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20. Oktober 2014

Venedig jenseits des Markusplatzes

Die Reisetipps von Journalistin und Venedigfan Ruth Brüderlin für einen Lagunen-Aufenthalt zwischen Sightseeing, Übernachtung an guter Lage, lohnenden Restaurants und nützlichen Touristeninfos.

Campo Santo Stefano
Ideal für den Apéro oder Absacker und günstiger als auf der Piazza San Marco: Campo Santo Stefano. (Bild Fotolia)

FLUG
Die Swiss fliegt ab 160 Franken pro Weg drei Mal täglich von Zürich nach Venedig Marco Polo.
www.swiss.ch

Von dort geht es am bequemsten mit den Linien des «Wasserbus» Alilaguna für 15 Euro in einer einstündigen Fahrt über die Lagune direkt ins Stadtzentrum. Variante: Für ein paar Euro mit den orangen Dieselbussen von ACTV oder ATVO via Mestre zur Piazzale Roma und von dort weiter mit dem Vaporetto, dem lokalen Wasserbus. Eine Taxifahrt vom Flughafen Marco Polo bis zur Piazzale Roma kostet um 50 Euro.

BAHN
Leider gibt es keine direkten Nachtzüge mehr von Basel und Zürich nach Venedig Santa Lucia. Schuld sind die Italiener, die vor einigen Jahren diese Verbindung kappten.
Eine Zugfahrt ab Zürich dauert etwa sieben Stunden, mit Umsteigen in Mailand. Allerdings entschädigt der splendide Blick auf die Lagune bei der Fahrt vom Festland über den Damm.

UNTERKUNFT

In Venedig gibt es 12'000 Hotelbetten in allen Preiskategorien.

Etwas in die Jahre gekommen, aber charmant und günstig: das Hotel La Fenice et des Artistes

Unschlagbar günstig: Hotel Marte gleich beim Bahnhof. Ponte delle Guglie. www.hotelmarteebiasin.com
Ein Bett im Viererzimmer mit Dusche auf dem Gang gibt es bereits für 22 Euro. Eine kleine alte Dame betreibt dieses Hotel schon seit Jahrzehnten. Sie ist sehr nett, zuvorkommend und unkompliziert.

Private und professionelle Anbieter offerieren tolle Wohnungen und Gästezimmer auf der Vermittlungsseite Air B&B. Etliche Venezianer verdienen sich auf diesem Weg einen Zustupf an die horrenden Mieten: www.airbnb.com RESTAURANTS

Al Chioschetto, Dorsoduro: Kleiner Imbiss mit günstigen und guten Sandwiches sowie spektakulärem Blick über den Giudecca-Kanal.
Zattere, 100 Meter von der gleichnamigen Vaporettostation und dem Schweizer Konsulat entfernt, auf dem Pier vor der Hausnummer 1605. Abends oft Livemusik.

Ristorante/Pizzeria Mistra, Giudecca: In der Calle Michelangelo, bei der Vaporettostation Zitelle.
Abseits vom Touristenchaos, günstig und mit herrlichem Garten.

Ostaria dai Zemei
Die Ostaria dai Zemei (Bild zVg)

Bar/Ostaria Dai Zemei, San Polo (Bild rechts): Rio Terra San Silvestro. Himmlische kleinen Häppchen, die passen als Züni, Zivieri, Apero – und grundsätzlich immer zu einem Glas Weisswein.
( Fotos auf Tripadvisor )

Ristorante/Pizzeria San Giorgio, Castello: Direkt an der Riva degli Schiavoni bei der Vaporettostation Arsenale. Nur durch eine Brücke vom Touri-Hotspot getrennt – und darum sehr viel günstiger. Aber mit dem gleichen spektakulären Blick auf San Marco und über die Lagune.
www.ristorante-sangiorgio.it

Corte Sconta, Castello: Das berühmteste Fischrestaurant der Stadt. Gehobene Gastronomie, die ihren Preis absolut wert ist. Früh hingehen oder reservieren.
Mail für die Reservation
Auf www.veneziaristoranti.it

DON'TFahrräder sind in Venedig übrigens nicht nur absolut sinnlos (viele Brücken mit vielen Stufen), sondern verboten, die Bussen sind empfindlich.

Kinderwagen und Rollstühle sind erlaubt, scheitern aber ebenfalls an den unendlich vielen Treppen. Rampen fehlen meistens, Lifte sind, so überhaupt vorhanden, gern grad ausser Betrieb.

Gleiches gilt für Rollkoffer. Darum nur das abolut Nötigste einpacken.
Wichtig: flache, bequeme Schuhe. Selbst ältere Menschen legen täglich grosse Strecken zu Fuss zurück. Hausfrauen erkennt man an den Einkaufswagen mit grossen Gummirädern, die auch Stufen überwinden.

GUT ZU WISSEN
- Wassertaxis kosten ein Vermögen und richten wegen des Wellenschlags massive Schäden an den Uferverbauungen an.
- Das Vaporetto Nr. 1 ist immer voll. Die Nummer 2 fährt die gleiche Strecke, ist schneller und hält an den wichtigsten Stationen.
- Mit Gondoliere sollte man – wie übrigens mit allen Dienstleistern – nicht über den Preis verhandeln. Selbst wenn er es billiger macht (die Chance ist gering), so spart er entweder an der Route, an interessanten Informationen oder an der Freundlichkeit.
- Gestreifte T-Shirts sind zwar grad grausam en vogue, aber auch die offizielle Uniform der Gondoliere, was zu peinlichen Verwechslungen führen kann.
- Touristenmenüs sind günstig und meist absolut okay.
- Venedig in den Sommermonaten grundsätzlich meiden.
- Geldwechselstuben sind legale Abzockstationen, die Gebühren horrend. Bancomaten gibt es an jeder Ecke, einen Postomaten beim Markusplatz links vom Museo Correr.

PLÄTZEPiazza San Marco ist der grösste offene Platz Europas und zweifellos einer der schönsten. Es stimmt, dass die Restaurants hier sehr teuer sind und im Café Florian eine Coca-Cola 9 Euro kostet. Dafür spielt ein Liveorchester, die Atmosphäre ist phänomenal, und schliesslich sind Ferien dazu da, mal etwas total Unvernünftiges zu machen.

Campo Santa Margherita: Tagsüber Markt, Cafés und Restaurants, abends Treffpunkt trinkfreudiger Jugendlicher.

Campo Santo Stefano: Idealer Ort für Apéro und Absacker.

Autor: Ruth Brüderlin