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21. Mai 2013

Tipps: Motorrad-Tour durch Amerika

Jeder Biker träumt irgendwann davon, mit seinem Motorrad quer durch Amerika zu fahren. Grundsätzlich ist das überhaupt nicht gefährlich und völlig unkompliziert. Hier ein paar Tipps, damit aus dem Traum trotzdem kein Albtraum wird.

Mit dem Töff quer durch die USA
Mit dem Töff quer durch die USA...
Eine Harley ist bei einer Tour durch Amerika Pflicht
Eine Harley ist bei einer Tour durch Amerika Pflicht

Miete eine Harley: Harley Davidson ist eine amerikanische Legende; kein anderes Motorrad hat hier auch nur annähernd diesen Status, und kein anderes symbolisiert den Traum von «Freedom on the Road» so perfekt wie die Bikes aus Milwaukee. Auf deine Harley wirst du überall angesprochen; mit mir haben selbst Polizisten nach einer Geschwindigkeitskontrolle über die Harley gesprochen – und nicht über die Übertretung.

Reservier dein Bike: Leider bekam ich nicht, was ich reserviert hatte (Fat Boy), sondern was gerade da war (Road King). Vermutlich war das sogar mein Glück. Die Road King ist perfekt für Reisen dieser Art – sie ist nicht so sperrig wie eine Electra Glide, aber bequemer als eine Fat Boy. Die Alternative wäre eine Street Glide. Vergiss die Sportsters; die sind cool für einen City Ride – aber für Tausende von Kilometern brauchst du etwas Bequemes. Um sicher zu sein, dass du schliesslich das kriegst, was du wolltest: Ruf ein paar Mal vorher an und gehe dem Service-Desk dermassen auf den Keks, dass sie deine Maschine bereitstellen.

Nimm eine Scheibe: Ich habe mich dagegen gesträubt – eine Frontscheibe ist etwas für ältere Herren und sieht einfach nicht sexy aus. Vergiss es! Wenn du stundenlang, über Tage hinweg, im Fahrtwind sitzest, ist ein Windshield Gold wert. Bei Regen erst recht. Nachteil: Wenn sie schmutzig ist siehst du bei Gegenlicht praktisch nichts mehr. Also bei jedem Tankstopp kurz waschen.

Bei einer Tour quer durch Amerika sieht man ungewöhnliche Sachen
Bei einer Tour quer durch Amerika sieht man ungewöhnliche Sachen

Ost–West: Ich fuhr von San Francisco nach New York, also von West nach Ost. Das nächste Mal würde ich es wohl anders machen. Morgens in die aufgehende Sonne zu fahren, ist teilweise extrem mühsam, weil man überhaupt nichts sieht, was im Strassenverkehr ein Nachteil sein kann...

Zahle die Transfer-Fee: Es gibt nicht viele Vermieter, bei denen du deine Harley in San Francisco herausfassen und in New York zurückgeben kannst. Bei Eagle Rider kannst du das – es hat aber seinen Preis ... (750 $). Aber hey: Es lohnt sich.

Merk dir den Weg: Notier dir am Vorabend die Route für den nächsten Tag, schreib sie mit wasserfestem Filzstift auf ein Blatt Papier und kleb es dir auf den Tank. Du kannst nicht ständig rechts heranfahren, um zu checken, wo du gerade bist oder wo es gerade langgeht. Ich musste meine Position immer mal wieder über mein iPhone checken; die Swisscom fand das eine gute Idee...

Such das Hotel vorher: Wähl dein Hotel im Idealfall bereits vor der Reise aus. Es ist einfacher und angenehmer, abends vorzufahren, einzuchecken und sich anschliessend auf die Suche nach einem kühlen Bier und einem Stück Fleisch zu machen, als nach stundenlangem Fahren auch noch stundenlang ein passendes Hotel zu finden, vor allem wenn es schon Abend ist.

Viele Orte wurden von Auswanderern gegründet
Viele Orte wurden von Auswanderern gegründet

Geh ab Mai: Ich war im April da. Tagsüber ist es schon ziemlich angenehm, aber am Abend und am Morgen kann es in bestimmten Gegenden (vor allem rund um die Ausläufer der Rockys) noch ziemlich kühl werden. Das nächste Mal würde ich etwas später gehen – vielleicht einfach nicht, wenn alle gehen (Sommer).

Handgelenkkontrolle: Speed Limit liegt überall in den USA zwischen 55 und 75 Meilen pro Stunde (zwischen 88 und 120 Kilometer pro Stunde). Und die Amis sind sehr heikel, was Übertretungen angeht. Der Vorteil: Der Verkehr fliesst dadurch sehr ruhig, und die Automobilisten sind sehr berechenbar (was unheimlich Spass machen kann ...). Der Nachteil: Es wird sehr viel kontrolliert, teilweise auch aus der Luft. Falls du eine Busse kassierst, musst du sie unbedingt vor deiner Abreise zahlen, ansonsten kriegst du ein Problem bei der Ausreise.

Vergiss die 66: Es werden jetzt ein paar Leute aufschreien – egal! Vergiss die Route 66. Sie ist wie eine Diva auf dem Totenbett, lebt vom Mythos vergangener Zeiten. Aber wenn du mal genau hinsiehst, packt dich das Grauen: Seit Eröffnung der Interstate 40, die quer durchs Land führt, zerfällt die Route 66 völlig. Die Gegend ist durchaus reizvoll, aber du fährst stundenlang an verlassenen Häusern vorbei. Total deprimierend.

Autor: Reinhard Kronenberg

Fotograf: Reinhard Kronenberg