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14. September 2015

Uufzgi

Hausaufgaben!
Schon wieder Hausaufgaben! ... sagt sich die Mutter. (Bild: Keystone)

Seit Ida ein Schulkind ist, stehe ich ganz schön unter Druck. Quakt sie im Unterricht zu oft rein, fällt das direkt auf mich zurück (kein Wunder, bei der Mutter; die redet ja auch ohne Punkt und Komma …). Schreibt Ida Ziffern spiegelverkehrt, muss das ebenfalls an meiner Erziehung liegen.
Und vor allem: Liefert sie unfertige und/oder unschöne und/oder falsche Uufzgi ab, dann kann das nur bedeuten, dass das Mami a) die Aufgaben nicht kontrolliert hat (böses, desinteressiertes Mami!) oder b) selbst keinen Schimmer vom korrekten Lösungsweg hat.

Mann, verglichen mit diesem schulischen Performancestress war die Chindsgizeit ein Spaziergang. Natürlich bemühte ich mich auch dort, die Kindergärtnerinnen stetig zu beeindrucken. Zum Beispiel mit Käsescheiben-Origami in der Znünibox. Oder mit einer extrem warmen Kappe auf dem Kopf meines Kindes (auch an warmen Tagen). Kleinere Dinge halt. Da stand aber auch nicht gleich die komplette Bildungszukunft auf dem Spiel, wenn Ida mal wieder über den Rand einer Ausmalvorlage kritzelte.

Aber jetzt, jetzt ist alles anders. Der Ärger begann bereits am ersten Schultag. Morgens lief noch alles glatt. Das Kind sah herzig aus und benahm sich gut. Die Mutter strahlte, da die Lehrerin strahlte.
Nachmittags fragte ich Ida nach möglichen Hausaufgaben. Sie zuckte mit den Schultern. «Och, Mami, die mache ich lieber übermorgen …»
Hören Sie, verdammt nochmals, auf zu lachen. Das ist nicht lustig. Irgendwann entschied sich das Kind (der Mutter zuliebe) dann doch für die Hausaufgaben. Ida griff zu ihrem schwärzesten, dicksten Faserstift und versaute «beim Lösen» binnen weniger Sekunden das Uufzgi-Blatt. Tschüss, Matura!

Aber nein, so leicht geben wir uns nicht geschlagen. Ich griff also am ersten Schultag nach dem ersten je ausgeteilten Zettel, pinselte mit der Energie eines Dokumentenfälschers Tipp-Ex auf die Sauerei, warf den Drucker an – und zog eine Kopie der Fälschung. Dann reichte ich Ida das frisierte Blatt.
Tja, so landete also meine erste Mami-Hausaufgabe bei der netten Lehrerin. Ich habe das Gefühl, die Pädagogin hats gemerkt. Aber sie hat nichts gesagt.
Wahrscheinlich kennt sie das schon. Aus einer Vorlesung an der Pädagogischen Hochschule. Titel der Veranstaltung: «Warum übermotivierte Eltern manchmal total nerven können».

Autor: Bettina Leinenbach