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11. März 2013

Unten grau, oben blau: Wer vom Winter profitierte, wer litt

Sicht vom Pilatus über das Nebelmeer.
Sicht vom Pilatus über das Nebelmeer. Hinten rechts ist die Rigi zu erkennen. (Bild: Keystone/Allessandro Della Bella)

Der diesjährige Winter war der trübste seit 30 Jahren. Laut MeteoSchweiz blieben die sonnigen Wintersporttage mit milden Temperaturen rar. Oberhalb von 1000 Metern war es bis zu 2,5 Grad kälter als in der Norm. Den Rekord erlebte das Jungfraujoch mit dem kältesten Winter seit 1969.

Wer profitierte:

Seilbahnen im Hoch: Bereits Ende Januar verzeichneten die Seilbahnen Schweiz 15,6% mehr Gäste als in der Vorjahresperiode. Auch die Kassen klingelten: Der Umsatz lag um 6,8% im Plus.

Viele Gäste auf dem Pilatus: Obwohl der Pilatus laut Meteorologen den trübsten Winter seit rund 20 Jahren erlebte, erfreute sich das Ausflugsziel über eine stattliche Zunahme an Gästen: Von fast 95’000 Gästen letzten Winter steigerte sich der Pilatus dank idealer Schneeverhältnisse auf fast 110’000 Besucher.

Beste Pistenverhältnisse locken viele Wintersportler auf die Pisten, zum Beispiel in Meiringen-Hasliberg. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)
Beste Pistenverhältnisse locken viele Wintersportler auf die Pisten, zum Beispiel in Meiringen-Hasliberg. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Endlich Schnee im Toggenburg Die normalerweise wenig schneesichere Region Toggenburg bot heuer beste Pistenverhältnisse. Einzig an schönen Wochenenden mangelte es, so bewegten sich die Gästezahlen im normalen Bereich.

Volle Betten dank der Feiertage:Die Schweizer Hotellerie verzeichnete bereits im Dezember einen Anstieg von 5,3% an Logiernächten. Der Grund: Die Weihnachtsfeiertage lagen 2012 günstig. Zudem waren bereits im Dezember die Schneeverhältnisse hervorragend. «Wir hoffen, dass die Anzahl Logiernächte im Winter 2012/2013 gleich oder sogar leicht besser als letztes Jahr ausfällt», so Schweiz Tourismus.

Sonnenstube Tessin: Die meisten Winter-Sonnenstunden registrierte die MeteoSchweiz-Messstation Cimetta (1661 m ü.M.) oberhalb von Locarno: 442 Stunden.

Weniger Unfälle wegen Glatteis und Co.: Die Patrouilleure des TCS kamen dieses Jahr gut davon: Sie haben letzten Winter 146’000 Einsätze geleistet, diesen Winter 14’000 weniger. Grund: Letztes Jahr war die Schweiz im Februar von einer intensiven Kältewelle betroffen.

Wellnessanlagen waren gefragt: Thermalbäder und Spas erfreuen sich im Winter grosser Beliebtheit. Ulrich Leistner, Marketingleiter in Bad Schinznach, bestätigt dies: «Für uns ist der Winter eine sehr wichtige Saison. Die Leute geniessen es bei kalten Temperaturen, in unserem 35 Grad warmen Schwefelwasser zu baden.»

Gefüllte Kinosäle: Die Schweizer Kinos verzeichneten diesen Winter rund 3,5 Millionen Eintritte. Der Kassenschlager: «Skyfall». Der neuste Bond-Streifen lockte allein am Startwochenende 408’000 Zuschauer in die Kinosäle.

Wer litt:

Rekordkälte: Im Kanton Neuenburg wurden am 10. Februar 2013 sibirische Temperaturen gemessen: Das Thermometer sank in La Brévine auf bitterkalte minus 31,4 Grad.

Sonne machte sich rar: In vielen Gebieten der Schweiz wurde diesen Winter weniger als 80% der normalen Besonnung erreicht. Zürich verzeichnete heuer gerade mal 133 Sonnenstunden, während es im Vorwinter 190 waren.

Die einen litten, die anderen profitierten: Ausflügler geniessen den Blick auf den Pilatus von der Rigi aus. (Bild: Keystone/Hansueli Bloechliger)
Die einen litten, die anderen profitierten: Ausflügler geniessen den Blick auf den Pilatus von der Rigi aus. (Bild: Keystone/Hansueli Bloechliger)

Trübe Stimmung bei den Schweizern: Die grauen Tage schlugen auf die Stimmung: Rund 250’000 Schweizer leiden an der saisonal-affektiven Störung (SAD), der Winterdepression. Schuld daran ist vor allem der Lichtmangel. Dieser sorgt dafür, dass es uns am Glückshormon Serotonin fehlt.

So viele Grippekranke wie 2009 nicht mehr: Auch von der Grippewelle blieb die Schweiz diesen Winter nicht verschont. Die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit zeigen: Der Höhepunkt der diesjährigen Grippeepidemie war Anfang Februar. Zu diesem Zeitpunkt wurden rund 470’000 wöchentliche Konsultationen wegen Influenza-Verdachts registriert. Eine ähnlich starke Grippewelle erreichte die Schweiz zuletzt 2008/2009.

Der Winterdienst im Dauerstress: Die Städte hatten mit dem Winterdienst alle Hände voll zu tun: So musste beispielsweise die Stadt Bern fast doppelt so oft zum Streuen ausrücken wie im letzten Jahr. Rund 1900 Tonnen Salz wurden dieses Jahr bisher in Bern eingesetzt, letzten Winter nur 778 Tonnen.

Obdachlose mussten frieren: Walter von Arburg, Sprecher der Sozialwerke Pfarrer Sieber: «Einmal mehr hatten wir einen Winter, der für die Obdachlosen sehr hart war. Insgesamt zählten wir in unseren Notschlafeinrichtungen von Mitte November bis Ende Februar 2557 Übernachtungen.» Das ist mehr als im Vorjahr.

Autor: Silja Kornacher