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09. Februar 2015

Thermalbäder in Budapest

Mit seinen zwölf Thermalbädern ist Budapest ein wahres Wellnessparadies. Auch bei Jungen ist Ungarns Hauptstadt heiss begehrt.

Grosses Thermalbad in Budapest
Das Gellert-Bad in Budapest.
Zug um Zug ins Glück: Schachspieler im Széchenyi-Bad.
Zug um Zug ins Glück: Schachspieler im Széchenyi-Bad.

Die Schachspieler im Budapester Széchenyi-Heilbad sind gnädig. Sie lassen den Fotografen gewähren, bitten jedoch um Ruhe. Es herrscht höchste Konzentration, der nächste Zug steht an. Für Touristen gehören sie mit zu den Attraktionen des palastartigen Bades. Die mit weissem Stuck verzierte Anlage im Stadtwäldchen gehört zu den grössten Badekomplexen Europas und verfügt über drei Aussen- und zwölf Innenbecken. Das Széchenyi ist Heilbad, Thermalbad und Schwimmbad zugleich. Viele Budapester kommen hierher, um sich im warmen Thermalwasser zu entspannen. Egal, ob in Gruppen, zu zweit oder allein.

Fit für ein neues Zielpublikum

Überhaupt wird die ungarische Badekultur von den Einheimischen aktiv gelebt. Im Bad Héviz am Plattensee zum Beispiel befindet sich der grösste natürliche und biologisch aktive Thermalsee der Welt. Sein Wasser erneuert sich alle drei Tage vollständig. Die Balneo- und Heiltherapien sind traditionellerweise vor allem für Kurgäste attraktiv.

Seit Ende der 90er-Jahre setzen Bäder in Ungarn mit Wellness-, Beauty- und Familienangeboten auf ein neues Publikum. Um das Land international wettbewerbsfähig zu machen, wurden Kurhotels und kommunale Bäder mit staatlichen Zuschüssen saniert. Ab 2004 kamen Zuschüsse der Europäischen Union dazu. Man hatte erkannt, dass der Reichtum der Thermalquellen die Einzigartigkeit des Landes ausmacht.

Bad Héviz, der grösste natürliche Thermalsee der Welt.
Bad Héviz, der grösste natürliche Thermalsee der Welt.

In dieser Richtung macht sich die Danubius-Gruppe stark, die den Gästen in ihren Hotels unter einem Dach ein Rundumprogramm von Kuraufenthalt, Wellness- und Beautybehandlungen über Kinderclub bis hin zu Zahnbehandlungen anbietet. Eine der Spezialitäten sind Gastroanwendungen, die auf einheimischen Produkten basieren: Dazu zählen Honig-Kraut-Packungen, Salz-Schnaps-Peelings oder Hévizer Schlammpackungen.

Budapest allein verfügt über zwölf Thermal- und Heilbäder. Ebenso berühmt wie das Széchenyi- sind das Gellért-Bad in Jugendstilarchitektur und das Rudas-Bad, das noch aus der osmanischen Zeit stammt. Im September letzten Jahres wurde dort in einem modernen Anbau eine neue Wellnesssektion eröffnet. Der Kontrast könnte nicht grösser sein, denn draussen auf der Schnellstrasse entlang der Donau donnert der Verkehr vorbei.

Viele Junge aus aller Welt wissen, dass jeden Samstag im Széchenyi- und im Lukács-Bad die legendären Bath-Partys mit Lasershows, Bars und lauter Musik stattfinden. Für die Bäder garantiert die Vermietung ihrer Lokalität zusätzliche Einnahmequellen. Auch das Rudas-Bad hat freitags und samstags bis vier Uhr morgens geöffnet, allerdings ohne Partytrubel, sondern zum Relaxen.

Eine pulsierende Partyszene für junge Leute

Trotz atemberaubenden Panoramas und grandioser Architektur verharrt Ungarns Hauptstadt nicht in der langweiligen Altehrwürdigkeit. Vielmehr ist sie hip, jung, lebendig und mit ihrem reichhaltigen subkulturellen Angebot auch sonst attraktiv für junge Leute. Die Bar- und Kneipenszene ist äusserst dynamisch. Das haben auch die beiden Schweizer Auswanderer Katja Schläfli (41) und ihr Mann Martin Aeschlimann (42) hautnah miterlebt, als sie vor 13 Jahren an der Király utca 9 ihren Blumen- und Einrichtungsladen Arioso (www.arioso.hu) eröffneten. In seiner Art war er zu dieser Zeit einzigartig in der Stadt. Mittlerweile beliefert das Paar mit seinen Blumenarrangements Hotels wie das «Four Seasons». Damals war die Strasse eher heruntergekommen.

Entspannen kann man nicht nur in den vielen Bädern von Budapest. Auch die Kaffeehäuser sind ein Genuss.
Entspannen kann man nicht nur in den vielen Bädern von Budapest. Auch die Kaffeehäuser sind ein Genuss.

Heute hingegen pulsiert im alten jüdischen Quartier das Szeneleben. In den sechs Innenhöfen des Gozsdu Udvar, welche die Király utca 13 mit der Dob utca verbinden, wähnt man sich in den Ausgangsquartieren von Barcelona oder Tel Aviv. Seit wenigen Jahren reihen sich hier zahlreiche Cafés, Bars und Restaurants aneinander. Abends sind sie zum Bersten voll.

Zum Essen gehen die beiden Schweizer Auswanderer oft in das Quartier rund um die Basilika. Eines ihrer Lieblingsrestaurants ist das Cafe Kör an der Sas utca 17, die zu Budapests trendigsten Strassen gehört. Katja Schläfli und Martin Aeschlimann empfehlen dort ausnahmsweise keine ungarische Spezialität, sondern eine aus dem Nachbarland Österreich. Doch auch das Wiener Schnitzel in Budapest schmeckt vorzüglich. Wer danach noch Platz im Magen findet, dem sei die Dessertkarte und der bittere Digestif Unicum empfohlen.

Autor: Dora Horvath

Fotograf: Philipp Horak