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14. Oktober 2013

Totenglöggli im Frühlingsbeet

Alle Jahre wieder verpasst es die «Bohne, Bluescht und Berger»-Autorin, Blumenzwiebeln termingerecht im Boden zu verlochen. Mit absehbaren Folgen.

Zwiebeln aus dem letzten Jahr.
Zwiebelstecher, um Löcher in den Boden zu stechen.
Zwiebelstecher, um Löcher in den Boden zu stechen.

Am Wochenende sind mir beim Aufräumen des Schopfes ein paar frisch austreibende Gartenzwiebeln in die Hände gefallen. Überbleibsel von Topfhyazinthen und -osterglocken, mit denen ich mir im Januar und Februar den Frühling in die gute Stube geholt hatte. Nachdem die Pflanzen verblüht waren, hatte ich die Zwiebeln in den Schopf gestellt mit dem Vorsatz, sie dann im Frühling im Blumenbeet zu verlochen.

Nun, unterdessen sind sowohl Frühling als auch Sommer passé, aber wenigstens ists noch nicht Winter. Und das allein ist schon ein grosser Fortschritt im Vergleich zu anderen Jahren. Denn meist merke ich erst, wenn der Sohnemann seinen ersten Schneemann baut, dass ich einmal mehr meinen Blumenzwiebel-Verbuddel-Einsatz verpasst habe. Was mir dann logischerweise im Frühling, wenn die Nachbarsgärten mit einem Meer von Tulpen, Traubenhyazinthen, Krokussen, Osterglocken protzen, schmerzlich bewusst wird.

Keine Ahnung, woran das liegt. Möglicherweise weigert sich mein Unterbewusstsein zu akzeptieren, dass das Ende des Gartenjahrs ansteht. Denn auch wenn Schneeglöggli & Co. ja jeweils den nächsten Frühling einläuten, das Verlochen derselben mahnt mich mehr an ein Totenglöggli (mal abgesehen davon, dass es besser tönt zu sagen, ich habe das Verlochen verdrängt statt verpennt).

Es besteht noch Hoffnung, dass nächstes Jahr wieder Osterglocken blühen.
Es besteht noch Hoffnung, dass nächstes Jahr wieder Osterglocken blühen.

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass ich das Gefühl habe, dass die Blumenzwiebeln immer früher in die Läden kommen (wie übrigens auch die Osterhasen und Samichläuse, aber das ist ein anderes Thema). Gerade erst hatte ich noch Tomatenpflanzen geposchtet, und jetzt sollen schon die Tulpen dran sein? Bis ich dann jeweils meinen Schock überwunden habe und endlich im Gartencenter vor dem Gestell mit den Frühlingsboten stehe, ist meist alles ausverkauft. Oder ich schaffe es zwar noch, ein paar Restposten zu ergattern, nur beginnt es dann auf dem Nachhauseweg garantiert zu schneien!

Und drum stürze ich hier und jetzt aus der Redaktion und ins nächste Gartencenter. Falls mich mein Chefredaktor suchen sollte: Ich läute gerade den nächsten Frühling ein!

Was für Frühlingsblüher landen in Eurem Poschtikorb? Steht Ihr mehr auf unifarbene Blumenbeete oder mögt Ihr es möglichst bunt? Wildtulpe oder Edelzüchtung? Schneeglöckli oder Osterglocke? Teilt Eure Erfahrungen und Euer Wissen in einem Kommentar mit, oder erstellt einen eigenen Artikel inklusive Fotos (Infos zu beidem siehe rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger