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26. August 2013

Über den Kopf gewachsen

Die «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin gärtnert zurzeit in einem veritablen Dschungel: Will sie Rüebli ernten, greift sie zur Machete.

Bei Bohnebluescht wucherts!

Mein Gartenparadies verwandelt sich immer mehr in eine grüne Hölle: Wo im Frühling noch der «blutte» Boden gähnte, schlingen sich jetzt Stangenbohnen lianengleich von Sonnenblume zu Sonnenblume, bremst das Erdöpfelkraut die Zitronenmelisse aus und schiessen aufgestängelte Kopfsalatbäume gen Himmel. Das geht so weit, dass ich, wenn ich Rüebli ernten will, zur Machete greifen muss, um mich erst durchs Borretschgestrüpp und dann durchs Palerbsengeknäuel durchzukämpfen.

Dazu passt auch, dass ich bisher davon ausgegangen bin, dass meine Fenchelausbeute dieses Jahr gleich null sein wird. Gestern habe ich nun aber entdeckt, dass ich stattdessen wohl eine Rekordernte einfahren werde: Die Fenchelsämlinge haben sich nämlich ganz einfach unter das Maggikraut verschloffen und sind dort sozusagen undercover gross geworden.

Und jetzt? Durchgreifen und klar Schiff respektive Garten machen? Das fällt mir, ehrlich gesagt, schwer. Schliesslich habe ich lang genug – auch hier auf dem Blog – rumgejammert, weil wegen des Endlosregens im Frühling nichts richtig wachsen wollte. Und jetzt, wo das Grün endlich ins Kraut schiesst, soll es wieder nicht recht sein?!?

Daher habe ich mich entschieden, nur dort ordnend einzugreifen, wo es zu Kollisionen kommt. So bin ich beispielsweise den Taglilien im Vorgarten, die unseren Zugang auf ganze 20 Zentimeter verengt haben, mit der Heckenschere zu Leibe gerückt – wenn auch schweren Herzens. Und der wilde Wein, der diverse Blumentöpfe zu verschlingen drohte, hat gleich ebenfalls einen Kurzhaarschnitt erhalten. Eingegriffen habe ich auch beim Kiwistrauch, der sich bereits durch die Lamellenstoren von Schlaf- und Kinderzimmer durchgefädelt hatte. Und den Kürbis, der mit seinen Gewicht den Buchsbaum platt zu drücken drohte, habe ich in Richtung Hasengitter umgeleitet. Der Rest aber, der darf munter weiterwuchern.

Wer nun aber sagt, ich mache es mir mit meinem gärtnerischen Laisser-faire etwas gar einfach, den frage ich ganz provokant: Ja, aber warum nicht? Denn spätestens wenn der erste Frost kommt, erledigt sich der ganze Dschungelzauber ganz von selbst. Und nächsten Frühling, da starte ich dann wieder ganz ordentlich bei null, sprich: mit «bluttem» Boden – versprochen!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger