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27. März 2017

«Vergessen Sie nicht …!»

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Höchste Zeit, wieder mal mit Ben essen zu gehen …
Rasch online einen Tisch reserviert in einem Restaurant, nennen wir es «Helvetia». Wie praktisch, dass man das jetzt im Web tun kann! Die Reservation wird auch gleich per Mail rückbestätigt. Und die Beiz, wird sich zeigen, war eine gute Wahl.

Bänz Friedli
Bänz Friedli mag nicht bewerten.

Aber dann! Werde ich im 24-Stunden-Takt gebeten, ich möchte doch auf einer Bewertungs-Website kurz meine Eindrücke schildern und einen bis fünf Sterne vergeben. Zudem soll ich angeben, ob ich mit meiner Frau, einem Freund oder einem Geschäftspartner essen war, ob mit oder ohne Kinder und/oder Hund, und, und, und …
Nein! Mach ich nicht. Ich beachte auch selber nie solche Bewertungs-Portale, weil ich anonymem Lob genauso misstraue wie anonymer Kritik.

Dreimal klicke ich die Aufforderung, das «Helvetia» zu bewerten, weg. Beim vierten Mal werde ich säuerlich, beim fünften Nachhaken drücke ich die Delete-Taste schon ziemlich rabiat. Was das liebe Restaurant «Helvetia» nicht bedenkt: dass ich online in den letzten Wochen ein Ferienhaus reserviert, einen Flug gebucht, fünf Taxis gerufen, vier Restaurants und zwei Hotels reserviert, drei CDs, ein Computerkabel, zwei Bücher und einen Blumenstrauss bestellt habe. Und wenn ich danach stets mein«geschätztes Feedback» abgeben soll, kann ich mich ins Telefonverzeichnis gleich mit dem Beruf «Feedbacker» eintragen lassen, weil: Das wäre dann ein Fulltimejob.

Zugegeben, einmal hab ich solch ein Onlineformular ausgefüllt: nach einem Hotelbesuch in Brüssel. Der Service dort war aber auch wirklich lausig. Dabei hatte es im Internet so schön ausgesehen! Aber dann sagte die Person am Empfang schroff, wir seien zu früh. Ob wir denn, ähm …, vielleicht unser Gepäck einstellen und schon mal die Formalitäten des Check-ins machen könnten? «Pas possible», meinte die junge Frau und liess nicht mal ein «désolée» folgen.
Die erste Nacht. Endlich Ferien! Nur: Um 05.45 Uhr schrillt das Telefon. Wir schreckten auf. Doch es war nur ein falsch programmierter Radiowecker. Meldung an die Réception, wieder kein «désolée», bloss: «Ja, wir wissen es, das System spukt, ein Computerfehler.» Ich, leise entnervt: «Dann tun Sie was!» Die nächste Nacht … Sie ahnen es: Wieder der Telefonwecker, eine halbe Stunde früher.
Eben: Da hab ich dann online eine Bewertung abgegeben, keine gute. Das war vor einigen Jahren.

Gestern die freundliche Mail von besagtem Hotel aus Brüssel: «Es freut uns, dass Ihnen Ihr Aufenthalt bei uns so gut gefallen hat. Wann dürfen wir Sie wieder begrüssen?»


Bänz Friedli live: 5./6. April Casinotheater Winterthur


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Website: www.baenzfriedli.ch

Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli