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20. Juni 2016

Ungezogener Besuch

Kommt ein schlecht erzogenes Gschpänli auf Besuch, kann es anstrengend werden. Schimpfen bringt wenig. Besser ist es, klipp und klar die Hausregeln zu erklären. Was machen Sie, wenn doch etwas passiert?

Nerviges Gspänli
Nerviges Gspänli im Haus: Ruhe bewahren und Grenzen aufzeigen ... (Bild: Getty Images)

Benjamin (8) ist zu Besuch bei Lars (8). Mami Bettina (38) ärgert sich. Beim Zvieri machte Benjamin absichtlich eine Sauerei und provozierte, indem er einen Wasserkrug vom Tisch zu stossen versuchte. Nachdem er mit Lars Lego gespielt hatte, weigerte er sich, die Klötzchen in die Kiste zu räumen. «Ein Saugoof», findet Bettina. Doch sie ist verunsichert: Wie streng darf sie mit dem Besuch sein?

«Es geht vor allem darum, welche Regeln gelten», erklärt Marianne Leber (53), Erziehungscoach aus Wil AG. «Diese muss ein Kind erst mal kennen, um sie befolgen zu können.» Dass es die Schuhe ausziehen muss, muss man ihm also zuerst sagen. Befolgt es allgemeine Regeln nicht, spielt es mit dem Essen, attackiert es ein anderes Kind verbal oder körperlich, dann sollte man eingreifen.
Aber nicht mit einer gehässigen Schelte. «Das Kind soll wissen, was von ihm erwartet wird», sagt Marianne Leber. Und hat ein Kind am Tisch absichtlich eine Sauerei veranstaltet, kriegt es einen Lumpen, um die Sudelei aufzuputzen.

Eltern müssen Vorbilder sein
Gibt es grundsätzlich schlecht erzogene Kinder? «Kinder, denen nicht vorgelebt wird, was gut ist und was nicht, haben eher Mühe, sich an Regeln zu halten», sagt Leber. Wie sich ein Kind verhält, hat aber auch viel mit seiner Gemütslage zu tun. «Es kann sein, dass es sich unmöglich benimmt, weil es sich unter Druck fühlt, angespannt oder nervös ist.»

Obwohl sich Bettina über Benjamin geärgert hat, darf er wieder spielen kommen. Sie weiss, wie sehr diese Freundschaft Lars am Herzen liegt. Sie hat mit Benjamin geredet und gefragt, ob er sein Verhalten toll fände. Auch beim nächsten Besuch empfindet sie ihn als anstrengend. Doch immerhin hat Benjamin gemerkt, dass sich kooperatives Verhalten lohnt. Das ist schon mal ein Anfang. 

WIE REAGIEREN SIE?
Wenn Regeln und Vorabsprache mal nichts nützen, das Gspänli Ihres Kindes sehr frech wird oder etwas kaputt macht: Was tun Sie?

Autor: Claudia Langenegger