um Mitglieder. Bekommen Sie das auch zu spüren?

André Cox: Wir sind keine Sekte, bei uns können die Leute kommen und gehen, wie sie wollen. Aber es macht mir schon etwas Sorgen, dass Leute von Kirche zu Kirche springen, nur weil sie gerade im Trend ist. In der Schweiz kommt es mir zumindest ein bisschen so vor.

75 Prozent unserer Mitglieder leben in Afrika und Südasien.

Wie ist die Fluktuationsrate bei der Heilsarmee?

Silvia Cox: Weltweit gesehen wachsen wir konstant. In Westeuropa stagnieren die Mitgliederzahlen, in Amerika steigen sie leicht. Aber 75 Prozent unserer Mitglieder sind in Afrika und Südasien.

Wie hebt sich die Heilsarmee von der Konkurrenz ab?

André Cox: Wenn die Leute die Heilsarmee nur als eine evangelikale Kirche ansehen, dann gibt es da sicher auch andere, die besser sind. Aber es gibt eben nur eine Heilsarmee. Wir bleiben unserer Berufung treu, und dem praktischen Anspruch, den Leuten zu helfen.
Silvia Cox: Wir wollen im Leben der Menschen etwas bewirken.

Wie wichtig ist da das Missionieren?

Silvia Cox: Das ist schon wichtig, ohne neue Mitglieder würden wir aussterben. Aber meist passiert das automatisch, wenn die Leute in unserer Kirche einen Halt finden. Wir lancieren keine Kampagnen.
André Cox: Bei uns sind Familien in der vierten oder fünften Generation, natürlich braucht es auch mal neues Blut. Eines Tages werde auch ich pensioniert, voraussichtlich 2018.

Ein neues Mitglied unterschreibt bei Ihnen eine Art Vertrag mit Regeln, darunter kein Alkohol, keine Drogen, keine Pornographie. Wie wichtig sind diese Regeln?

André Cox: Wir sagen nicht, dass sich niemand ein Glas Wein gönnen darf. Aber in unserer Arbeit mit Alkoholabhängigen sehen wir täglich, wozu die Sucht führen kann. Ich habe es persönlich erlebt, als ich zum ersten Mal in die Schweiz kam, um Französisch zu lernen. Dort arbeitete ich in einem Heilsarmee-Heim, wo hochgebildete Menschen lebten, die wegen Alkohol obdachlos wurden.
Silvia Cox: Wir versuchen alles zu vermeiden, was unserem Körper schadet.

Wann hatten Sie ihr letztes Glas Wein?

Silvia Cox: Ich habe noch nie getrunken, dadurch vermisse ich es auch nicht.
André Cox: Das war wohl 1970. Aber für mich ist die Abstinenz kein Problem. Wir lachen schon so viel zusammen, wenn wir noch alkoholisiert wären, würde das wohl ausarten.

Es fällt auf, dass Frauen in der Heilsarmee schon früh gleichberechtigt waren. Was halten Sie von der katholischen Kirche, die damit immer noch Mühe hat?

André Cox: Immerhin ist man schon etwas offener geworden. Ich bin froh, dass die Debatte stattfindet. Aber da denke ich gleich wie die Afrikaner: Wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen immer noch drei Finger auf dich.

Wieso war es für die Heilsarmee so einfach?

Silvia Cox: Die Frau des Gründers, Catherine Booth, hatte einen enormen Einfluss. Sie hat sich intensiv mit allen Fragen beschäftigt und hat ihre Forderungen aus Überzeugung gestellt.
André Cox: Schon William Booth hat gesagt, seine besten Männer wären die Frauen gewesen. Wir glauben an die Kraft der Familie und haben nie wie die katholische Kirche das Zölibat propagiert.

Ich verstehe nicht, warum um die Sexualität eine solche Sache gemacht wird. Die Bibel sagt uns, dass wir alle Sünder sind.

Was Sie aber mit der katholischen Kirche teilen, ist der Widerwille, homosexuelle Beziehungen anzuerkennen.

André Cox: Damit müssen wir uns sicher noch mehr auseinandersetzen. In unserem 150-jährigen Bestehen haben wir relativ wenig über Sexualität gesprochen. Wir glauben ähnlich wie die katholische Kirche, dass unsere Sexualität gottgegeben ist. Der Ausdruck der Sexualität findet für uns in der traditionellen Ehe statt. Da haben wir und alle anderen Kirchen noch eine Reise vor uns. Aber als Arbeitgeber würden wir natürlich nie jemanden nach seiner Sexualität fragen.

In 30 Jahren wird das also lockerer gesehen?

André Cox: Ich weiss nicht, welchen Fortschritt man aus theologischer Sicht machen wird. Aber ich spüre schon jetzt ein viel offeneres Umfeld, dass die Leute mehr für das gesehen werden, was sie sind. Ich verstehe nicht, warum um die Sexualität eine solche Sache gemacht wird. Die Bibel sagt uns, dass wir alle Sünder sind. Wir wollen alle die Gnade Gottes, wieso müssen wir also die Sünden kategorisieren? Ich bin doch nicht der Wächter des Königreich Gottes.

