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12. Januar 2015

Verteufelt

Reto Vogt schreibt wöchentlich über die digitale Welt. Diesmal über die Wahrnehmung von Handynutzern in der Öffentlichkeit.

Handy macht genau so abhängig wie rauchen
Für Mathtias Horx machts keinen Unterschied, ob man in sein Handy starrt oder raucht (Bild: Keystone).

Handynutzer sind wie Raucher. Wer in der Öffentlichkeit an seinem Smartphone rumfingert wird bald genauso stigmatisiert wie jemand, der an einer Zigarette zieht.

Zukunftsforscher Matthias Horx
Zukunftsforscher Matthias Horx (Bild: zVg/Horx.com).

Das behauptet zumindest der Zukunftsforscher und Soziologe Matthias Horx. Er beobachte eine «Kultur der Störung», die uns Menschen ablenke, nervös mache und asozial werden lasse.

«In wenigen Jahren wird man als ungebildet und charakterschwach gelten, wenn man auf sein Smartphone starrt.»

Seine Prophezeiung begründet der 59-Jährige damit, dass immer mehr Menschen von Klingeltönen oder lauten Telefonaten genervt seien. Das ist sicherlich korrekt, hat aber nichts mit der Verbreitung von Smartphones zu tun.

Erstens sind gefühlt über 90 Prozent der Geräte im öffentlichen Raum stummgeschaltet und zweitens kann auch ein Gespräch zwischen zwei Menschen zu laut geführt werden – ohne Telefon.

Genauso absurd ist Horx’ Behauptung, Smartphonenutzer würden als ungebildet gelten. Nur weil künftig niemand mehr mit der gedruckten «NZZ» unter dem Arm in den Zug einsteigt, heisst das nicht, dass Pendler auf ihren Smartphones nur Katzenbilder und Brüste anschauen. Smartphones sind nicht des Teufels und machen uns schon gar nicht zu asozialen Wesen.

Im Gegenteil: Noch nie waren junge Menschen so gut über das Tagesgeschehen informiert, und noch nie haben Menschen so viel miteinander kommuniziert.

Zugegeben, die Art des Austauschs verändert sich. Aber zum Guten, lieber Herr Horx.

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Autor: Reto Vogt