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06. Oktober 2014

Traumberuf Pilot

Das Migros-Magazin begleitete drei Menschen, die den Traumberuf vieler kleiner Buben ergriffen haben. Hier schildert Swiss-Flugkapitän Marc Schröder seine Arbeit im Cockpit. Lesen Sie rechts die Porträts von Lokführerin Martina Scholl-Egli und Lastwagenfahrer Rolf Funk.

Marc Schröder überprüft das Flugzeug
Vor jedem Flug macht einer der Piloten einen Aussencheck. Hier inspiziert Marc Schröder das Fahrwerk.

Kurz nach elf Uhr vormittags trifft sich Flugkapitän Marc Schröder aus Regensdorf ZH mit seinem Copiloten Oliver Hinzen im Operationscenter 1 am Flughafen Zürich-Kloten. Die beiden haben sich vorher nie gesehen. Aber heute werden sie zusammen den Airbus 320 «Allschwil» der Swiss zuerst nach Amsterdam und retour und anschliessend nach Hannover und wieder zurück fliegen. Die beiden Piloten informieren sich über die aktuelle Wind- und Wetterlage, den geplanten Flugweg und den Anflug am Ziel sowie über die Anzahl Passagiere. Aufgrund dieser Fakten geben sie die Bestellung für die erforderliche Menge Treibstoff auf. «Nicht zu viel, weil ein unnötiger Treibstoffvorrat den Treibstoffverbrauch erhöht. Und nicht zu wenig, um genügend Reserven für Unvorhergesehenes zu haben», erläutert der Captain die ­Herausforderung, die sich vor jedem Flug neu stellt.

Im Nu sind die beiden ein Team. Etwa um 13.40 Uhr startet der mit 163 Passagieren voll besetzte Airbus auf der Piste 28 und landet anderthalb Stunden später in Amsterdam. Beim Hinflug steuert der Captain als «Pilot Flying» den Airbus, beim Rückflug tut dies der Copilot. Der nicht fliegende Pilot ist verantwortlich für System Checks und administrative Arbeiten.

«Der Kontakt mit den Passagieren ist mir wichtig»

Mit «Adieu» und «Uf Wiederluege» verabschiedet sich Captain Schröder im Cockpit-Türrahmen stehend nach der Landung in Amsterdam von seinen Passagieren. «Ich mache das gern. Der Kontakt mit den Passagieren ist mir wichtig», sagt er. Eine halbe Stunde später hebt die «Allschwil» mit 124 Passagieren an Bord bereits wieder Richtung Zürich ab. Und landet dank Rückenwind zehn Minuten zu früh. Trotz der kurzen Flugzeit hat es für einen kleinen Imbiss im Cockpit gereicht. Bis zum nächsten Flug nach Hannover bleibt fast eine Stunde Zeit. Knapp die Hälfte davon benötigen die Piloten für Papierkram und Flugvorbereitung. Der Flug kurz nach 18 Uhr nach Hannover dauert nur eine Stunde. Und um 20.46 Uhr setzt die «Allschwil» zum letzten Mal an diesem Tag wieder in Zürich auf. Um 21.11 Uhr steigt die Crew aus dem kleinen Bus und macht sich durch das Operationscenter auf den Heimweg. Zehn Stunden und 15 Minuten, nachdem die beiden Piloten ihren Dienst angetreten haben. Neun Stunden davon sind sie im Cockpit gesessen. Konzentriert und mit Freude an ihrem Traumberuf.

Marc Schröders Arbeitstag:

Marc Schröder zählt zu den Spätberufenen. Zwar hat er wie viele Berufskollegen ein Studium als Ingenieur HTL absolviert. Dann aber als Software-Ingenieur gearbeitet. «Im Militärdienst liess ich mich dann als 26-Jähriger von einem Jumbo-Captain für den Pilotenberuf begeistern», schildert er. Schon zwei Jahre später begann er auf der Fokker seine fliegerische Laufbahn. Elf-Stunden-Tage, in deren Verlauf er zwei Flugziele anfliegt, sind für ihn und seine Crew üblich. Es gibt aber auch Einsatztage mit nur einem Zielort. Dann können es auch bloss knapp fünf Stunden sein. Der Arbeitsbeginn kann vor fünf Uhr in der Früh sein. Oder auch am späten Nachmittag. Und das Arbeitsende schon am Vormittag. Oder auch erst nach 23 Uhr. «Wenn sich die Familie solch unregelmässige Arbeitszeiten gewohnt ist, gibt es kaum Probleme. Mit einem Club- oder Vereinsleben dagegen wird es schon schwieriger», berichtet der Vater zweier Kinder im Alter von 12 und 16 Jahren.

Autor: Niklaus Wächter

Fotograf: Paolo Dutto