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17. Oktober 2016

Der tiefe Mindestzinssatz der 2. Säule

Der Mindestzins in der zweiten Säule sinkt immer weiter. Verliert die berufliche Vorsorge damit ihre Existenzberechtigung? Und was müssten die Pensionskassen dagegen tun?

Zins in der zweiten Säule geht stark zurück
Der Zins in der zweiten Säule geht stark zurück: Seit der Gründung der beruflichen Vorsorge 1985 lag der reale, inflationsbereinigte Mindestzins im Schnitt bei 1,8 Prozent. 2017 reicht es noch für magere 0,7 Prozent. (Daten: BSV, BfS)

Jahr für Jahr wird das Kapital der Berufstätigen schlechter verzinst: Nach 1,75 Prozent im letzten Jahr sind es aktuell 1,25 Prozent. Und für 2017 ist ein Zinssatz von nur noch 1,0 Prozent vorgesehen. Angesichts der 800 Milliarden Franken, die die Schweizer Haushalte in der beruflichen Vorsorge angespart haben, stehen enorme Summen auf dem Spiel: Bereits bei einer Zinssenkung von 0,25 Prozent entgeht den Versicherten ein Ertrag von 2 Milliarden Franken pro Jahr.

Natürlich darf der Zins nicht isoliert betrachtet werden. Ebenso relevant ist die Entwicklung der Lebenshaltungskosten, die durch die Inflationsrate gemessen wird. In der Grafik (oben) abgebildet sehen Sie deshalb nicht nur den nominalen Mindestzins, sondern ebenso die reale, inlationsbereinigte Entwicklung. Auf Basis der vom Bund prognostizierten Jahresteuerung von 0,3 Prozent wird der reale Mindestzins per 2017 somit auf 0,7 Prozent sinken. Das ist der tiefste Wert seit über 20 Jahren, abgesehen lediglich vom Jahr 2008. (Wie sich das konkret auf Ihr Portemonnaie auswirkt, zeigt unsere Rechnung auf blog.migrosbank.ch ).

Die Zinsflaute bringt die Pensionskassen in eine Zwickmühle. Wird der Mindestzins zu tief angesetzt, so schürt dies den Unmut der Versicherten. Fällt die Zinsgarantie umgekehrt aber zu generös aus, geraten die Pensionskassen schneller in eine finanzielle Schieflage. Angesichts der mageren Verzinsung sind in jüngster Zeit sogar Stimmen laut geworden, die Sinn und Zweck der zweiten Säule generell anzweifeln – auch von ­prominenten Professoren. Das ­Umlageverfahren der AHV sei der ­beruflichen Vorsorge überlegen, ­lautet ihr Argument.

Es liegt nun an den Pensionskassen, das Gegenteil zu beweisen. Und zwar, indem sie einen Teil ihrer schlecht rentierenden Obligationen verkaufen und dafür stärker in Aktien investieren. Noch immer erreicht der Anteil der Dividendenpapiere in ihrem Portfolio nur gerade 30 Prozent, obwohl diese Anlageklasse auf lange Frist die klar besten Ertragsaussichten bietet. Die autonomen Pensionskassen bringen alle nötigen Voraussetzungen mit, um in Aktien zu investieren. Sie sollten diese Chance auch wirklich nutzen.

Aktuell auf blog.migrosbank.ch: Die schleichende Stagnation der zweiten Säule

Autor: Albert Steck