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12. August 2013

Unsere Welt von sehr weit oben

Nie sieht die Erde spektakulärer aus als aus dem Weltall betrachtet. Noch bis zum Februar 2014 zeigt die ETH Zürich eine Sonderausstellung mit Satellitenbildern — Aufnahmen von atemberaubender Schönheit.

Lenadelta Sibirien Satellitenbild
Dieses Infrarot-Satellitenbild zeigt das Lenadelta. So heisst das weitverzweigte Mündungsgebiet des fast 4300 Kilometer langen sibirischen Flusses Lena. (Quelle: Nasa)

Die Welt aus dem All zu betrachten, sei ein ganz besonderes Erlebnis, hört man von Astronauten immer wieder. Neuerdings ist so ein Ausflug ins All auch für Touristen möglich, allerdings können sich die Reise vorerst nur Millionäre leisten. Eine gute Meldung für alle anderen: In der Ausstellung «Die Erde im Visier» kann jeder einen Blick aus dem Weltall auf die Erde werfen. Neue Satellitenaufnahmen zeigen die Vielfalt und Farbenpracht unseres Planeten — es sind faszinierende Einblicke in das System Erde.

Die Aufnahmen werden wissenschaftlich genutzt

Die in Deutschland produzierte Wanderausstellung gastiert noch bis zum 23. Februar 2014 an der ETH Zürich. Focus Terra, das erdwissenschaftliche Forschungs- und Informationszentrum, zeigt Bilder aus den fünf Bereichen Satelliten und Sensoren, Wetter und Klima, Natur und Umwelt, Rohstoffe und Bodenschätze sowie Erdinneres und Aussenansichten. Die von Satelliten aufgenommenen Messdaten und Bilder werden von Forschungsinstituten und Firmen unter anderem für Wetterprognosen, zur Untersuchung von Meeresströmungen, bei der Suche nach Rohstoffen, beim Verfolgen klimatischer Veränderungen und für Frühwarnungen vor Naturgefahren eingesetzt.

Heute kreisen hochtechnisierte Minilabore in der Umlaufbahn unseres Planeten.

In der Ausstellung erhalten auch Laien einen Einblick in die neuesten Methoden und Erkenntnisse der Satellitenfernerkundung. Die Bilder werden ergänzt mit interaktiven Medien und kurzen, erklärenden Texten. Die virtuelle Reise auf der Umlaufbahn lohnt sich aber auch für all jene, die einfach die faszinierende Ästhetik des Planeten Erde auf sich wirken lassen möchten.

Focus Terra, ETH Zürich, Sonneggstrasse 5, Zürich Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9–17 Uhr, Sonntag von 10–16 Uhr Öffentliche Führungen sonntags um 12 Uhr, gefolgt von Aktivitäten für die ganze Familie bis 15 Uhr. Der Eintritt ist gratis. www.focusterra.ethz.ch

Landwirtschaft in den USA

Wie ein modernes Kunstwerk: Hier hat der Satellit Terra Ende Juni landwirtschaftliche Nutzflächen im US-amerikanischen Bundesstaat Kansas aufgenommen. Der unterschiedliche Bewuchs lässt sich dank der Kombination verschiedener Satellitensensoren klar erkennen. Wachsendes Saatgut ist saftig grün, Weizen golden, und die braunen Felder stammen von bereits geernteten Flächen. Die kreisrunden Flächen, mit Durchmessern von 800 und 1600 Metern, entstehen durch rotierende Bewässerungssysteme. Die Naturaufnahmen werden analysiert, um die Biosphäre zu schützen und den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen zu fördern. Quelle: Nasa/GSFC

Gesteinskunde in Chile

Beide Aufnahmen des Satelliten Terra zeigen die Kupfermine Escondida in der chilenischen Atacamawüste: links im Naturfarbenbild, rechts in einem sogenannten Falschfarbenbild des Infrarotbereichs. Die Bilder erlauben Aussagen über die Gesteinsvorkommen in der Region von Antofagasta. Der Europäische Satellit EnMap soll ab 2015 noch bessere Analysen ermöglichen. Der sonnensynchrone Satellit wird aus einer Höhe von 643 Kilometern elektromagnetische Strahlungen auflösen. Wissenschafter hoffen, durch diese Daten neue Erkenntnisse über geologische, biologische und klimarelevante Phänomene zu erhalten. Quelle: SIC

Die Wüste in Mauretanien

Guelb er Richat, deutsch auch Richat-Struktur, in der Saharawüste von Mauretanien ist vom Weltall aus gut als ein ringförmiges, kraterähnliches geologisches Gebilde erkennbar. Ursprünglich wurde es mit einem Durchmesser von rund 45 Kilometern als Meteoritenkrater interpretiert. Doch die Entstehung ist noch immer nicht restlos geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um die Überreste eines nie durch die Oberfläche gestossenen Vulkans, der über Jahrtausende hinweg durch Erosion freigelegt worden ist. Da die Struktur aus dem Weltall besonders auffällig zu sehen ist, wurde sie bei Shuttle-Missionen von Astronauten zur Orientierung benutzt. Quelle: USGS Eros Data Center

