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03. März 2014

Verschollen

Wie viele Schweizer jedes Jahr verschwinden, und wie Eltern nach ihren vermissten Kindern suchen. Wichtige Fakten.

Ein Hubschrauber auf der Suche nach einem vermissten Menschen
Ein Hubschrauber auf der Suche nach einem vermissten Menschen (Bild: Keystone).

- Es gibt hierzulande kein zentrales Meldesystem, wo Angehörige nach ihren verschwundenen Liebsten fahnden können. Nachdem die ersten 24 Stunden ohne Lebenszeichen verstrichen sind, wenden sich die meisten an die zuständige Kantonspolizei . Gerade bei dringenden Fällen wie minderjährigen, gebrechlichen, kranken oder selbstmordgefährdeten Menschen ist das der beste Weg.

- Bei Nachforschungen nach länger verschwundenen oder aus den Augen verlorenen Menschen hilft das Bundesamt für Polizei (Fedpol). Mittels Recherchen bei Behörden im In- Ausland versucht das Fedpol den Kontakt zwischen den Parteien herzustellen. Im Jahr 2012 tauchten so zwei Drittel von 196 gesuchten Menschen wieder auf.

- Nebst den offiziellen Anlaufstellen von Bund und Kantonen gibt's zahlreiche gemeinnützige Organisationen, die zu helfen versuchen. Zum Beispiel Missingchildren.ch , die Betroffene im Umgang mit Polizei, Behörden etc. berät. Zudem hilft die Organisation, Eltern auf die Rückkehr verschwundener Kinder vorzubereiten.

- Wie viele Menschen in der Schweiz jährlich verschwinden, ist aufgrund der zahlreichen Meldestellen unklar. Die im Jahr 2007 gegründete und mittlerweile nicht mehr aktive Stiftung SwissMissing zählte rund 5000 Fälle pro Jahr, davon rund 100 Entführungen und Verschleppungen. Insgesamt kehren 80 Prozent der Vermissten innert der ersten 24 bis 48 Stunden von selbst zurück.

- Die Suche nach einem Menschen kann sich aber über Jahre erstrecken. Auf vielen Websites verschiedener Kantonspolizeien sind Vermisste gelistet, die seit über 30 Jahren gesucht werden. Laut Missingchildren.ch verlieren Eltern die Hoffnung auch nach einer so langen Zeit nie. Oft sei es eher das Umfeld, das aufs «Abschliessen» drängt.

- Trotzdem löst der Kontrollverlust über die Situation bei vielen Eltern Schuldgefühle aus. Sie sind hin und hergerissen zwischen der Angst, dass das Kind tot sein könnte, und der Hoffnung, dass es wieder auftaucht. Die österreichische Psychotherapeutin Barbara Preitler hat ein Phasenmodell entwickelt, das den Prozess beschreibt, den viele Familien in solchen Fällen durchmachen. Im Interview spricht sie darüber.

- Die positiven Fälle sind für die Familien eine Erlösung. Es bleiben aber auch viele Schicksale trotz nie endenden Suchaktionen ungeklärt. Zum Beispiel sind Fahndungen nach 155 Menschen im Kanton Bern und 104 im Kanton Zürich erfolglos geblieben. Das Gesetz besagt, dass fünf Jahre nach dem letzten Lebenszeichen am Wohnsitz der Person ein Verschollenheitsantrag eingereicht werden kann.

Autor: Reto Vogt