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07. Juli 2014

Überwachte Schulen

Videoüberwachung reduziert zwar Vandalismus und Sachbeschädigungen bei Schulanlagen. Trotzdem sollten die Schulgemeinden nicht übertreiben.

Eine fest installierte Kamera an einer Hauswand.
Videoüberwachung: Gehört bei immer mehr Schulhäusern dazu.

An kaum einem anderen Ort wird die Videoüberwachung so massiv ausgebaut wie an Schulen. Landauf, landab versprechen sich Gemeinden von den Überwachungskameras weniger Vandalismus an Schulgebäuden.

Am raschesten schreitet die Ausrüstung in der Stadt Zürich voran: Zu den bereits vorhandenen rund 600 Videokameras bei Schulgebäuden kommen allein dieses Jahr 200 weitere hinzu. Die guten Erfahrungen rechtfertigen offenbar den weiteren Ausbau: Von den überwachten 20 Schulhäusern werden laut der zuständigen Immobilienverwaltung praktisch keine Sachbeschädigungen mehr gemeldet.

Dieser Erfolg dürfe aber nicht dazu verleiten, nun überall Videokameras zu installieren, findet der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH). «Wir unterstützen die Videoüberwachung von Schulareal und Pausenplätzen nach Schulschluss, wenn es gute Gründe wie wiederholte Vandalenakte oder Einbrüche gibt», sagt Beat W. Zemp (59), Präsident des LCH. «Wir lehnen aber einen flächendeckenden Einsatz auf dem Schulareal ab. Schulen sind keine Gefängnisanstalten, in denen das Wachpersonal eine ständige Überwachung sicherstellen muss.» Schülerinnen und Schüler sollen das Zusammenleben untereinander lernen können, ohne dass sie dabei unter ständiger Beobachtung stehen, findet Zemp.

Zu Augenmass mahnt auch Bruno Baeriswyl (59), Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich: «Videoüberwachung darf nicht zum Standard werden. Man muss sich immer fragen, ob man das Ziel nicht auch mit weniger einschneidenden Massnahmen erreicht, beispielsweise mit einer besseren Beleuchtung.»

Eine zentrale Rolle spielt weiter, wo und zu welchen Zeiten auf Schularealen überwacht wird. Dies und weitere Details legt jede Schulgemeinde selber fest. In der Stadt Zürich etwa gilt: Es dürfen lediglich Fassaden und Eingänge überwacht werden, und zwar nur ausserhalb des regulären Schulbetriebs. Zudem hat lediglich die Immobilienverwaltung das Recht, die Aufnahmen zu sichten, und auch nur, wenn eine Anzeige erfolgt ist. Das Schulpersonal hat keinen Zugang. «Das ist aus Sicht des Datenschutzes ein gutes Beispiel, wie man die Videoüberwachung reguliert», sagt Bruno Baeriswyl.

Autor: Daniel Schifferle