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06. Mai 2013

Tschechisches Sandwichkind

Die Skoda-Familie erhält Zuwachs: Der neue Rapid reiht sich zwischen den kleinen Fabia und den grösseren Octavia ein. Testfamilie Quadri prüft, ob der Fünftürer auch fünf Leute fasst.

Familie Quadris neben dem Skoda Rapid
Geballte Ladung: Die Quadris – Carlo, Beatrice, Laura, 
Joelle und Lisa (von links) – testen, ob das Gepäck für 
die Ferien in den geräumigen Rapid passt.

Familienausflug an den Neuenburgersee und mit einer Freundin und drei Teenagern ans Rockkonzert. Gemeinsam mit Ehegatte Carlo (46) und den Töchtern Laura (17), Lisa (15) und Joelle (14) unterzieht Beatrice Quadri (47) aus Lyss BE den neuen Skoda Rapid auf 500 Testkilometern einem echten Härtetest, um zu «erfahren», ob der Tscheche als Nachfolger für einen der bereits älteren Mitsubishi Galant Kombis der Familie taugt. Auf 4,48 Meter Länge — für einen Kompaktwagen recht üppig — bietet der Rapid, wie Beatrice Quadri lobt, «geniale Beinfreiheit im Fond, etwa für lange Teenagerbeine, und grandios viel Laderaum sowie pfiffige Details». Doch mit fünfköpfiger Besatzung, so ihr Fazit, stösst er an Grenzen. «Für drei fast erwachsene Töchter ist er nicht ideal: Da fehlt es an Innenbreite», sagt die Dekorationsgestalterin. Doch überzeugt die Marke die Quadris, sodass sie einen anderen Skoda mit auf die Autowunschliste setzen. «Wohl den Octavia Combi oder den noch grösseren Superb», meint Carlo Quadri.

Zurück zum Ausflug an den Neuenburgersee. «Wir fuhren im Test absichtlich auf unterschiedlichen Strassen», berichtet Wirtschaftsinformatiker Carlo Quadri. Dabei überraschte ihn das Durchzugsvermögen des 1,2-Liter-Turbos mit 105 PS: «Er bietet klar mehr Power, als ich erwartet hätte. Trotzdem geht der Testverbrauch von knapp sieben Litern in Ordnung.» Anbei: Obwohl der CO2-Ausstoss laut Norm sehr gute 118 g/km beträgt, hat der Rapid nur Energieeffizienz C: Weil bei deren Bestimmung das Gewicht mitspielt, wird er als leichtes (und auch darum sparsames) Auto hier benachteiligt.

Neben dem Verbrauch testet die Familie Quadri auf dem Weg zum Rockkonzert Soundanlage und Fahrwerk auf Herz und Nieren. Das Resultat: Soundanlage prima; Fahrwerk zwar agil und handlich, aber auf ungepflegten Strassen zu straff. Beatrice Quadri schätzt «die bequemen Sitze», kritisiert aber die schlechte Sicht nach hinten. «Hintere Parksensoren sind quasi Pflicht», sagt sie, «auch wenn diese furchterregend piepsen, obwohl man fast 20 Zentimeter vom Hindernis weg ist.»

Kritisiert wird von der Testfamilie die optionale vordere Mittelarmlehne. «Man kann sie zwar hochklappen, aber in Normalstellung behindert sie das Betätigen der Handbremse», sagt Carlo Quadri, «und versteckt zudem den Aux-Anschluss.» Doch letztlich zieht die Familie ein positives Fazit: «Für eine vierköpfige Familie wäre der Rapid mit seinem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis das ideale Auto.»

CO2-Richtwerte

Der Verbrauch des Skoda Rapid 1.2 TSI Im Jahr 2015 sollen die Neuwagen in der Schweiz im Schnitt nur noch 130 g/km CO2 ausstossen. Geht man von einer kontinuierlichen Senkung des letzten ermittelten Werts (2011: 155 g/km) aus, bedeutet das für 2013 einen Richtwert von 142 g/km. Der Testwagen liegt mit 118 g/km bereits sehr klar darunter.

Informationen zum Bewertungssystem

Neues CO2-Emissionsgesetz

Bis 2020 sollen die Schweizer CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 20 Prozent sinken. Seit 1. Mai 2012 gilt in der Schweiz deshalb das revidierte CO2-Gesetz für neue Personenwagen. Angewendet wird es für alle neuen PW, die seit dem 1. Juli 2012 erstmals hierzulande immatrikuliert wurden. Im Jahr 2015 dürfen die neuen Personenwagen im Schnitt maximal 130 g/km an CO2 ausstossen, was einem Norm-Gesamtverbrauch von etwa 4,9 Liter Diesel bzw. rund 5,6 Liter Benzin pro 100 Kilometer entspricht. Für Gasantriebe gelten gesonderte Bestimmungen.

Überschreitung sanktioniert

Der Wert von 130 g/km CO2 wird stufenweise eingeführt. Im Jahr 2012 mussten ihn 65 Prozent der Neuwagen, 2013 müssen ihn dann 75 Prozent und im Jahr darauf 80 Prozent der neuen Personenwagen erfüllen. Erreicht ein Importeur den spezifisch für ihn anhand Zielwert und Gewicht errechneten Schnitt nicht, wird die Sanktionsabgabe fällig, zum Beispiel 142,5 Franken pro Gramm ab dem vierten Gramm (1 bis 3 Gramm sind vergünstigt).

Bewertung im Migros-Magazin

Die Bewertungsgrafik im Migros-Magazin geht zwecks anschaulicherer Einstufung der Fahrzeuge von einer kontinuierlichen Senkung aus. Die Grundlage dafür ist der letzte ermittelte CO2-Durchschnitt aller Neuwagen: 155 Gramm pro Kilometer im Jahr 2011 (die Werte für 2012 liegen noch nicht vor). Sinkt der CO2-Ausstoss bis zum angestrebten Ziel von 150 Gramm pro Kilometer im Jahr 2015 kontinuierlich, ergeben sich daraus unsere Zielwerte – wie etwa aktuell 142 Gramm pro Kilometer für 2013. Anhand dieses Wertes werden die von uns vorgestellten Autos im Migros-Magazin beurteilt.

Autor: Raoul Schwinnen

Fotograf: Nik Hunger