Sie beide sind ja in eine Heilsarmee-Familie hineingeboren worden. Gab es je einen Moment, an dem sie die Kirche in Frage gestellt haben?

André Cox: Oh ja, den gab es. Als ich ein Teenager war, wollte ich mein eigenes Ding machen und habe meine Eltern damit ziemlich überfahren. Als Teenager dachte ich, Schuld an den grauen Haaren meines Vaters zu sein (lacht). Ich wollte ein internationaler Einkäufer sein und durch die Welt reisen. Das mache ich jetzt, nur nicht als Einkäufer.
Silvia Cox: Bei mir eher nicht, ich war als Teenager eher in mich gekehrt.
André Cox: Sie war die Gute, ich der Böse.

Was hat Ihre Meinung geändert?

André Cox: Ich wollte mit einem Freund in Genf den neusten Bond-Film sehen. Und bevor ich ins Kino ging, hatte ich diese Vision: Ich sah mich in der Uniform der Heilsarmee, wie ich das Evangelium in Afrika predigte. Ich wusste sofort, dass Gott mich zum Heilsarmee-Offizier berief und dass ich eines Tages nach Afrika zurückkehren würde. Beides ist passiert. Ein James-Bond-Film kann also das Leben auf spektakuläre Weise verändern.

Wird man automatisch Mitglied der Heilsarmee, wenn man in eine solche Familie geboren wird?

Silvia Cox: Nein, überhaupt nicht. Wir sind freie Menschen. Unsere Geschwister zum Beispiel sind nicht in der Heilsarmee.
André Cox: Bei den Offiziersfamilien folgen etwa 50 Prozent der Kinder ihren Eltern. Meine Eltern hätten mich nie dazu gedrängt. Und unsere Töchter arbeiten zwar alle für die Heilsarmee, sie könnten aber auch für eine andere Firma arbeiten.

Wäre das schwierig für Sie, wenn eine Ihrer Töchter nicht in der Heilsarmee wäre?

Silvia Cox: Wir würden es respektieren, wären aber traurig darüber. Aber egal, was sie glauben oder tun, wie lieben sie, sie sind unsere Töchter.

Sie sind seit 38 Jahren verheiratet. Was ist das Rezept einer solch langen Ehe?

André Cox: Man sollte einfach nie aufhören, verliebt zu sein. Es hilft, gemeinsame Ziele und Werte zu haben.
Silvia Cox: André ist mein bester Freund. Wir verbringen viel Zeit zusammen und reden so viel wie möglich. Kommunikation ist der Schlüssel. Für uns ist es ein Privileg, dass wir zusammen arbeiten.

Wir sind zwei starke Charaktere und nicht immer einer Meinung. Wir streiten auch mal.

Andere würden das vielleicht nicht als Privileg sehen...

André Cox: (lacht)Zum Glück haben wir getrennte Büros! Meines ist übrigens viel ordentlicher als ihres.
Silvia Cox: Wir sind zwei starke Charaktere und sind nicht immer einer Meinung. Wir streiten auch mal.
André Cox: Und dann ist ja klar, wer gewinnt...
Silvia Cox(lacht): Der Humor ist natürlich auch auch unser Geheimnis.
André Cox: Wir können über uns selber lachen und sehen das Glas lieber halb voll als halb leer. Niemand weiss, was die Zukunft bringt, also geniessen wir lieber das Leben, solange wir es haben.

Sie sind viel gereist, wo würden Sie am liebsten leben?

Silvia Cox: In der Schweiz. Wir haben Finnland, Südafrika und jetzt London auch sehr genossen. Aber unser Zuhause ist die Schweiz.

Und hier in London, lässt es sich aushalten?

André Cox: Natürlich. Wir wohnen direkt am Fluss, nicht weit weg von der Tower Bridge. Wir können zu Fuss zur Arbeit gehen.
Silvia Cox: Ja, ich mag London. Ich bin eine Städterin. Aber hier meinen Ruhestand verbringen? Lieber nicht.

Gehen Sie auch manchmal aus?

André Cox: Nicht oft, aber ab und zu gehen wir ins Theater oder in ein Musical. Aber man muss sehen, dass wir fast sechs Monate pro Jahr reisen.

Wie wichtig ist eigentlich die Schweiz für die Heilsarmee?

André Cox: Aus finanzieller Sicht ist die Schweiz sicher in den Top Ten. Die Schweizer sind sehr grosszügig.
Silvia Cox: Die Schweiz hat nur acht Millionen Einwohner. Proportional gesehen würden wir die Abwesenheit der Schweiz schmerzlich spüren.
André Cox: Wir sind stolz auf unsere Schweizer Wurzeln.

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: Fiona Hanson