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02. April 2012

«Titanic», «Forrest Gump» & Co. rühren zu Tränen

Auch Männer weinen im Kino. Bei welchen Filmszenen, aus welchen Beweggründen und ob es ihnen peinlich war, erzählen die zehn auch im Migros-Magazin (Nr. 14 vom 2. April 2012) vorgestellten Wettbewerbsteilnehmer.

Unvergessen: die Schlussszene von «Titanic». (© Cinetext Bildarchiv)
Unvergessen: die Schlussszene von «Titanic». (© Cinetext Bildarchiv)
Am Grab seiner grossen Liebe Jenny: Forrest Gump. (Bild: Picasa 3.0)
Am Grab seiner grossen Liebe Jenny: Forrest Gump. (Bild: Picasa 3.0)

Simon Weibel (33), Pflegefachmann, Udligenswil

Ich bin einfach voll mit dabei, peinlich ist mir das gar nicht

Simon Weibel (33), Pflegefachmann, Udligenswil LU (Bild: zVg.)
Simon Weibel (33), Pflegefachmann, Udligenswil LU. (Bild: zVg.)

«Ich habe mit Kollegen ‹Titanic› im Kino gesehen, und ab der zweiten Hälfte sind mir die Tränen nur so runtergelaufen. Noch danach, auf dem Weg vom Kino ins Restaurant, habe ich geweint, sicher eine Stunde lang. Die Musik und traurige Szenen in Filmen rühren mich enorm. Ich bin einfach voll und ganz mit dabei. Peinlich ist mir das überhaupt nicht. An jenem Abend ging dann das viele Weinen in einen Lachkrampf über. Im Bus bis nach Hause mussten wir alle heftig lachen über mich, die männliche Heulsuse.»

Daniel Raemy (39), Reallehrer, Münsingen

Ich konnte nicht aufhören zu heulen

Daniel Raemy (39), Reallehrer, Münsingen BE. (Bild: zVg.)
Daniel Raemy (39), Reallehrer, Münsingen BE. (Bild: zVg.)

«Im Film ‹Titanic› habe ich die letzte halbe Stunde nur noch geheult. Obwohl ich wusste, dass Jack am Ende sterben würde, hat mich sein aussichtsloser Kampf gegen die Wassermassen dermassen mitgerissen, dass ich nicht aufhören konnte. Wenn ein Film gut gemacht ist, lebe ich richtig mit. Entsprechend stark nimmt mich der Tod einer Hauptfigur mit. Ich weine dann auch ganz offen. Es ist mir wirklich nie peinlich, im Gegenteil. Meine Frau schaut mich dann ebenfalls mit verweinten Augen an, und wir verstehen uns auch ohne Worte.»

Marc André Hofer (37), Versicherungsmitarbeiter, Dübendorf

Ich habe einen Schnupfen vorgetäuscht

Marc André Hofer (37), Versicherungsmitarbeiter, Dübendorf ZH. (Bild: zVg.)
Marc André Hofer (37), Versicherungsmitarbeiter, Dübendorf ZH. (Bild: zVg.)

«Ich habe bei ‹Curly Sue› geweint, als Ellison, die wohlhabende Dame aus der High Society, Dancer aus dem Gefängnis und Sue aus dem Heim holt. Damals, mit knapp 17 Jahren, war es mir sehr peinlich. Noch dazu war es das erste Date mit einer hübschen jungen Dame. Sie hat mir freundlicherweise ein Tempo-Taschentuch zugesteckt. Ich versuchte, die Tränen mit einem vorgetäuschten plötzlichen Schnupfen zu vertuschen, aber es gelang mir nicht. Wir haben danach leider nicht darüber gesprochen, und es kam zu keinem weiteren Date.»

Zacharie Tachi (41), stv. Geschäftsführer eines Restaurants, Langenbruck

Sogar mein Hund versuchte mal, mich zu trösten

Zacharie Tachi (41), stv. Geschäftsführer eines Restaurants, Langenbruck BL. (Bild: zVg.)
Zacharie Tachi (41), stv. Geschäftsführer eines Restaurants, Langenbruck BL. (Bild: zVg.)

«Ich weine regelmässig bei ‹The Color Purple›, wenn die zwei Schwestern getrennt werden. Es ist die Hilflosigkeit der beiden Frauen, ihre Tränen, die das auslösen. Peinlich ist es mir nicht – wenn ich lache, dann tue ich das auch nicht insgeheim. Sogar mein Hund versuchte schon mal, mich zu trösten! Und wir mussten mal voll lachen, als mein Partner und ich uns gegenseitig erwischt haben, wie wir während eines Films weinten. Zwei Männer mit verheulten geschwollenen roten Augen, was für ein Anblick. PS: Man(n) sagt, Frauen seien schön, wenn sie weinen … Männer sind es auch.»

Bastian Rainer (44), Mechaniker, Dozwil

Ich hatte wohl Trennungsängste, wie die Spielsachen

Bastian Rainer (44), Mechaniker, Dozwil TG. (Bild: zVg.)
Bastian Rainer (44), Mechaniker, Dozwil TG. (Bild: zVg.)

«Ich habe bei ‹Toy Story 3› geweint, als am Schluss der Junge seine Spielsachen dem kleinen Mädchen übergab. Ich fühlte mich wie die Spielsachen, hatte wohl Trennungsängste.

