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10. November 2014

Sammler besitzt über 400 Chlämmerli

Wäscheklammern lösen bei bestimmten Menschen grosse Sammelwut aus. Karl Vogel aus Neuenegg besitzt welche aus dem 19. Jahrhundert, aus Kristall oder von gerade mal 15 Millimetern Grösse. Dazu das Porträt eines weiteren Sammlers («Bügeleisen-Sammler aus Leidenschaft»).

Wäscheklammer
Die hierzulande klassische Wäscheklammer aus Holz. (Bild: Keystone)

Wäscheklammern werden seit dem frühen 19. Jahrhundert benutzt. Die frühen Modelle bestanden aus einem einzigen Stück Holz mit einem mittigen Schlitz. Auf die Leine gesteckt, klemmte es den Stoff zwischen seinen Schenkeln fest. Das erste amerikanische Patent wurde 1832 angemeldet – wie die Klammer aussah, weiss man nicht, der Eintrag ist vier Jahre später bei einem Brand verschwunden.

Mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zahllose Wäscheklammern entwickelt und patentiert. Die erste Wäscheklammer aus zwei Holzstücken liess David M. Smith 1853 in Springfield (Vermont, USA) patentieren. 1887 entstand die Wäscheklammer, wie wir sie heute noch kennen: Der Erfinder Solon E. Moore aus Swanton in Vermont verband zwei Holzstücke mit einer Schenkelfeder.

In den 1970er-Jahren wurden die Holzklammern von den billigeren Produkten aus Plastik abgelöst. Mit der Ökobewegung in den 1980er-Jahren kam das Birkenholz wieder zurück.

Klammern werden auch im Gitarren- und im Geigenbau benutzt, um die geleimten Holzteile zusammenzuklemmen. Miniklammern oder «Partyklammern» sind um die 25 Millimeter klein und werden hauptsächlich als Dekoration benutzt.

Die grösste Wäscheklammer steht seit 1976 in Philadelphia: Sie ist 15 Meter hoch und eine Skulptur des Künstlers Claes Oldenburg.

Ein höchst amüsantes Werk hat der türkische Künstler Mehmet Ali Uysal 2011 geschaffen. Er bildete eine sechs Meter hohe Wäscheklammer-Skulptur im Chaudfontaine-Park in Liège (Belgien). Diese scheint einen kleinen Rasenhügel zusammenzuklemmen.

Karl Vogel, Sammler von Wäscheklammern

Karl Vogel, 63, war frischgebackener Storenmonteur, als er 1979 anfing, Wäscheklammern zu sammeln. Immer wieder auf Balkonen tätig, wo er oft Wäsche ab- und umhängen musste, um überhaupt arbeiten zu können, fielen ihm die unterschiedlichsten Varianten von Wäscheklammern auf. «Kann ich eine mitnehmen?», hat er von da an immer wieder gefragt. Die Formen, Farben und Materialien des Gebrauchsgegenstands faszinierten ihn, und er fing an, sie auch auf Flohmärkten, Basars, Brocantes und Weihnachtsmärkten zusammenzusuchen. Immer wieder kommt es vor, dass er sich für die Klammern interessiert, mit denen die Kleider zum Verkaufen aufgehängt sind. Was nicht selten für Verwirrung auf Seiten der Verkäufer sorgt.

Heute besitzt er eine Sammlung von 400 Klammern, in allen Farben und Formen ¬¬– aus Holz, Plastik, Metall, Glas. Die grösste ist 20 Zentimeter, die kleinste 15 Millimeter gross.

Das älteste Stück ist um die 120 Jahre alt, das teuerste ist eines aus Kristallglas von Swarovski im Wert von etwa 100 Franken.

Einen Grossteil seiner Sammlung hat er in seinem Haus in Neuenegg ausgestellt, wo er mit seiner Frau wohnt. Neue Exemplare zu finden, wird stets schwieriger. Und er hat noch einen Traum – einmal auf eine Wäscheklammer von 1853 zu stossen, damals wurde die erste Wäscheklammer, die aus zwei Stücken Holz gefertigt war und mit einer Metallfeder zusammengehalten wurde, patentiert.

Und die Klammer der Zukunft sieht so aus!

Autor: Claudia Langenegger