Ökosystem Lenadelta

Dieses Infrarot-Satellitenbild zeigt das Lenadelta. So heisst das weitverzweigte Mündungsgebiet des fast 4300 Kilometer langen sibirischen Flusses Lena. Das Delta befindet sich nördlich des nördlichen Polarkreises und gehört mit einer Fläche, die grösser ist als die Schweiz, zu den mächtigsten Flussdeltas der Erde — bestehend aus 6500 Kanälen, über 1500 Inseln und Inselchen und rund 30'000 Seen. Hier liegt das Naturschutzgebiet Ust-Lenski, wo zahlreiche seltene Wasservögel leben. Diverse Schwan-, Gänse-, Falken- und Adlerarten haben hier ihre Nistplätze. Die Aufnahmen dokumentieren Veränderungen des Ökosystems. Quelle: Nasa

Schwerefeldmodell unseres Planeten

Die Vermessung der Erde mit Satelliten zeigt: Sie ähnelt eher einer Kartoffel als einem Ball. Die «Potsdamer Kartoffel» zeigt 15'000-fach überhöht, welche Form die Erde aus Sicht eines Satelliten hat. Die Beulen und Dellen, die dem Modell das kartoffelartige Aussehen verleihen, werden durch Abweichungen der Schwerefelder hervorgerufen. Südlich von Indien bildet die Meeresoberfläche ein 110 Meter tiefes Tal, nördlich von Papua-Neuguinea einen 85 Meter hohen Hügel. Grundlage dieser Abbildung ist ein am Brandenburger Geo-Forschungszentrum Potsdam berechnetes Modell der Schwere.Quelle: GFZ

Sandstürme über dem Meer

Sandstürme tragen gewaltige Mengen Sand aus der Sahara Richtung Westen über den Atlantik. Ohne den Sand der Sahara gäbe es keinen Regenwald am Amazonas, ohne den Sand Arabiens keine Korallenriffe im Roten Meer. Das zeigen Aufnahmen von Wettersatelliten, die die Bewegung und die Zusammensetzung der Luftmassen genau im Blick haben. Tatsächlich ist beispielsweise der Mineralmix im Sand der Sahara ein kostbarer Dünger für die Pflanzen des Amazonasbeckens. Quelle: Quelle: Nasa/GSFC

Gefahren erkennen

Diese Aufnahme des Satelliten «Envisat» vom 19. April 2010 zeigt die Aschenwolke des Eyjafjallajökull-Vulkans von Island, wie sie über den Nordatlantik Richtung Europa transportiert wird. Die Wolke brachte im April 2010 den Flugverkehr in ganz Europa zeitweilig zum Erliegen. Das Ziel der Forscher ist deshalb, Frühwarnsysteme zu entwickeln, die Naturgewalten wie Vulkanausbrüche, Stürme, Erdbeben oder Tsunamis rechtzeitig erkennen. Quelle: ESA

Der Namib-Naukluft-Nationalpark

Diese Aufnahme des Satelliten «Landsat7» zeigt einen einzigartigen Bereich der Namib-Wüste: der Namib-Naukluft-Nationalpark in Namibia.
Starke, kontinuierliche Küstenwinde bilden hier, in Sossusvlei, die grössten Sanddünen der Welt mit Höhen von bis zu 300 Metern. Quelle: USGS/Nasa

Unterirdische Wasserspeicher

Aufnahmen wie diese Falschfarbendarstellung des Satelliten «Landsat7» helfen, Wasserressourcen in trockenen Wüstenregionen zu finden.
Der Fluss Ugab in Namibia führt an seiner Oberfläche nur an wenigen Tagen im Jahr Wasser. Unterirdische Wasserspeicher können aber das ganze Jahr über genutzt werden. Quelle: Nasa

Das komplexe Klimasystem verstehen

Der Satellit «Terra» zeigt uns Wolkenwirbel zwischen Island und Schottland. In der unteren rechten Ecke ist die Nordwestküste Schottlands zu erahnen.
Diese Daten helfen, das komplexe Klimasystem unseres Planeten zu verstehen, um in Zukunft den Lebensraum Erde verantwortungsbewusst nutzen zu können. Quelle: NOAA

Umweltsünder entlarven

Ölteppich im Golf von Mexiko am 17. Mai 2010: Mithilfe von Satellitenbildern sind Umweltsünder schnell ausgemacht.
Die Daten aus dem Weltall zeichnen Weg und Ausmass einer Katastrophe nach. Selbst Verursacher auf hoher See können so identifiziert und zur Verantwortung gezogen werden. Quelle: Nasa

Autor: Reto E. Wild