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10. Dezember 2012

«Unser Trinkwasser ist besser denn je»

Gesundheitsgefährdung aus dem Wasserhahn: Der «Kassensturz» berichtete kürzlich über Rückstände von Medikamenten, Pestiziden und anderen im Alltag verwendeten Chemikalien im Schweizer Trinkwasser. Umweltwissenschafter Paul Sicher gibt Entwarnung.

Paul Sicher (43) ist Umweltwissenschafter bei www.wasserqualitaet.ch, wo die Wasserversorger ihre aktuellen Berichte zur Wasserqualität veröffentlichen. (Bild: zVg.)
Paul Sicher (43) ist Umweltwissenschafter bei www.wasserqualitaet.ch, wo die Wasserversorger ihre aktuellen Berichte zur Wasserqualität veröffentlichen. (Bild: zVg.)

Paul Sicher (43) ist Umweltwissenschafter bei www.wasserqualitaet.ch, wo die Wasserversorger ihre aktuellen Berichte zur Wasserqualität veröffentlichen.

1. Paul Sicher, dass es gewisse Rückstände von Chemikalien im Trinkwasser gibt, ist schon länger bekannt. Sind es nun plötzlich markant mehr geworden?

Nein. Aber durch den Fortschritt in der analytischen Chemie werden die Messungen laufend präziser. Früher wussten wir vieles einfach nicht, aber heute kann man bereits kleinste Anteile von Spurenstoffen — also Rückstände von Medikamenten oder Pestiziden — im Wasser erkennen. Das Trinkwasser ist im Verlauf der Jahre sogar qualitativ besser geworden, nicht schlechter. Ein Beispiel für die Grössenordnung der vorhandenen Mengen problematischer Stoffe: Würden Sie jeden Tag zwei Liter Wasser trinken, das eine Konzentration von 10 Nanogramm pro Liter des Arzneimittels Aspirin enthält, dann müssten Sie das 7000 Jahre lang tun, bis Sie die Wirkdosis einer einzigen Aspirintablette à 500 Milligramm aufgenommen hätten. Das sind die Grössenordnungen von Verunreinigungen, von denen wir hier sprechen.

2. Es wird aber diskutiert, dass es gefährlich werden könnte, wenn sich mehrere im Trinkwasser enthaltene Stoffe mischen.

Die Konzentrationen sind schlicht zu gering, als dass davon eine Gefahr zu erwarten wäre. Letztlich muss man immer auch den Gesamtkontext betrachten. Die «Kassensturz»-Sendung anzuschauen — bewegungslos dasitzen und sich bestrahlen lassen —, stellt wohl ein vielfach grösseres Gesundheitsrisiko dar als alles konsumierte Trinkwasser.

3. Gibt es grosse lokale Unterschiede bei der Qualität des «Hahnenburgers»?

Trinkwasser hat je nach Einzugsgebiet eine eigene Zusammensetzung. Wer mehr über das eigene Wasser wissen will, kann Infos zu den wichtigsten Parametern auf der Website www.wasserqualitaet.ch finden.

4. Was wird unternommen, um die Wasserqualität in der Schweiz weiterhin zu verbessern?

Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfachs, der die eben erwähnte Website zur Wasserqualität betreibt, fordert unter anderem ein Verbot für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den Schutzzonen rund um eine Wasserfassung, damit sie nicht ins Grundwasser gelangen. Man versucht also, bereits die Rohwasserqualität zu verbessern. Und das Bundesamt für Umwelt möchte eine zusätzliche Reinigungsstufe an den grossen Kläranlagen vorsehen, um Rückstände aus Medikamenten und Pestiziden mit Hilfe von Aktivkohlefiltern besser zu eliminieren. Das sind Schritte in die richtige Richtung.

5. Helfen private Filtersysteme?

Filtersysteme im Privathaushalt sind in der Schweiz nicht notwendig. Meine Frau, unsere kleine Tochter und ich trinken täglich Wasser frisch ab Hahn, ohne dass ich irgendwelche Bedenken hätte.

www.wasserqualitaet.ch

Unser Trinkwasser sei mit Chemikalien verseucht, zitierten diverse Zeitungen den «Kassensturz» von SF1 («20 Minuten» vom 21. November).
Unser Trinkwasser sei mit Chemikalien verseucht, zitierten diverse Zeitungen den «Kassensturz» von SF1 («20 Minuten» vom 21. November).

Der Zeitungsartikel zum Thema

Unser Trinkwasser sei mit Chemikalien verseucht, zitierten diverse Zeitungen den «Kassensturz» von SF1. Im Bild: «20 Minuten» vom 21. November. Zum Artikel

Autor: Karin Aeschlimann