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06. April 2015

Traumlehrerin

Lehrerin mit Kinderallergie
Lehrerin mit Kinderallergie vor der Mathe-Tafel: Ja, das gibts. (Bild iStockPhoto)

Idas erster Zahn wackelt, der Thek ist auch schon gekauft, wir wären also parat für die 1. Klasse. «Hoffentlich bekomme ich eine coole Lehrerin», sagt mein Kind und kaut dabei gedankenverloren auf einer Haarsträhne herum. Was genau denn «cool» bedeutet, will ich wissen. «Cool halt», sagt mein Kind und trollt sich.

Okay, Sechsjährige sind vermutlich weniger anspruchsvoll als 38-Jährige. Ich könnte mehr zum Thema sagen: Hoffentlich übernimmt jemand Idas Klasse, der keine Kinderallergie hat. (Lachen Sie nicht, dieses Leiden ist in Lehrerzimmern weit verbreitet.) Es wäre ausserdem super, wenn er oder sie noch brennen würde und nicht bereits ausgebrannt wäre. Die Person meiner Träume bräuchte einen festen Händedruck, ein ansteckendes Lachen und müsste auch in schwierigen Situationen Zuversicht ausstrahlen. Sie sollte sich ausserdem selbst nicht zu wichtig nehmen und nie vergessen, dass Kinder Kinder und keine Erwachsenen sind.

Ich habe überlegt, für all die Lehrer an Idas künftiger Schule ein Ranking zu erstellen. Ich müsste dazu nur sämtliche Eltern, die bereits Kids an unserer Primarschule haben, interviewen.
Hier die möglichen Ergebnisse: Frau Meyer ist hart, aber herzlich (1 Pluspunkt), Frau Müller träumt schon seit 20 Jahren von der Pensionierung (verständlich, aber dennoch: 2 Minuspunkte), Herr Schwarz hat viele neue Ideen (1 Pluspunkt) und so weiter. Noch geschwind eine kleine Excel-Tabelle anlegen, alles schön eintragen, auswerten, fertig. Nun könnte ich das Heft beziehungsweise meine Auswertung selbst in die Hand nehmen und dem Schulleiter die Bude einrennen. «Sehr geehrter Herr Baumeister-von Allmenstein, da wir das beste Kind von allen haben und sein Bildungsweg makellos verlaufen sollte, haben wir uns entschieden, Frau Meyer, allenfalls auch Herrn Schwarz, eine Chance zu geben. Und auf keinen Fall Frau Müller …»

Spass beiseite. Wir werden nichts dergleichen unternehmen. Ida soll lernen, dass man sich die Welt nicht so machen kann, wie sie einem gefällt. Wir alle hatten während der Schulzeit gute und schlechte, engagierte und gelangweilte Lehrer. Die Kunst besteht darin, sich auch ein Stück weit an neue Situationen anzupassen und das Beste daraus zu machen. Das gilt übrigens nicht nur für die Schulzeit, sondern fürs ganze Leben. Ach, ja, Herr Leinenbach und ich, wir wären ja auch noch da, falls es wider Erwarten Probleme gibt.

Autor: Bettina Leinenbach