Peinlich war es mir überhaupt nicht, auch ein Mann darf seine weiche Seite zeigen. Als ich den Film kürzlich mit meinem Sohn (4) nochmals angeschaut hatte, fragte mich meine Frau, warum ich so rote Augen habe, als sie vom Einkaufen zurückkam. Ich erklärte es ihr, sie schmunzelte nur und konnte es nicht glauben. Am nächsten Tag habe ich den Film nochmals mit ihr geschaut, und auch sie hatte Tränen in den Augen. Da musste ich dann schmunzeln.»

Daniel Hertig (52), Energetik-Therapeut, Würenlos

Ich konnte den Film nie wieder schauen

Daniel Hertig (52), Energetik-Therapeut, Würenlos AG. (Bild: zVg.)
Daniel Hertig (52), Energetik-Therapeut, Würenlos AG. (Bild: zVg.)

«Ich habe damals beim Film ‹Dances with Wolves› das letzte Drittel nur noch geheult, wegen dieser unglaublichen Ungerechtigkeiten am indianischen Volk. Der Abschuss des Wolfs war dann grad noch das Tüpfli auf dem i.

Es war mir sehr peinlich, vor allem, weil ich gar nicht aufhören konnte. Für meine Partnerin war es ansteckend. Wir standen nach dem Kino irgendwo draussen, weinten und schluchzten, es war überhaupt nicht daran zu denken, noch etwas zu trinken oder mit dem Bus nach Hause zu fahren, so wie wir aussahen. Wir waren eine Stunde zu Fuss unterwegs nach Hause. Ich konnte den Film nie wieder schauen.»

Jonas Lüthi (16), Kleinkinderzieher, Zürich

Ich erschrak zuerst, doch dann spürte ich Erleichterung

Jonas Lüthi (16), Kleinkinderzieher, Zürich. (Bild: zVg.)
Jonas Lüthi (16), Kleinkinderzieher, Zürich. (Bild: zVg.)

«Ich habe bei ‹Forrest Gump› geweint, als Forrest vor dem Grab seiner verstorbenen Frau steht und ihr den Brief ihres Sohns aufs Grab legt. Da ich mit einigen Freundinnen im Kino war, habe ich mir ganz rasch die Tränen abgewischt. Als ich sah, dass ich nicht der einzige Junge war, der weinte, genierte ich mich nicht mehr und weinte drauflos. Es war der erste Film, bei dem ich Tränen vergoss, und ich erschrak zuerst, doch einige Sekunden später spürte ich Erleichterung; so konnte ich mal alles rauslassen, was sich so angestaut hatte.»

Peter Camenzind (53), Grafiker, Sarnen

Meine Partnerinnen weinen nie

Peter Camenzind (53), Grafiker, Sarnen OW. (Bild: zVg.)
Peter Camenzind (53), Grafiker, Sarnen OW. (Bild: zVg.)

«Den extremsten Weinanfall hatte ich während ‹The Pianist›. Nachdem der Pianist von einem Offizier entdeckt wird, muss er ihm auf dem Klavier vorspielen. Der Weinanfall dauerte bis ans Ende des Films. Am liebsten hätte ich das ganz laut getan. Ich sass zum Glück alleine in einer Sitzreihe. Ich weine aber auch sonst oft bei Filmen. Wenn verborgene Talente zutage kommen, bei Wiedervereinigung, Gnade, Rücksicht, Geständnis, Reue, Erfolg trotz Missgunst, nicht ‹bewilligten› Liebesgefühlen zwischen Mann und Frau … Und es ist mir im Kino und auch daheim beim Fernsehen mit der Partnerin immer sehr peinlich, wenn mir die Tränen runterkullern. Meine Partnerinnen weinen nie. Ich denke, dass meine Gefühlslage bei einem Film wie im Leben sehr von meinem astrologischen Radix abhängig ist. Sternzeichen Fische, Aszendent Krebs. Halleluja, ihr Gefühle!»

Cédric Marville (25), Ingenieurstudent, Bern

Auch bei Schnulzen werden meine Augen feucht

Cédric Marville (25), Ingenieurstudent, Bern. (Bild: zVg.)
Cédric Marville (25), Ingenieurstudent, Bern. (Bild: zVg.)

«Die wohl meisten Tränen haben bei mir ‹The Bucket List›, ‹Chrigu› und ‹The Green Mile› ausgelöst. Aber auch bei Schnulzen werden meine Augen feucht. Auslöser sind meist unfaire Situationen, die meinen Gerechtigkeitssinn ansprechen. Ein guter Freund ist genauso emotional wie ich, da kann es schon vorkommen, dass die Tränen gleichzeitig fliessen. Von meiner Freundin gibt es oft einen scheuen Blick auf die glitzernden Tränen – mit dem spürbaren Gedanken: hä?»

Thomas Horcher (43), Architekt, Cham

Meine Freundin küsste mich und weinte mit

Thomas Horcher (43), Architekt, Cham ZG. (Bild: zVg.)
Thomas Horcher (43), Architekt, Cham ZG. (Bild: zVg.)

«Geweint habe ich in ‹The Lord of the Rings›, als der tapfere Boromir gegen Ende des ersten Films den Giftpfeilen erlag. Auslöser war, dass er trotz der Pfeile in seiner Brust und trotz der aussichtslosen Situation nicht aufhörte zu kämpfen, sein Letztes zu geben für seine Freunde (und dazu der wundervolle Song von Enya). Ich finde, ein Mann soll offen weinen und seine Gefühle zeigen dürfen – alles andere ist doch ‹Kaffee von vorgestern›, nicht?! Meine Freundin hat mir jedenfalls tief in die Augen geschaut, mich angelächelt, umarmt, mich innig geküsst und mit geweint.»