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01. Februar 2016

Vatertag

Papi kann im Fall Multitasking
Auch der Papi kann im Fall Multitasking! Wobei: die Meinungen gehen auseinander ... (Bild: iStockPhoto)

Vortag um 16h00: Frau Leinenbach erzählt
Ich sehe, dass die Migros Hackbraten in Aktion hat. Perfekt! Den kann Herr Leinenbach morgen zum Zmittag machen. Ich kaufe noch Salat, Milch und Brot, damit er alles Wichtige daheim hat. Zurück aus dem Supermarkt, bringe ich unsere Bude auf Vordermann. Noch schnell drei Ladungen Wäsche waschen und tumblern. So, das wäre auch erledigt. Am Ende meiner «Mami-ist-morgen-den-ganzen-Tag-weg»-Vorbereitungen baue ich noch Wäsche-stapel auf dem Wohnzimmerteppich. Unterleibchen Grösse 116 links, Pullis Grösse 128 rechts, Papi-Jeans hinten, kleine Leggins vorne und so weiter. Soll ich die zusammengelegten Sachen noch versorgen? Och, nein, der Ehegatte versteht bestimmt den stummen Appell. – Ja, ich weiss, aber a Girl Can Dream …

Morgens um 7h15: Herr Leinenbach erzählt
Bin ich froh, dass sie endlich aus dem Haus ist. Die hat sich dermassen aufgeplustert, so als würde der Betrieb ohne sie zusammenbrechen. Ums Haar hätte sie mir noch einen To-Do-Zettel geschrieben. Dabei weiss ich sehr wohl, wie hier der Laden läuft. Mannohmann, ich fasse es nicht! Der Kühlschrank quillt über. Glaubt die, ich wüsste nicht, wie man Lebensmittel einkauft? Egal. Wir machen heute einen Papi-Tag. Bis Ida und Eva aus der Schule und dem Chindsgi heimkommen, kann ich noch ein bisschen im Home Office arbeiten. Ich habe zwar offiziell freigenommen, aber die E-Mails beantworten sich nicht von selbst. Um zirka 11 Uhr muss ich dann diesen Hackbraten, von dem meine Frau minutenlang erzählt hat, in den Ofen schieben. Obwohl ich den Kindern lieber Omeletten gemacht hätte. Aber wenn Frau Leinenbach Hackbraten kauft, dann will Frau Leinenbach, dass der Hackbraten gegessen wird.

Abends um 19h30: Frau Leinenbach kommt zurück
Als ich die Wohnungstür öffne, traue ich meinen Augen nicht. Im Flur kein Durchkommen; Spielsachen, Winterjacken, Kappen und Handschuhe liegen auf dem Boden herum. Jeder Schritt führt mich näher an das Epizentrum der Katastrophe. Die Küche: ein Schlachtfeld. Der Esstisch: voller Geschirr, Buntstifte und Legosteinchen. Astrid Lindgren liegt neben Asterix auf dem Boden. Und die Wäschestapel (hallo, schön, euch wiederzusehen!) sind fast alle umgefallen.
Bitte kneift mich mal! Kann es sein, dass eine Rotte Wildschweine durch unsere Wohnung gezogen ist? Mitten in dem Saustall sitzen meine Drei und grinsen mich an. Der Papi-Tag sei total schön gewesen, sagen sie. Und dann tippeln Ida und Eva in ihre Zimmer, und der Papi greift nach dem Tablet und schlurft Richtung WC ...

Kurz danach: wieder Herr Leinenbach
Meine Frau rauscht gerade wie eine Furie durch die Wohnung und klaubt Sachen vom Boden auf. Hallo? Wir sind auch froh, dich wiederzusehen, Mami. Statt ihren Mantel abzuziehen und mit mir ein Glas Wein zu trinken, reisst sie die Abwaschmaschine auf und beginnt hektisch, Geschirr auszuräumen. Jeder Handgriff eine stumme Anklage: Obwohl ich (!) den ganzen Tag weg war, hast du (!) es noch nicht einmal geschafft, die Wäschestapel zu versorgen.
Okay, jetzt haben wir es alle kapiert. Madame hatte einen stressigen Tag. Ihr grösstes Problem ist dieser doofe Hackbraten, der nicht im Kühlschrank steht. Ja, genau, das Mittagessen, das sie (!) besorgt hat, damit wir in ihrer Abwesenheit nicht verhungern. Ich lasse sie jetzt einfach wüten und verabschiede mich aufs WC. Und ich bleibe dabei: Wir hatten einen mega lässigen Papi-Tag.

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Autor: Bettina Leinenbach