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20. Februar 2012

Uf u dervo...

Zugefrorene Seen und schneebedeckte Wiesen erschweren Vögeln die Futtersuche. Füttern oder nicht Füttern – das ist die Frage.

Blaumeise
Eingebaute Daunenjacke: Weder die Blaumeise noch andere Vögel frieren in der Eiseskälte. (Bild: Okapia)

Die Seen frieren zu, und unsere einheimischen Wasservögel finden kein Futter mehr — denkt zumindest der Laie. Fachleute wie Christa Glauser (52), stellvertretende Geschäftsführerin beim Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz in Zürich, wissen es besser: «Wasservögel sind sehr mobil, für sie ist es kein Problem, ein Gewässer zu wechseln.» Und so kurven Enten im Winter zwischen den verschiedenen Seen und Flüssen hin und her.

Und wird es mal sehr kalt und das Futterangebot mager, zügeln unsere gefiederten Nachbarn kurzerhand in mildere Gegenden. So weicht beispielsweise die Wasseramsel gefrierenden Gewässern aus, indem sie von Bergbächen ins Mittelland wechselt.

Aber nicht nur Wasservögel flüchten vor der Kälte. «Vor grossen Schneefällen und Kälteeinbrüchen ziehen etwa die Mäusebussarde südwärts, oft Richtung Südfrankreich», erklärt Christa Glauser. Übrigens: Im Gegensatz zu uns Menschen frieren Vögel kaum — immerhin haben sie eine eingebaute Daunenjacke. In der Ruhephase heizen Vögel ihren Körper auf 38 bis 40 Grad, beim Fliegen können sie die Temperatur kurzfristig auf 46 bis 47 Grad erhöhen. «Das benötigt aber bis zu zwölfmal mehr Energie als Ruhen.» Und diese Energie muss zuerst wieder reingeholt werden. «Daher ist es in erster Linie wichtig, dass Vögel im Winter nicht gestört werden», sagt Christa Glauser. Füttern helfe da wenig. «Ausserdem kommen eher die häufigsten Arten wie Spatzen, Grünfinken, Amseln oder Buchfinken ans Vogelhäuschen und nicht die in ihrem Bestand gefährdeten.» Immerhin: «Füttern schadet auch nicht», sagt Christa Glauser.

Wie Sie Vögel richtig füttern, lesen Sie im Artikel «So wird die Fütterung für Tiere und Kinder zum Highlight»  auf Famigros.ch.

Autor: Thomas Vogel