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06. März 2017

Totalausfall

in einem Schiff auf dem Ozean
Fast wie in einem Schiff auf dem Ozean: Mit 40,6 Grad Fieber im Bett, wenn sich das Zimmer dreht ... (Bild: Pixabay.com)

Ich habe bis vor zwei Wochen noch Witze gerissen: «Bringt mir die kranken Nachbarskinder, ich pflege die auch noch gesund!» Mein Immunsystem hat in der Saison 2016/17 wirklich exzellent funktioniert. Während meine Kinder und Herr Leinenbach abwechselnd immer an irgendetwas herumlaborierten, prallten scheinbar alle Erreger an mir ab.

Deswegen ignorierte ich vor zwei Wochen auch das Kratzen in meinem Hals. Wohl irgendein Virus, das sich gerade die Zähne an mir ausbiss. Als ich mich an jenem Abend bettfertig machte, hatte ich einen Moment das Gefühl, der Boden würde schwanken. Ich zog mir die Decke bis zur Nase und schlief ein. Als ich mitten in der Nacht aus einem bizarren Traum aufwachte, drehte sich das Zimmer. Wirklich. Das Bett war in Wirklichkeit ein Schiff, und ich trieb darin liegend auf einem Ozean. Es musste das Nordmeer sein, denn mir war unbeschreiblich kalt.

Irgendwo schepperte etwas im Wind. Es dauerte einen Moment, bis ich kapierte, dass das klappernde Geräusch von meinen Zähnen kam. Halt, warte! War das Schüttelfrost? Wow, ich hatte ganz vergessen, wie sich das anfühlt. Mein Gehirn funktionierte ausgezeichnet. Es raunte mir zu: «Das ist kein harmloser Schnupfen, das ist was Grosses, was richtig Gemeines.» – «Ach, was», besänftigte ich es.

In den Morgenstunden reichte mir Herr Leinenbach das Fieberthermometer. 40,6 Grad Celsius. «Bist du krank?», wollten meine Kinder wissen. «Höchstens ein bisschen», winkte ich ab. Da mein Mann Ferien hatte, erlaubte ich mir das Kranksein. Den ersten Tag verschlief ich komplett, verpasste nicht nur den Zmorgen, sondern auch den Zmittag und den Znacht. Den zweiten Tag irgendwie auch. Am dritten Tag hätte ich gerne geschlafen, aber das Halsweh, das sich zum Fieber und dem Schüttelfrost gesellt hatte, verhinderte jede Form der Erholung. Erwähnte ich den extrem schmerzhaften Husten? Oder die Übelkeit? Vertiefen wir das nicht weiter ...

Ich habe die Grippe einigermassen überstanden. Obwohl ich auch zwei Wochen später noch an dem einen oder anderen Symptom herumlaboriere, gelte ich offiziell wieder als einsatzfähig. Die Krankheit hat aber Spuren hinterlassen. Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass auch die stärksten, widerstandsfähigsten Mütter nur Menschen sind. Es klingt schräg, aber das war in gewisser Weise eine heilsame Erfahrung.

Autor: Bettina Leinenbach