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13. Februar 2017

«Vendée Globe 2016»: Alan Roura am Ziel

Vor gut 105 Tagen ist Alan Roura zur Weltumsegelung gestartet. Der jüngste Teilnehmer (23) beendete die «Vendée Globe», den härtesten Segelwettbewerb der Welt, am Morgen des 20. Februars. Kurz vor Zielankunft schilderte uns der Genfer im Interview, wie es ihm bisher an Bord ergangen sei und worauf er sich am meisten freue, wenn er wieder an Land sei.

Alan Roura an Bord seines Segelschiffs.
Alan Roura an Bord seines Segelschiffs.

45'000 Kilometer legen die Teilnehmer der Vendée Globe zurück. Start und Ziel ist an der französischen Atlantikküste – dazwischen liegen unter anderem das Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Hoorn. Der Genfer Alan Roura ist der jüngste Teilnehmer überhaupt – er ist mit minimalem Budget und einem alten Secondhandboot gestartet – und um 9 Uhr 12 des 20. Februars 2017 am Ziel in Sables d'Olonne (FR) angekommen.

Was bedeutet es für Sie, der jüngste Teilnehmer aller Zeiten zu sein?

Ich habe mich nicht für die «Vendée Globe» angemeldet, um der jüngste Teilnehmer zu sein. Das Alter an sich ist auch nicht wichtig. Entscheidend ist, bereit dafür zu sein – und etwas verrückt. Aber es ist wahrscheinlich schon so, dass nicht jeder 23-Jährige die Welt umsegeln kann.

Man muss schon etwas verrückt sein, um eine Weltumsegelung zu machen.

Was war für Sie der schönste Moment der vergangenen 100 Tage?

Kap Hoorn. Es ist wahrscheinlich wie der Everest-Gipfel für Bergsteiger. Es ist wunderschön, man erreicht es nach enorm langer Zeit auf See. Und jeder Teilnehmer der «Vendée» weiss, dass es nicht viele Segler bis dorthin schaffen ... Ich werde es lange Zeit in guter Erinnerung behalten.

Was ist härter: das Rennen selbst oder die lange Zeit ohne Freundin und Familie?

Eine schwierige Frage. Das Rennen ist zwar wirklich hart, insbesondere bei schlechtem Wetter. Trotzdem ist es für mich noch schwieriger, so lange allein zu sein, ohne meine Freundin und meine Familie. Und nicht zu wissen, was an Land passiert, während ich auf dem Schiff bin, macht die Situation natürlich auch nicht wirklich besser.

Was vermissten Sie am meisten von zu Hause – ausser Ihren Liebsten?

Es sind die simplen Dinge: eine Nacht in einem richtigen Bett, gemütlich einen Kaffee trinken, einen Strandspaziergang machen, Mittagessen in einem guten Restaurant, Freunde treffen, und – es tönt vielleicht doof – aber Autofahren vermisse ich auch.

Was wird das Erste sein, was Sie tun, wenn Sie wieder festen Boden unter den Füssen haben?

Wahrscheinlich werde ich weinen – vor Glück. Und danach ein grosses Stück Fleisch essen und ein Glas Rotwein geniessen – ich freue mich sehr darauf.

Möchten Sie mit einem wettbewerbsfähigeren Boot erneut an der «Vendée Globe» teilnehmen?

Ich werde sicherlich nicht aufhören, Rennen zu fahren. So wie ich mich kenne, haben Sie recht: Ich werde mich wohl bereits kurz nach meiner Ankunft auf Sponsorensuche machen, um mit einem besseren Boot an der «Vendée Globe 2020» teilzunehmen.

Während den 100 Tagen auf hoher See vermisste ich Strandspaziergänge, Autofahren und meine Freundin.

Welches sind die kurzfristigen Ziele?

Die «Route du Rhum 2018» , ein Rennen bei Guadeloupe. Und vorher vielleicht die «Transat Jacque Vabre» mit einem erfahrenen Skipper zusammen. Aber zuerst möchte ich Zeit mit Familie und Freunden verbringen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Autor: Reto Vogt

Fotograf: Christophe Breschi